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Bestandsübertragung: „Makler-Run-off“ oft Milchmädchenrechnung
06. Februar 2019

Bestandsübertragung: „Makler-Run-off“ oft Milchmädchenrechnung

Warum soll ein Finanzanlagen- oder Versicherungsmakler am Ende seiner Tätigkeit einen Nachfolger suchen oder seinen Bestand verkaufen? Er hat damit einen Unternehmenswert geschaffen, den er nicht zu verschenken braucht, erklärt Andreas W. Grimm in seiner Bestandsmarktplatzkolumne.


Warum soll ein Finanzanlagen- oder Versicherungsmakler am Ende seiner Tätigkeit einen Nachfolger suchen oder seinen Bestand verkaufen? Er hat damit einen Unternehmenswert geschaffen, den er nicht zu verschenken braucht, erklärt Andreas W. Grimm in seiner Bestandsmarktplatzkolumne.


Bestandsübertragung: „Makler-Run-off“ oft Milchmädchenrechnung

„Bevor mich irgendwer mit dem Zweifachen der jährlichen Bestandscourtage abspeist, lasse ich meinen Betrieb doch lieber einfach auslaufen“, höre ich immer wieder von Maklern, die nach dem einfachsten Weg suchen, ihr Lebenswerk zu vergolden. Das klingt auf den ersten Blick verlockend: Sich einfach nicht mehr bei den Kunden melden, Telefon und E-Mail dicht machen. Und sollte doch ein Kunde vor der Tür stehen, kann das Neugeschäft ja immer noch mitgenommen werden. Beim Nichtstun Geld verdienen. Wie „echte“ Rentner.

Run-off: Umstellung auf Teilzeit

Der Vergleich des Run-offs mit dem Verkauf des Unternehmens ist allerdings eine Milchmädchenrechnung, denn er vergleicht Äpfel mit Birnen. Beim Run-off stellt ein Makler seinen Geschäftsbetrieb nicht wirklich ein. Er bleibt per Maklervertrag Sachwalter seiner Kunden. Dafür bezieht er seine Courtagen. Er haftet für sein Tun oder sein Unterlassen. Er muss sich versichern, die Buchhaltung führen, Steuererklärungen abgeben. Seine Kundenakten und sein Verwaltungssystem eventuell über Jahre weiterführen.

Ein Makler-Run-off ist also kein Ausstieg, sondern die Umstellung auf Teilzeit, und zwar genau auf die Themenbereiche begrenzt, von denen mir die meisten Makler erzählen, dass sie am wenigsten Spaß machen: Dokumentation, Buchhaltung, Verwaltung und Steuern.

Wem das gefällt und wer mit den nicht bestreitbaren Risiken aufgrund der nicht mehr vorhandenen Betreuung seiner Kunden keine Probleme erwartet, für den kann ein Run-off eine Option darstellen. Der betreffende Makler sollte jedoch immer daran denken, dass auch er altert und wahrscheinlich irgendwann die Kontrolle über das eigene Unternehmen verlieren wird. Die Angehörigen, die sich dann um die Abwicklung des Unternehmens kümmern müssen, sind nicht zu beneiden.

Alternative: Käufer, der den Vorgänger im Unternehmen hält

Wer über einen Run-off nachdenkt, weil er weniger arbeiten möchte, weiterhin aber von seinem Lebenswerk profitieren will, der sollte eine Alternative wählen: Suchen Sie sich einen Käufer, der Sie weiterhin im Unternehmen halten möchte – und zwar genau in der Rolle, die Sie sich vorstellen. Beispielsweise als VIP-Betreuer oder als Netzwerker. Es gibt viele Käufer, die genau solche Verkäufer suchen. Der Verkäufer bekommt sofort und steuerbegünstigt einen attraktiven Kaufpreis, sichert sich weiterhin ein Einkommen, ist aber von jeglicher unternehmerischer Verantwortung befreit.

Wer seinen Maklerberuf wirklich ernst nimmt, dem sei gesagt: Als Sachwalter seiner Kunden darf er einen Run-off nicht ernsthaft erwägen. Denn es ist eine Entscheidung, bei der einer ganz sicher „im Regen“ stehen bleibt – der unbetreute Kunde.

  • Der Bestandsmarktplatz ist eine gemeinsame Initiative von AssCompact und dem Resultate Institut.

Den Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2019, Seite 112, und in unserem ePaper.


Andreas W. Grimm Andreas W. Grimm



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