Das Immobilienberatungsunternehmen Colliers hat erstmals einen eigenen Bericht zum deutschen Alternative-Living-Markt vorgelegt. Zu Alternative Living zählen Wohnformen wie Studentenwohnen bzw. Purpose-Built Student Accommodation (PBSA), Mikrowohnen, Co-Living und Seniorenwohnen oder auch Serviced Apartments und Aparthotels.
Die Analyse untersucht die Entwicklung und Struktur des Segments, seine unterschiedlichen Wohnformen sowie den Investmentmarkt. Dem Bericht zufolge gewinnt Alternative Living hierzulande an Relevanz, doch es zeigen sich strukturelle Engpässe.
Hohe Nachfrage trifft auf begrenztes Angebot
Die Nachfrage aus unterschiedlichen Nutzergruppen hoch, doch bislang beläuft sich der Anteil von alternativen Wohnformen an den Wohnungsfertigstellungen nur auf 4% bis 5%.
Alternative Living umfasst unterschiedliche Wohnformen wie Studentenwohnen bzw. Purpose-Built Student Accommodation (PBSA), Mikrowohnen, Co-Living und Seniorenwohnen bis hin zu Serviced Apartments und Aparthotels. Insgesamt herrscht in Deutschland derzeit an Mangel an Wohnungen in der Größenordnung zwischen 800.000 und 1,4 Millionen. Gestiegene Finanzierungskosten, regulatorische Unsicherheiten und die geringe Neubauaktivität hemmen laut Colliers die Entwicklung neuer Wohnprojekte.
Alternative Wohnkonzepte zunehmend gefragt
„Alternative Living hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Das Segment umfasst heute sehr unterschiedliche Wohnkonzepte für verschiedene Zielgruppen. [...] Die Analyse zeigt, dass Wohnkonzepte für unterschiedliche Lebensphasen und Mobilitätsanforderungen zunehmend gefragt sind“, erklärt Felix von Saucken, CEO bei Colliers Deutschland.
Demografie und veränderte Lebensmodelle treiben Nachfrage
Eine wachsende Zahl an Einpersonenhaushalten, stabile Studierendenzahlen und mobile Beschäftigte lassen den Bedarf an unterschiedlichen Wohnkonzepten steigen. So dürfte die Zahl der Einpersonenhaushalte in den Top-7-Städten bis 2040 voraussichtlich um rund 5,6% wachsen. In den 50 größten deutschen Städten wird eine Zunahme von rund 4,3% erwartet. Ein weiterer wichtiger Faktor, der den Bedarf an spezialisierten Wohnformen erhöht, ist der demografische Wandel. Bis 2040 wird die Zahl der Menschen über 65 Jahre voraussichtlich um rund 3,4 Millionen beziehungsweise 18% zunehmen. Besonders stark legt die Gruppe der 75- bis 85-Jährigen zu mit einem Plus von 45%.
Neubau vor allem im Bereich studentisches Wohnen
Studentenwohnen ist laut Bericht aktuell vorherrschend, was die Neubaupipeline im Alternative-Living-Segment betrifft. Auch am Investmentmarkt kommt diesem Teilsegment eine besondere Relevanz zu: Im Fünfjahresschnitt machte Studentenwohnen bzw. PBSA rund 43% des Transaktionsvolumens aus.
Bewegung am Investmentmarkt nimmt zu
Dem Bericht zufolge hat das Transaktionsvolumen im deutschen Alternative-Living-Markt 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 74% zugelegt auf 1,1 Mrd. Euro. Fonds, Plattformen und Investmentstrategien für Alternative Living in Europa würden inzwischen für ein angestrebtes Kapitalvolumen von mindestens 12 Mrd. Euro stehen, heißt es im Bericht. Davon entfallen rund 4,5 Mrd. Euro ausschließlich auf Deutschland. Im Fokus der Investoren stehen vor allem Studentenwohnen bzw. PBSA und Serviced Apartments.
Laufender Betrieb zunehmend von Relevanz
Mit zunehmender Marktreife rückt neben der Immobilie selbst auch der laufende Betrieb mehr in den Mittelpunkt. So würden professionelles Vermietungsmanagement und effiziente Prozesse bei Alternative-Living-Konzepten eine immer wichtigere Rolle spielen. Mikrowohnkonzepte weisen derzeit Auslastungsquoten von rund 95 bis 96% auf.
„Bei Alternative Living entscheidet nicht allein die Qualität der Immobilie über den Erfolg eines Investments. Mindestens ebenso wichtig ist ein Betreiber, der das Konzept langfristig am Markt etablieren kann. Deshalb schauen Investoren heute sehr genau darauf, wer ein Objekt betreibt und wie belastbar das Geschäftsmodell ist“, unterstreicht von Saucken.
Bessere Rahmenbedingungen erforderlich
Für eine Weiterentwicklung des Segments Alternative Living in Deutschland sind nach Ansicht von Colliers vor allem mehr geeignete Objekte erforderlich, aber auch verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und professionelle Strukturen bei Betreibern, Investoren und Finanzierern. Neue Wohnangebote könnten sowohl durch Neubau als auch durch die Umnutzung bestehender Immobilien entstehen. Insbesondere die Konversion geeigneter Büroimmobilien könne dabei punktuell eine Rolle spielen, heißt es von der Immobilienberatung. (tik)
Lesen Sie auch:
Weitere News rund um Baufinanzierung finden Sie in der Rubrik „Immobilien“.
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 60 Aufrufe