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19. Juli 2026
AV-Depot: Wie Versicherer Riester-Sparer halten wollen
AV-Depot: Wie Versicherer Riester-Sparer halten wollen

AV-Depot: Wie Versicherer Riester-Sparer halten wollen

Die Einführung der neuen geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte steht zum Jahreswechsel an. Dann werden auch neue Anbieter auf den Markt drängen. Wie wollen Versicherer ihre Riester-Sparer bei sich halten? Und wie unterstützen sie bei der Entscheidung, ob die alte oder neue Förderlogik sinnvoller wäre? AssCompact hat bei einigen Anbietern nachgefragt.

Riester ist Geschichte: Zum 01.01.2027 wird eine neue Generation der geförderten privaten Altersvorsorge die Riester-Rente ersetzen. Unter anderem fällt mit dem Start der neuen Produkte der bisherige Garantiezwang. Zudem gibt es mehr Flexibilität bei der Auszahlphase.

Mit der Reform drängen auch Produktgeber auf den Altersvorsorgemarkt, die bisher so noch nicht da gewesen waren: Neobroker, Depotanbieter, Fondsgesellschaften und sogar der Staat – dessen Start ins geförderte private Altersvorsorgegeschäft sich allerdings verzögern dürfte. Das eröffnet Kunden zwar mehr Wahlmöglichkeiten, für Versicherer bedeutet es allerdings vor allem eins: größeren Wettbewerb um Altersvorsorgekunden.

Wettbewerbsvorteil: Absicherung des Langlebigkeitsrisikos

Was können Anbieter also tun, um ihre Kunden zu halten? Versicherer argumentieren, nur sie können das Langlebigkeitsrisiko verlässlich abbilden, was sicherlich einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Trotzdem wird das wohl nicht automatisch bedeuten, dass Kunden die neuen Anbieter links liegen lassen werden. Dr. Reiner Will, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, sagte kürzlich gegenüber AssCompact, dass insbesondere Versicherer mit großen Riester-Beständen sich überlegen werden müssen, wie sie diese halten können. Will erwartet aus diesem Grund Bestandshaltungsaktionen von den Unternehmen.

Das war Grund genug für AssCompact, um bei einigen Anbietern nachzufragen, ob sie etwas in diese Richtung vorhaben. Wie viel „Abwanderung“ von Riester in die neue Produktwelt erwarten die Versicherer überhaupt? Wie gehen sie mit der Umstellung um?

Wie viele Riester-Sparer in das neue System wechseln werden, lasse sich aktuell nur schwer einschätzen, erklärt Claudia Andersch, Personen-Vorständin bei der R+V, gegenüber AssCompact. „Es wird sicherlich Konstellationen geben, bei denen ein Wechsel sinnvoll ist“, so Andersch.

Frühzeitige Information soll Kunden bei Entscheidung unterstützen

Bisher sei Abwanderung noch kein Thema – die neuen Produkte seien ja bisher noch nicht auf dem Markt, heißt es von Dr. Winfried Gaßner, Abteilungsleiter Produktmanagement der WWK Versicherungen. Doch Gaßner räumt ein, dass die Wechselbereitschaft der Kunden beeinflusst werden kann, „von der medialen Berichterstattung, aber auch von neuen Anbietern, die versuchen, mit hohem Werbedruck in einem für sie neuen Markt Fuß zu fassen“.

Die WWK setzt daher auf eine „frühzeitige und transparente Informationspolitik“, um Kunden die Vorteile eines Altersvorsorgevertrags bei dem Unternehmen aufzuzeigen – und um sicherzugehen, dass ein Wechsel nicht potenziell zum Nachteil für Sparer auswirkt. „Wir möchten mit der transparenten Information frühzeitig darauf hinwirken, dass nur die Kunden in das neue Fördermodell oder in die ‚neue Produktwelt‘ wechseln, die davon auch wirklich profitieren“, so Gaßner.

Bei der Allianz sieht man es ähnlich. Der Versicherer aus München hat Riester-Kunden unmittelbar nach der Verabschiedung des Reformgesetzes angeschrieben, um sie über Informationsangebote und die nächsten Schritte zu informieren, sagt Michael Bastian, der das Projekt zur aktuellen Altersvorsorgereform bei Allianz Leben leitet. Zudem bietet die Allianz ein Online-Informationsportal sowie einen Förderindikationsrechner, der Sparern eine erste Einschätzung gibt, ob das bestehende oder das neue Fördersystem individuell vorteilhafter wäre. Von dieser Frage hänge ein möglicher späterer Wechsel nämlich ab, so Bastian.

Individuelle Beratung statt flächendeckender Aktionen

Einigkeit herrscht bei der Frage, dass ein Wechsel in die neue Produktwelt immer von den individuellen Umständen und Voraussetzungen geprägt sein muss. So wird es beispielsweise Stand jetzt bei der R+V keine flächendeckenden Aktionen geben, so Andersch. „Unsere Riester-Bestandskunden haben sehr unterschiedliche Ausgangssituationen und es gibt keine pauschal empfohlene Vorgehensweise für alle Kunden. Wir werden unsere Kunden in Bezug auf ihre individuelle Situation hin beraten“, so Andersch.

Nicht immer hätte nämlich ein Wechsel nur Vorteile, erklärt die WWK. Manchmal kann er stattdessen mit „gewichtigen Nachteilen“ verbunden sein. „Ein Verzicht auf den attraktiven Rechnungszins des bestehenden Riester-Taifs will ebenso überlegt sein wie ein Wegfall der Garantie der eingezahlten Beiträge, der ein großes Risiko birgt“, warnt Gaßner. „Wir versuchen, unsere Kunden dafür zu sensibilisieren, dass es kein Zurück mehr gibt von einem Wechsel in die neue Welt und dass daher eine vorherige Beratung unbedingt und in jedem Fall zu empfehlen ist.“

Vermittler spielen zentrale Rolle

Wo es um Beratung geht, geht es natürlich auch um Vermittler. Welche Rolle spielen diese beim Übergang von der alten in die neue Fördersystematik? Bei der Allianz auf jeden Fall schreibt man Vermittlern eine „zentrale“ Rolle zu, um Kunden dabei zu unterstützen, den passenden Weg zu wählen.

Zudem würden auch Befragungen sowie persönliche Rückmeldungen der Kunden bei Vermittlern zeigen, dass die meisten Bestandskunden nicht unbedingt an einem Anbieterwechsel interessiert sind. „Die meisten Riester-Kunden wollen vor allem von bzw. zu ihrem jetzigen Anbieter beraten werden und möchten hier eine passende Lösung“, so Bastian. (js)

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