Am Donnerstagnachmittag, den 26.02.2026, war es soweit: Der Bundestag nahm sich erstmals des Gesetzentwurf der Reform der privaten Altersvorsorge an. Mitte Dezember, kurz vor Weihnachten, hat das Kabinett den Entwurf auf den Weg gebracht, nun stand die erste Lesung im Bundestag durch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) an. 30 Minuten waren für den Tagesordnungspunkt eingeplant, und diese wurden auch gut eingehalten.
Inhaltlich kam wenig Neues auf den Tisch – Klingbeil stellte einleitend den Entwurf mit seinen wichtigsten Kernpunkten und Hintergründen vor: Riester war zu kompliziert, zu teuer, zu unflexibel; die private Altersvorsorge soll für alle leichter gemacht werden, sodass auch kleine Sparbeiträge sich mehr lohnen; ein Altersvorsorgedepot soll eingeführt, inklusive eines Standardprodukts mit gedeckelten Kosten; pro Jahr soll es eine staatliche Förderung von bis zu 480 Euro geben und Familien mit Kindern sollen eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Jahr geben.
Kontroverse Kostendeckel
Im Anschluss hatten die Fraktionsparteien Gelegenheit, ihre Meinungen zum Entwurf abzugeben. Und Tatsache ist hier: Diese Runde verlief recht vorhersehbar. Dr. Florian Dorn (CDU/CSU), Martin Thews (SPD) und Dr. Carsten Brodesser (CDU) ordneten als Koalitionsvertreter den Vorschlag als zielführend und „Win-win-win“-Situation ein, an der in den nächsten Wochen im Detail noch gefeilt werden muss. So regte Brodesser etwa an, dass man darüber nachzudenken, den Kreis der Förderberechtigten zu erweitern. Die Oppositionsparteien hatten erwartungsgemäß hauptsächlich Kritik übrig. In anderen Ländern, bspw. in Schweden, werde die Sache besser gehandhabt, wie Kay Gottschalk (AfD) und Sarah Vollath (Die Linke) darlegten. Stefan Schmidt von Bündnis ‘90/Die Grünen verwies auf den Bürgerfonds, den seine Partei verfolgt und der einen „echten Neustart“ darstellen würde.
Spannend bleibt aber vor allem der eine Punkt, der unmittelbar für die Beraterbranche relevant ist und bei den verschiedenen Beiträgen der Fraktionen immer wieder Erwähnung fand: der Kostendeckel, der beim geplanten Standardprodukt vorgegeben werden soll. Hier wird aktuell in der Branche viel diskutiert – die einen finden die 1,5% zu hoch angesetzt, die anderen kritisieren ihn grundsätzlich. Der Kunde soll von seinen Anlagen etwas haben, aber Beratung, Verwaltung etc. kostet eben Geld. Tatsache ist aber: Auch die Redner aus den Koalitionsparteien kündigten bei ihren Beiträgen an, dass die Feinheiten der Reform noch geklärt werden müssen – darunter auch ein Senken des Kostendeckels. Michael Thews (SPD) bspw. erläuterte, dass geprüft werden müsse, welche Gebühren denn richtig seien und ob die Gebührenstruktur gesenkt werden könne. Er finde das richtig, denn: Ein Produkt bringe am meisten Rendite, wenn die Gebühren nicht so hoch sind. (mki)
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