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Blasengefahr am deutschen Immobilienmarkt bleibt (noch) niedrig
10. September 2020

Blasengefahr am deutschen Immobilienmarkt bleibt (noch) niedrig

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt analysiert. Demnach steigen die Preise trotz der Corona-Krise immer weiter. Die Blasengefahr bleibe dennoch zwar insgesamt niedrig, das könne sich aber ändern.


Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt analysiert. Demnach steigen die Preise trotz der Corona-Krise immer weiter. Die Blasengefahr bleibe dennoch zwar insgesamt niedrig, das könne sich aber ändern.


Blasengefahr am deutschen Immobilienmarkt bleibt (noch) niedrig

Die Immobilien- und Wohnungsmärkte in Deutschland zeigen sich bisher weitgehend unbeeindruckt von der Corona-Krise. Das geht aus einem aktuellen Bereich des DIW hervor. Demnach sind Mieten und Immobilienpreise trotz des historischen wirtschaftlichen Einbruchs bis zuletzt weiter gestiegen. Die Dynamik hat sich allerdings etwas verlangsamt, zumindest bei den Mieten. Gegenüber dem ersten Quartal des Jahres 2020 stiegen diese zuletzt um rund 1%. Vor dem Jahreswechsel lag der Zuwachs noch bei etwa 1,4%.

Preisanstieg geht in sein zehntes Jahr

Der Anteil der Kreise mit sinkenden Neuvertragsmieten ist von knapp 15 auf 27% gestiegen. Bei Eigentumswohnungen blieb der Preisanstieg mit 3,3% gegenüber dem Jahresbeginn im zweiten Quartal in etwa so stark wie vor der Krise (3,2%). Insgesamt geht der Preisaufschwung auf dem Immobilienmarkt damit in sein zehntes Jahr. Er hat laut dem DIW mittlerweile so gut wie alle Regionen in Deutschland erfasst. Die Corona-Krise spiegelt sich somit nicht in einer Beruhigung des Immobilienmarktgeschehens wider.

Keine flächendeckende Gefahr

Dass es bisher nicht zu größeren Verwerfungen auf dem Immobilienmarkt gekommen ist, hat dem DIW zufolge vor allem zwei Gründe. Erstens wurde ein erheblicher Teil der weggefallenen Einkommen durch staatliche Transferzahlungen aufgefangen, wie etwa durch das Kurzarbeitergeld oder einen erleichterten Zugang zu Wohngeld und Grundsicherung. Zweitens sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren zwar massiv gestiegen. Auswertungen würden aber auch zeigen, dass zumindest nicht flächendeckend Wertphantasien und Spekulation die Preise getrieben haben. Allerdings würden sich die Zeichen verdichten, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Mietentwicklung und niedrige Zinsen zu erklären sind. Die Wirtschaftskrise könnte gerade dort die Preise ins Wanken bringen.

Explosive Preisentwicklungen eher selten

Mit einem speziellen statistischen Verfahren auf Basis von Daten des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) haben die DIW-Immobilienökonomen Claus Michelsen und Konstantin Kholodilin auf regionaler Ebene und für zahlreiche Marktsegmente untersucht, ob die Immobilienpreise explosiv steigen, was ein Zeichen für spekulative Überbewertung wäre. Zwar lassen sich demnach in wachsenden und stark wachsenden Städten sowohl für Eigenheime und Eigentumswohnungen als auch für Baugrundstücke explosive Preismuster nachweisen. Mit Blick auf das Verhältnis von Kaufpreisen und Mieten sei das allerdings überwiegend nicht der Fall.

Keine kreditgetriebene Preisblase zu erkennen

Auch andere Indikatoren wie die Entwicklung der Kreditvergabe würden eher gegen eine spekulativ getriebene Preisblase sprechen. Das Neugeschäftsvolumen im Bereich der Wohnungsbaukredite bleibt in Relation zum Bruttoinlandsprodukt stabil. „Exzessive spekulative Prozesse auf breiter Front sind also nicht erkennbar, auch wenn die Entwicklung in Teilmärkten Sorge bereitet“, so Kholodilin.

Größere Gefahren bei einer zweiten Infektionswelle

Fraglich sei insbesondere was eine erneute Infektionswelle und ein weiterer Rückgang der Wirtschaftsleistung für den Immobilien- und Wohnungsmarkt in Deutschland bedeuten würden. „Auch ohne eine große Immobilienpreisblase könnte es dann zu deutlichen Wertkorrekturen und Kreditausfällen kommen“, warnt Michelsen. „Das wäre nicht nur eine schlechte Nachricht für die Banken, sondern auch für viele Privathaushalte. Letztlich könnte eine gefährliche Abwärtsspirale aus sinkenden Einkommen, sinkenden Preisen und einer weiter schrumpfenden Wirtschaft in Gang kommen.“ Die Politik solle daher den eingeschlagenen Weg der Hilfspakete und Einkommensstabilisierung nicht verlassen. (mh)

Bild: © Fotomek – stock.adobe.com




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