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13. Mai 2011
„Wir brauchen Standards für den Beratungsbereich Bau- und Immobilienfinanzierung“

„Wir brauchen Standards für den Beratungsbereich Bau- und Immobilienfinanzierung“

Bisher ist die Vermittlung von Baufinanzierungen noch weitgehend ohne Regulierung. Da die Anforderungen an die Berater aber immer weiter steigten, spricht sich der bvdif für Standards und eine maßvolle Regulierung aus. Interview mit Dr. Joachim Klare, Vorstandsmitglied des Bundesverband der Immobilienfinanzierer (bvdif)

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AssCompact: Herr Dr. Klare, Sie bauen Ihr Engagement für den bvdif aus. Was hat Sie dazu veranlasst?

Dr. Joachim Klare: Dieser Umstand ist der interessanten Zeit geschuldet, in der sich die Branche befindet. Die Finanzkrise und die damit verbundenen Regulierungen gehen mit einem erhöhten Anforderungsprofil für die Verkäufer am Markt einher. Die Berater müssen diesen Veränderungen gegenüber gewappnet sein. Dies sehe ich als eine wichtige Verbandsaufgabe. Der bvdif hat hier gewissermaßen eine Leuchtturmfunktion und muss als starker Partner den Beratern nicht nur den Rücken stärken, sondern auch den Weg weisen.

AC: Welchen Aufgaben beim bvdif wollen Sie sich besonders zuwenden?

JK: Nach Abschluss der Gründungsphase des Verbandes gilt es nun, die Ausrichtung des Verbandes weiterzuentwickeln und die relevanten Themen mit zu gestalten. Aus dem Markt und seinen Entwicklungen ergibt sich ein klares Anforderungsprofil. Das umfasst zum Beispiel Fragen der Qualifikation von Beratern und den Sachkundenachweis genauso wie die Themen Berufshaftpflicht oder die Beratungsdokumentation.

AC: Welche Ziele wollen Sie erreichen?

JK: Ein Ziel ist, den bvdif als Meinungsbildner mit hoher Relevanz und Schlagkraft voran zu bringen. Ich bin zuversichtlich, dass der Verband in wenigen Jahren seine Position als Vorreiter und Vertreter der beratend Tätigen signifikant weiter ausgebaut hat. Die Chancen hierfür liegen auch in der Entwicklung des Marktes selbst, der von vielen Einzelfaktoren getrieben ist und seine Strukturen zunehmend verändert.

AC: Sie sind viele Jahre im Bereich Bausparen und Finanzvertrieb tätig: Welche Entwicklungen sehen Sie bei den Vertriebsorganisationen?

JK: Vor allem die Ansprüche an Vertriebsorganisationen erhöhen sich um ein Vielfaches. Von Seiten der Kunden wird immer mehr die Sachkunde des Beraters gefordert. Ein Anliegen, das auch durch die Verbraucherschutzorganisationen nachdrücklich gefordert wird. Der Markt selbst verändert, wie zuvor schon gesagt, seine Struktur. Aus der fortschreitenden Atomisierung des Marktgeschehens, zum Beispiel durch online-gestützte Angebote, folgt konsequent, dass jeder Berater vor Ort das leisten kann, was auch ein großer Anbieter kann. Heute sind die Kunden eher auf Augenhöhe als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Hat der Kunde früher vertrauensvoll alles in die Hände seines Beraters gegeben, so begegnet er ihm heute mit höheren Ansprüchen. Die Beratungsleistung muss also höheren Qualitätsansprüchen gerecht werden.

AC: Sie wollen einheitliche Regelungen im Ausbildungsbereich umsetzen. Warum ist diese Vereinheitlichung so essenziell?

JK: Weil wir keinen homogenen Ausbildungshintergrund haben. Für den Beratungsbereich Bau- und Immobilienfinanzierung müssen Standards geschaffen werden. Über kurz oder lang kommen wir nicht umhin, das Berufsbild „Fachkaufmann Baufinanzierung/Immobilienfinanzierung“ zu etablieren. Mit dem Thema muss verantwortlich umgegangen werden, vor allem im Interesse der betroffenen Kunden. Für die Kunden geht es zumeist um die größte Investitionsentscheidung in ihrem Leben – da ist Sachkunde gefragt.

AC: Wie viel Transparenz ist Ihrer Meinung nach bei der Beratung und dem Offenlegen von Provisionen nötig? Hilft oder schadet dies dem Vertrieb?

JK: Von der Offenlegung der Provisionen halte ich wenig, denn zumeist entsteht dadurch nicht die gewünschte Transparenz, sondern eher Verwirrung. Es ist schon sehr pikant, dass nur von der Finanzbranche erwartet wird, dass sie dies offenlegt. Keine andere Branche ist einem solchen Diktat unterworfen. Der Fahrzeugindustrie wird beispielsweise auch nicht abverlangt, offenzulegen, wie viel sie an der Produktion eines Autos verdient. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, das grenzt schon fast an einen Diskriminierungstatbestand.

Das Interview mit Dr. Joachim Klare lesen Sie auch in der AssCompact Maiausgabe auf S. 86.

 
Ein Artikel von
Dr. Joachim Klare