Interview mit Dr. Jürg Schiltknecht, CEO Helvetia Deutschland
Herr Dr. Schiltknecht, die Fusion von Helvetia und Baloise in Deutschland ist ein großer Schritt. Welche Synergien versprechen sich beide Unternehmen von dieser Zusammenführung?
Wir werden in der Tat durch den Zusammenschluss einen bedeutenden Schritt nach vorne machen. In Deutschland werden wir rund 2,7 Mrd. Euro Prämienvolumen sehen, unseren Exklusivvertrieb auf über 700 Vermittler ausbauen und im Maklermarkt unter die Top-10-Versicherer vorstoßen. Es ist eine einzigartige Chance für uns. Dazu werden wir auch die sich bietenden Synergien realisieren. Und Anfang Februar hat die Helvetia Baloise Gruppe den neuen Markenauftritt bekannt geben. In Deutschland tritt das Unternehmen nun als Helvetia Deutschland auf.
Wo sehen Sie Synergien und was bedeutet das für die Einsparung von Ressourcen?
Wir sehen Synergien bei den Sach- und den Personalkosten. Bei den Sachkosten sind es vor allem Doppelspurigkeiten und Standortkosten, und bei den Personalkosten sind es insbesondere Stellen in den Querschnittsfunktionen, wo wir Potenzial haben. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir den Abbau durch ein gesteuertes Freiwilligenprogramm erreichen können und voraussichtlich keine Kündigungen aussprechen müssen.
Wo liegt die jeweilige Stärke von Baloise und Helvetia im Versicherungsvertrieb/Produktportfolio und was lernt der jeweils eine vom anderen?
Wir haben sich sehr gut ergänzende Produktportfolios und sind grundsätzlich in ähnlichen Fokus-Sparten unterwegs. Innerhalb dieser hat jede Gesellschaft ihre Stärken, welche wir gezielt ausspielen werden. Im Leben-Bereich hat Helvetia ein sehr starkes Angebot bei Einmalbeiträgen, gekoppelt mit dem Thema Schenken und Erben, bei Baloise liegen die Stärken vor allem in der Biometrie und bei der fondsgebundenen Lebensversicherung. Im Nichtleben-Bereich überzeugen beide mit attraktiven Produkten. Im Privatkundengeschäft werden vor allem die Baloise Produkte den Vorrang erhalten, weil diese bereits auf unserer neuen IT-Plattform Guidewire implementiert sind. Im Firmenkundengeschäft (FKG) werden wir das Beste aus den zwei Welten kombinieren. Der harmonisierte Verkaufsstart ist für Mai 2026 im Maklermarkt geplant, bei unserem Exklusivvertrieb im Juli 2026.
Auch bei den Vertrieben ergänzen wir uns sehr gut. Im Maklermarkt waren beide schon getrennt stark vertreten, gemeinsam steigen wir zu einem noch relevanteren Maklerversicherer auf. Im Privatkundengeschäft werden wir uns unter den Top-3-Maklerversicherern positionieren, in der Technischen und Transportversicherung als ein Top-10-Maklerversicherer. Auch in Leben werden wir in unseren Fokus-Sparten im Neugeschäft als Top-2-Maklerversicherer in der Biometrie und Top-7-Maklerversicherer in der kapitaleffizienten Altersvorsorge ein wesentlicher Marktteilnehmer sein.
Auch unser Exklusivvertrieb wird sich durch den Zusammenschluss deutlich vergrößern und über 700 Vertriebspartner umfassen.
Mit dieser neu gewonnenen Größe können wir noch viel stärker vor Ort auf den Markt einwirken und unseren Purpose leben: Wir stehen an Ihrer/deiner Seite, wenn es darauf ankommt, heute und morgen. Damit wollen wir ausdrücken, dass wir partnerschaftlich mit unseren Vertriebspartnern stehen, nah am Markt sind, schnell agieren und top Service anbieten. Daran lassen wir uns messen, denn der Zusammenschluss darf uns nicht vom Markt ablenken. Da wollen wir auch weiterhin ganz vorne präsent sein.
Seite 1 „Wir werden im Maklermarkt unter die Top-10 vorstoßen“
Seite 2 Wie sehen die konkreten Ziele des fusionierten Unternehmens für das Jahr 2026 aus? Wann gibt es das erste gemeinsame Produkt?
Seite 3 Die Integration von Mitarbeitenden und gebundenem Vertrieb ist der nächste große Schritt. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um diese Prozesse reibungslos zu gestalten?
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