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16. September 2026
Cyberrisiken: Deutsche KMU fürchten das falsche Problem
Cyber-Risiken: Deutsche KMU fürchten das falsche Problem

Cyberrisiken: Deutsche KMU fürchten das falsche Problem

Wie gut sind deutsche KMU tatsächlich gegen Cyberrisiken gewappnet? Der Hiscox Cyber Readiness Report zeigt: Trotz hoher Sensibilität können Angriffe existenzbedrohend werden. Dann geraten Liquidität und Geschäftsbetrieb unter Druck, obwohl Betroffene vor allem um ihre Reputation fürchten.

Cyberangriffe gehören längst zum Geschäftsalltag kleiner und mittelständischer Unternehmen. Fast jedes dritte wurde im vergangenen Jahr Opfer eines solchen Angriffs. Bei einem Drittel der betroffenen Unternehmen waren Zahlungsfähigkeit oder sogar die Existenz erheblich gefährdet. Das zeigt der aktuelle Hiscox Cyber Readiness Report 2026. Die von Wakefield Research im Auftrag des Spezialversicherers durchgeführte Untersuchung macht dabei vor allem eines deutlich: Das größte Risiko liegt nicht unbedingt dort, wo Unternehmen es vermuten. Reputationsschäden werden am häufigsten gefürchtet, tatsächlich wiegen für betroffene KMU jedoch die wirtschaftlichen und operativen Folgen schwerer.

Cyberangriffe werden zum Betriebsrisiko

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen dort, wo es für Unternehmen unmittelbar kritisch wird: bei Liquidität und Geschäftsbetrieb. Der international angelegte Hiscox Cyber Readiness Report zeigt, dass ein Drittel der betroffenen deutschen KMU (33%) durch einen Cyberangriff seine Zahlungsfähigkeit oder sogar die eigene Existenz erheblich gefährdet sah. International lag dieser Anteil mit 25% deutlich niedriger. Auch bei den Betriebsunterbrechungen zeigt sich ein Unterschied: Im Durchschnitt standen betroffene Unternehmen in Deutschland 41,7 Stunden still – fast zehn Stunden länger als im internationalen Vergleich. Cyberangriffe werden damit schnell zu einem handfesten Liquiditäts- und Betriebsrisiko.

Von Zahlungsbetrug bis KI: Das Bedrohungsspektrum wächst

Bei den Angriffsformen zeigt sich ein breites Bedrohungsspektrum. An der Spitze stehen laut Untersuchung Finanzbetrug durch sogenannte Payment Diversion (45%) – dabei werden Zahlungswege manipuliert, sodass Überweisungen auf Konten der Angreifer umgeleitet werden – und DDoS-Attacken (42%), bei denen IT-Systeme gezielt mit einer großen Zahl von Anfragen überlastet und dadurch zeitweise lahmgelegt werden. Daneben spielen der Missbrauch von IT-Ressourcen, Datenverluste sowie Ransomware und Erpressung eine wichtige Rolle.

Zusätzliche Dynamik bringt Künstliche Intelligenz (KI) in die Risikolage. Für die kommenden fünf Jahre sehen deutsche KMU insbesondere Gefahren durch manipulierte Trainingsdaten, Schwachstellen bei der Nutzung externer KI-Tools und eine zunehmende Abhängigkeit von KI. Auch die Kontrolle über Unternehmensdaten wird als relevantes Risiko gesehen.

Cyber-Security wird zur Chefsache

Die wachsende Bedrohung spiegelt sich auch darin wider, wie Unternehmen mit Cyberrisiken umgehen. Cyber-Security wird in deutschen KMU zunehmend zur Managementaufgabe: Nach einem Angriff koppeln 41% der Unternehmen die Vergütung ihrer Führungsebene an Cyber-Security-Ziele. International sind es 32%. Cyberresilienz wird damit zunehmend Teil der strategischen Unternehmenssteuerung und nicht mehr allein als Aufgabe der IT verstanden.

Bei der Absicherung stehen deutsche KMU im internationalen Vergleich vergleichsweise gut da. 39% verfügen über eine vollumfängliche Standalone-Cyberversicherung, weltweit sind es 31%. Weitere 32% der deutschen Unternehmen decken Cybergefahren über eine andere Versicherung ab.

„Viele deutsche KMU sind für Cyberrisiken sensibilisiert und investieren in Absicherung. Ein erfolgreicher Angriff kann dennoch schnell existenziell werden. Im Ernstfall zählen vor allem Liquidität, Geschäftsbetrieb und schnelle Unterstützung. Eine vollwertige Standalone-Cyberversicherung kann finanzielle Schäden abfedern und Unternehmen mit Expertenhilfe durch den Vorfall begleiten“, sagt Klemens Lemke, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox, anlässlich der Veröffentlichung des Reports. (bh)

Über die Umfrage

Der jährlich erscheinende internationale Hiscox Cyber Readiness Report untersucht seit 2017 die Cyberbereitschaft von Unternehmen. Für die aktuelle Ausgabe befragte Wakefield Research im Auftrag von Hiscox insgesamt 6.800 Cyber-Security-Experten und Entscheider aus zehn Ländern, darunter Deutschland. Die Befragten stammen aus Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitenden. Die Online-Befragung fand vom 05.06. bis 17.06.2026 statt.