AssCompact suche
Home
Assekuranz
31. Mai 2026
Die Flottenversicherung braucht einen Systemwechsel

1 / 2

Die Flottenversicherung braucht einen Systemwechsel

Die Flottenversicherung braucht einen Systemwechsel

Die Flottenversicherung war in den letzten Jahren kein Renditetreiber für Versicherer mehr. Technische Komplexitäten, Klimawandel und fehlende Risikodaten hat Auswirkungen auf die Arbeit von Maklern. Bietet KI eine Lösung und einen wesentlichen Mehrwert?

Ein Artikel von Daniele Baldino, CEO und PRIME Erfinder von Auto Fleet Control

Die gewerbliche Kfz-Flottenversicherung steht an einem strukturellen Wendepunkt. Trotz eines leichten Rückgangs 2025 im Flottenmarkt zeigt sich das Segment weiter auf einem historisch hohen Niveau: Nur in drei Jahren – 2019, 2023 und 2024 – wurde überhaupt ein größeres Volumen erreicht. Laut Prognosen von Dataforce soll der Flottenmarkt insgesamt um 9,9% nach oben gehen und verzeichnet einen deutlichen Volumenzuwachs im E-Auto-Segment. 

Aber Versicherer, Fuhrparks und Vermittler geraten zunehmend unter Druck. Steigende Ersatzteilpreise, komplexere Fahrzeugarchitekturen, volatile Naturgefahren und eine Schaden-Kosten-Quote laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) von weiterhin über 101% erschweren stabile Geschäftsmodelle. Für viele Versicherer ist das Flottengeschäft kein Renditetreiber mehr – und für unabhängige Makler wird es zunehmend herausfordernd, tragfähige Lösungen für ihre Kunden bereitzustellen. 

Makler zunehmend unter Druck

Makler erleben diesen Druck unmittelbar: Sie müssen Prämienentwicklungen erklären, steigende Schadenquoten nachvollziehbar bewerten und die Erwartung ihrer Kunden managen. Gleichzeitig nimmt das Servicelevel ab.

Im Schadenmanagement herrschen vielerorts weiterhin alte Abläufe vor: mühsame Kommunikation, manuelle Prozessketten und fehlende datenbasierte Risikoeinschätzungen. Unternehmen berichten von extrem langen Schadenabwicklungszeiten, wiederkehrenden Rückfragen, langen Standzeiten und einer mangelhaften Datenbasis. Das Ergebnis ist ein System, das für Versicherer teuer, für Fuhrparks ineffizient und für Makler schwer steuerbar ist. 

Reaktive Modelle bringen Makler und Versicherungen ins Risiko. Traditionelle Lösungen wie wiederholte Beitragsanpassungen oder Sanierungsmaßnahmen greifen zu kurz. Zwar lassen sich kurzfristige Defizite auffangen, doch die strukturellen Ursachen bleiben bestehen. Makler und Versicherer stehen dadurch zunehmend im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Kundenloyalität und Beratungsanspruch. 

Drei Entwicklungen verschärfen die Lage 

1. Technische Komplexität und steigende Durchschnittsschäden 

Die E-Mobilität-Schonfrist ist vorbei. Versicherer hatten E-Fahrzeuge lange günstiger eingestuft, weil belastbare Schadendaten fehlten und man die attraktive Zielgruppe mit Öko-Rabatten gewinnen wollte. Mittlerweile liegen umfassende statistische Daten vor, die zeigen, dass Schäden bei E-Autos zwar seltener auftreten, dafür aber im Schnitt bis zu 25% teurer sind. 

2. Klimarisiken und Volatilität 

Naturgefahren verursachen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Der Trend ist klar: höhere Frequenz, höhere Volatilität, höhere Unsicherheit – mit direkter Auswirkung auf Prämien und Schadenquoten. 

3. Datenblindflug im Risikomanagement 

Ob Fuhrpark oder Versicherer: Oft fehlen strukturierte Risikodaten. Ohne Mustererkennung bleibt unklar: 

  • wo die Kostentreiber liegen
  • welche Schäden vermeidbar wären
  • wie sich Risiken langfristig entwickeln 
  • was versichert werden sollte und vor allem was NICHT versichert werden sollte

Diese Entwicklung bringt zwei Folgen mit sich: Makler und Versicherungen müssen erklären, was sie selbst nicht klar prognostizieren können – und sie tragen ein steigendes Haftungsrisiko, wenn Empfehlungen nicht mehr marktgerecht sind. 

Welche Rolle spielen hier KI-Technologien und was bedeutet das konkret für Makler und Versicherer im Tagesgeschäft? KI ist kein „Tool-Upgrade“, sondern ein Systemwechsel mit optimierten Prozessen. Sie ermöglicht erstmals eine durchgängige, faktenbasierte Risikosteuerung. Entscheidend ist nicht die Technologie an sich, sondern die neue Rollenverteilung, die KI-basierte Lösungen ermöglichen. 

Seite 1 Die Flottenversicherung braucht einen Systemwechsel

Seite 2 KI als Prozessstabilisator 

 
Ein Artikel von
Daniele Baldino