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Alternative Investmentfonds: Stabil und neu geordnet
24. Februar 2020

Alternative Investmentfonds: Stabil und neu geordnet

Alternative Investmentfonds (AIF) sind seit nunmehr über sechs Jahren am Markt. Seit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) hat sich der Markt neu geordnet. Das Emissionsvolumen der Publikumsfonds entwickelt sich seither relativ stabil – und ist zugleich stark geprägt von einer Asset-Klasse.


Alternative Investmentfonds (AIF) sind seit nunmehr über sechs Jahren am Markt. Seit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) hat sich der Markt neu geordnet. Das Emissionsvolumen der Publikumsfonds entwickelt sich seither relativ stabil – und ist zugleich stark geprägt von einer Asset-Klasse.


Alternative Investmentfonds: Stabil und neu geordnet
Von Stephanie Lebert, Senior Analystin bei Scope Analysis

Eingeführt im Juli 2013 ist das KAGB nunmehr seit über sechs Jahren in Kraft. Aufgrund dessen lohnt ein Blick auf die bisherige Entwicklung und den aktuellen Status quo des Markts der geschlossenen Publikums-AIF. Welches Angebot an geschlossenen Publikums-AIF, gemessen an Anzahl und Eigenkapitalvolumen, standen Privat­anlegern seither jedes Jahr zur Platzierung zur Verfügung? Und wie hat sich der Markt der Anbieter entwickelt? Das hat Scope aktuell ausgewertet.

24 neue Publikums-AIF im Jahr 2019

Eine Auswertung des Emissionsvolumens des Jahres 2019 zeigt folgendes Bild: insgesamt wurden 24 geschlossene Publikums-AIF mit einem geplanten Eigenkapital (inkl. Ausgabeaufschlag) von kumuliert 1,2 Mrd. Euro von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Vertrieb zugelassen. Von diesen 24 Publikums-AIF investieren 15 in Immobilien. Gemessen an der Gesamtzahl stellt die Asset-Klasse Immobilien damit 63% aller Publikums-AIF. Zudem vereinen diese Immobilienfonds ein Eigenkapitalvolumen von 830 Mio. Euro auf sich, was wiederum rund 67% des gesamten Neuangebotes entspricht. Der Investitionsfokus liegt bei 11 der 15 Immobilienfonds auf deutschen Objekten unterschiedlicher Nutzungsarten wie beispielsweise Wohnen, Büro, Einzelhandel, Hotel und Pflege. Die restlichen vier Fonds sind Fremdwährungsfonds. Drei davon investieren in den USA, einer in Australien.

Immobilien dominieren auch Private-Equity-Fonds

Die am zweitstärksten vertretene Asset-Klasse ist Private Equity mit sechs AIF, wovon vier wiederum in den Immobiliensektor investieren. Ihr prospektiertes Eigenkapital beträgt 333 Mio. Euro bzw. 27% des Gesamtangebots 2019. Die noch verbleibenden drei AIF entfallen auf die Asset-Klasse Multi-Asset. Fonds aus weiteren Asset-Klassen wie zum Beispiel erneuerbare Energien oder Flugzeuge wurden im Jahr 2019 nicht aufgelegt. 20 der zugelassenen 24 Publikums-AIF sind risikogemischt konzipiert. Das heißt, sie erfüllen die Vorgaben des KAGB in Bezug auf Risikomischung und profitieren im Gegenzug von reduzierten Anforderungen im Vertrieb, zum Beispiel in Bezug auf die Höhe der Mindestanlagesumme.

Anzahl und Volumen relativ stabil

Seit Einführung des KAGB 2013 betrug das durchschnittliche geplante Eigen­kapitalvolumen pro Jahr rund 1,1 Mrd. Euro. In diesem Betrachtungszeitraum wurden pro Jahr durchschnittlich 29 Fonds aufgelegt. Bis auf 2017 lag das Angebotsvolumen in jedem Jahr oberhalb der Grenze von 1 Mrd. Euro. Das Jahr 2017 wies mit lediglich rund 705 Mio. Euro das mit Abstand niedrigste Ergebnis des betrachteten Zeitraumes auf. Mit einem Wert von rund 1,2 Mrd. Euro stellt 2019 wiederum das Jahr mit dem höchsten geplanten Eigenkapital­volumen dar und übertraf das ebenfalls starke 2018 noch einmal um rund 12%. In allen sechs Jahren war die Asset-­Klasse Immobilien die deutlich domi­nierende Asset-Klasse. Ihr Anteil lag in den Jahren 2015 bis 2019 niemals unterhalb von 63%, gemessen sowohl an der Anzahl der Fonds als auch am geplanten Eigenkapitalvolumen.

Neuordnung der Marktteilnehmer

Nachdem die Emissionsaktivitäten aufgrund der Einführung des KAGB rund ein Jahr auf Eis lagen, hat sich der Markt inzwischen neu geordnet. Einige An­bieter haben sich aufgrund des höheren Regulierungsaufwandes aus dem Neu­geschäft mit Privatanlegern zurückgezogen, während andere Emissionshäuser wiederum ihr Geschäft mit institutionellen Investoren weiter ausbauten oder sich mittlerweile gänzlich darauf konzentrieren. Andere Anbieter wiederum zeichnen sich durch eine konstante Marktpräsenz im Publikumsbereich aus und emittieren regelmäßig neue Publikums-AIF.

Auch neue Anbieter an Bord

Darüber hinaus gibt es auch Beispiele von Anbietern, die erst seit der Einführung des KAGB in den Markt der Privatanleger eingestiegen bzw. nach längerer Emissionspause wieder im Privatkundensegment aktiv sind. Zur ersten Gruppe gehört etwa PATRIZIA GrundInvest, die erst seit Einführung des KAGB Publikumsfonds auflegt und sich inzwischen zu einem bedeutenden Akteur in diesem Segment entwickelt hat. Die US Treuhand ist wiederum ein Beispiel für einen Anbieter, der sich nach längerer Emissionspause 2018 mit der Auflage eines Publikums-AIF wieder zurückgemeldet hat. Die Real I.S. hat wiederum 2019 ihren ersten gemäß KAGB regulierten australischen Publikumsfonds auf den Markt gebracht. Zu den Anbietern, die seit Einführung des KAGB regelmäßig für Neuangebot bei Privatanlegern sorgen, zählen unter anderem: BVT, DF Deutsche Finance, Dr. Peters, Hahn Gruppe, HANNOVER LEASING, HEH, HKA, HTB, INP-Gruppe, Jamestown, Ökorenta, PATRIZIA GrundInvest, Project Gruppe, Wealthcap und ZBI.

Deutlich verbesserte Standards

Vor 2013 waren geschlossene Fonds weitgehend unreguliert. Inzwischen liegen dank der Einführung des KAGB klare regulatorische Vorgaben in Bezug auf die Konzeption, die Verwaltung und den Vertrieb von geschlossenen Publikums-AIF vor. Die Kapitalverwaltungsgesellschaften werden nach Vorschriften des KAGB überwacht und müssen eine angemessene Organisation und fachlich geeignete Geschäftsleitung sowie die Trennung von Risiko- und Portfoliomanagement nachweisen.

Zu diesen deutlich verbesserten Standards gehören vor allem die Einrichtung einer Verwahrstelle, klare Vorgaben hinsichtlich des Risiko- und Liquiditätsmanagements, die Ankaufsbewertung durch externe Bewerter und Regelungen bezüglich Fremdkapitalaufnahme, Währungsrisiko und Risikomischung. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass durch die deutlich verbesserten Standards Risiken zwar abgemildert, aber natürlich nicht gänzlich verhindert werden können. Dies gilt gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die AIF während der letzten Jahre in einer Hochpreisphase auf den Investmentmärkten ankauften.

Fazit

Seit Einführung des KAGB hat sich der Markt neu geordnet. Zum einen haben Publikums-AIF nun klare regulatorische Vorgaben in Bezug auf Konzeption, Verwaltung und Vertrieb. Zum anderen werden die Kapitalverwaltungsgesellschaften nach den Vorschriften des KAGB überwacht. Von den Emissionshäusern, die sich durch regelmäßige Marktpräsenz auszeichnen, wurden von 2014 bis 2019 pro Jahr im Schnitt 29 Fonds mit einem durchschnittlichen geplanten Eigenkapitalvolumen von kumuliert rund 1 Mrd. Euro aufgelegt.

Sachwerte, allen voran Immobilien, erfreuen sich im Umfeld weiterhin extrem niedriger Zinsen und des dadurch verursachten Anlagedrucks großer Beliebtheit. Die dadurch hervorgerufene Konkurrenz unter Investoren treibt die Preise und führte zu stark sinkenden Renditen. Dies wiederum erschwert die Konzeption geschlossener Publikums-AIF mit attraktivem Renditeniveau, weshalb eine signifikante Ausweitung der Emissionsaktivitäten für 2020 nicht erwartet wird. Deshalb kalkuliert Scope für das laufende Jahr bei geschlossenen Publikums-AIF ein prospektiertes Emissionsvolumen von leicht unterhalb 1 Mrd. Euro.

Den Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2020 auf Seite 60f und in unserem ePaper.

©MohamadFaizal – stock.adobe.com


Stephanie Lebert Stephanie Lebert



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