Ein Beitrag von Daniel Preis, Co-CEO und CSO der Domicil Real Estate AG
Die Debatte über die Zukunft der Rente ist mit den Vorschlägen der Alterssicherungskommission neu in Bewegung gekommen. Im Kern geht es um eine Entwicklung, die seit Jahren absehbar ist: Die Menschen leben länger, während die Zahl der Beitragszahler im Verhältnis zu den Rentenempfängern sinkt. Damit wächst der Druck auf ein System, das seine Leistungen überwiegend aus laufenden Beiträgen finanziert. In der öffentlichen Diskussion steht derzeit vor allem die stärkere Kapitaldeckung im Fokus. Die Vorschläge der Kommission gehen jedoch deutlich weiter. Sie beschäftigen sich ebenso mit der gesetzlichen Rente wie mit der betrieblichen und privaten Vorsorge.
33 Empfehlungen, fünf Themenfelder
Auf den ersten Blick wirkt das Papier der Kommission wie eine Sammlung sehr unterschiedlicher Reformvorschläge. Tatsächlich folgen sie einer klaren Struktur. Die ersten Empfehlungen beschäftigen sich zunächst mit der Frage, woran der Erfolg der Alterssicherung künftig überhaupt gemessen werden soll. Die Kommission richtet den Blick dabei stärker auf die Gesamtversorgung im Alter. Neben der gesetzlichen Rente sollen deshalb auch betriebliche und private Vorsorge stärker berücksichtigt und für die Versicherten transparenter dargestellt werden. Ergänzt werden diese Vorschläge durch eine Weiterentwicklung der Digitalen Rentenübersicht und mehr Finanzbildung.
Den größten Raum nimmt anschließend die gesetzliche Rentenversicherung ein. Hier greift die Kommission zentrale Fragen auf, die sich aus der demografischen Entwicklung ergeben. Dazu zählen eine schrittweise Anpassung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung und eine breitere Einbeziehung verschiedener Erwerbsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung. Auch die Absicherung von Menschen mit niedrigen Alterseinkommen gehört zu den Themen. Die Vorschläge reichen damit von der langfristigen Finanzierung des Systems bis zur Frage, wie sich Altersarmut begrenzen lässt.
Kapitaldeckung als Teil des Gesamtsystems
Erst mit Empfehlung 27 rückt die Kapitaldeckung in den Mittelpunkt. Die Kommission versteht sie als ergänzenden Baustein eines zukunftsfähigen Alterssicherungssystems. Begründet wird dies unter anderem mit den demografischen Herausforderungen, einer breiteren Finanzierung der Altersvorsorge und der stärkeren Teilhabe möglichst vieler Menschen an den Erträgen der Kapitalmärkte. Genau hier setzt auch die Bundesregierung an. Mit ihren Plänen für eine kapitalgedeckte Aktienrente greift sie den Gedanken auf, das umlagefinanzierte Rentensystem um einen zusätzlichen kapitalgedeckten Baustein zu ergänzen. Ob die konkrete Ausgestaltung am Ende den Erwartungen gerecht wird, bleibt abzuwarten.
Die Richtung erscheint jedoch nachvollziehbar: Wenn immer weniger Beitragszahler immer mehr Renten finanzieren müssen, wird Kapitalbildung zu einem wichtigen Bestandteil langfristiger Alterssicherung. Allerdings wird auch eine stärkere Kapitaldeckung die Folgen des demografischen Wandels nicht kurzfristig auffangen können. Kapital muss zunächst aufgebaut werden, bevor daraus Erträge entstehen. Dieser Prozess dauert Jahre, häufig sogar Jahrzehnte. Gerade deshalb bleibt das Zusammenspiel aller drei Säulen entscheidend.
Drei Säulen, ein gemeinsames Ziel
Neu ist der Blick auf ihr Zusammenspiel. Mit dem vorgeschlagenen Gesamtversorgungsniveau soll künftig nicht mehr jede Säule isoliert bewertet werden, sondern ihr gemeinsamer Beitrag zur Alterssicherung. Bei der betrieblichen Altersversorgung schlägt die Kommission vor, ihre Verbreitung vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen durch einen Sozialpartnerdialog voranzutreiben.
Für die private Altersvorsorge schlägt die Kommission dagegen keine grundlegenden neuen Reformen vor. Sie knüpft vielmehr an das bereits beschlossene Altersvorsorgereformgesetz mit dem neuen Altersvorsorgedepot an und empfiehlt, dessen Wirkung eng zu begleiten. Auch darin zeigt sich der Grundgedanke des Berichts: Nicht eine einzelne Säule soll die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigen. Erst das Zusammenspiel von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge schafft die Grundlage für eine dauerhaft tragfähige Alterssicherung. Das ist keine Abkehr vom bisherigen System. Es ist seine konsequente Weiterentwicklung.
Private Vorsorge gewinnt weiter an Bedeutung
Gerade weil die staatliche Kapitaldeckung zunächst Vermögen aufbauen muss, bevor sie nennenswerte Erträge erwirtschaften kann, und gleichzeitig für eine stärkere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung noch zahlreiche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, gewinnt die private Altersvorsorge mehr denn je an Bedeutung. Sie kann unabhängig von politischen Reformen, Tarifverhandlungen oder dem Arbeitgeber individuell aufgebaut und an die persönliche Lebenssituation angepasst werden. Wer früh beginnt, verschafft sich zudem einen entscheidenden Vorteil: Zeit. Denn langfristiger Vermögensaufbau entsteht durch den kontinuierlichen Aufbau von Vermögen, die Wiederanlage von Erträgen und die Möglichkeit, kurzfristige Marktschwankungen über viele Jahre auszugleichen. Damit stellt sich eine andere Frage: Wie sollte privates Vorsorgekapital langfristig investiert werden? Die Alterssicherungskommission gibt darauf bewusst keine Antwort. Sie empfiehlt Kapitaldeckung, nicht jedoch eine bestimmte Anlageform. Das ist folgerichtig. Denn eine erfolgreiche Altersvorsorge lebt nicht von einer einzelnen Anlageklasse, sondern von einer ausgewogenen Vermögensstruktur.
Sachwerte erweitern die Diversifikation
Ein breit aufgestelltes Vorsorgeportfolio lebt von unterschiedlichen Ertragsquellen. Immobilien, Infrastruktur oder Beteiligungen an Unternehmen der Realwirtschaft können ein Portfolio sinnvoll ergänzen. Sie eröffnen zusätzliche Ertragsquellen, entwickeln sich häufig anders als börsennotierte Wertpapiere und können so zu einer breiteren Risikostreuung beitragen. Gerade für langfristig orientierte Anleger liegt darin ihre besondere Stärke. Sachwertinvestments ersetzen weder Aktien noch andere Formen kapitalgedeckter Vorsorge. Vielmehr können sie die langfristige Vermögensbildung sinnvoll ergänzen, weil unterschiedliche Anlageklassen unterschiedliche Risiken und Ertragsquellen mitbringen. Immobilien etwa erzielen Erträge aus ihrer wirtschaftlichen Nutzung und reagieren häufig auf andere Einflussfaktoren als börsennotierte Wertpapiere. Dadurch können sie Portfolios robuster aufstellen, ohne die notwendige Diversifikation zu ersetzen.
Die Zukunft liegt im Zusammenspiel
Die Alterssicherungskommission macht deutlich, dass die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht durch eine einzelne Reform gelöst werden können. Entscheidend ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Instrumente. Das gilt für das Alterssicherungssystem ebenso wie für den Vermögensaufbau. Wer langfristig vorsorgt, sollte deshalb nicht auf Einzellösungen setzen, sondern auf eine breit diversifizierte Anlagestrategie. Genau darin liegt aus meiner Sicht die wichtigste Konsequenz des Berichts.
Weitere Meldungen rund um das Thema Baufinanzierung und den Immobilienmarkt finden Sie in unserer Rubrik „Immobilien“.
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Porträtfoto: © Domicil
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