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31. Januar 2020
Digitalisierung: Überholen ohne einzuholen
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Digitalisierung: Überholen ohne einzuholen

Immer mehr Versicherungsverträge werden digital vereinbart. Makler drohen auf lange Sicht abgehängt zu werden, wenn sie das Thema Digitalisierung nicht aktiv angehen. Wie sie sich mithilfe von Low-Code digitalisieren, erklärt Hans de Visser, VP Product Management bei der Siemens-Tochter Mendix.

Die gesamte Versicherungsbranche war von Anfang an eine Daten-Industrie. Informationen und deren intelligente Auswertung gehören zum Kern des Geschäfts. Auch im Vertrieb spielen Daten eine entscheidende Rolle. Mit künstlicher Intelligenz (KI), der weiteren Vernetzung und Digitalisierung geht der Wettlauf in eine neue Runde. Wer den Anschluss nicht verpassen will, muss schnell handeln. Low-Code-Plattformen wie Mendix ermöglichen die individuelle Erstellung von Software fast ohne eigenen Programmieraufwand.

Start-ups treiben etablierte Player vor sich her

Zwar spielt auch der direkte Kundenkontakt noch eine Rolle. Doch immer mehr Versicherungsverträge werden online vereinbart. Die Risikoberechnung findet in Echtzeit statt und nutzt diverse Datenbestände und Szenario-Simulationen. Nutzerfreundliche und maßgeschneiderte Apps für unterschiedliche Zielgruppen und Plattformen, komplexe Auswertungen im Hintergrund und immer neue Ideen für Marktnischen und komplexe Anwendungen sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Zahlreiche InsurTechs und andere FinTechs, also die digitalen Star-tups der Branche, treiben die etablierten Spieler vor sich her. Oft werden sie von jungen Programmierern gegründet. Die sind besonders schnell, besitzen digitale Kompetenz und können neue Geschäftsmodelle testen, ohne einen etablierten Namen zu gefährden. Gleichzeitig investieren auch die großen Versicherer enorme Beträge in die Entwicklung neuer digitaler und datengetriebener Geschäftsmodelle.

Doch konservative Versicherungshäuser, klassische Vermittler und Versicherungsmakler drohen abgehängt zu werden, wenn sie die Digitalisierung nicht sehr aktiv angehen. Wie aber können Unternehmen mitspielen, die den Aufbau der digitalen Kompetenz bisher weitgehend verpasst und sich auf das nötigste beschränkt haben?

Eine schlechte und eine gute Nachricht

Die schlechte Nachricht: Programmierer werden in nahezu allen Branchen verzweifelt gesucht. Auch wenn es an Ideen nicht mangelt, bereitet die Umsetzung oft Probleme, weil die entsprechende Manpower fehlt.

Die gute Nachricht: Digitale Systeme lassen sich inzwischen sehr schnell und qualitativ hochwertig beinahe ohne eigenen Programmieraufwand erstellen. Low-Code-Plattformen wie Mendix ermöglichen die Erstellung von Anwendungen und Lösungen auf Basis einer visuellen Oberfläche per Drag-and-Drop. So können nutzerfreundliche Unternehmensanwendungen innerhalb kürzester Zeit entworfen, getestet, veröffentlicht und immer wieder angepasst werden. Daten unterschiedlichster Herkunft lassen sich unkompliziert in einem System integrieren und analysieren. Alle nötigen Schnittstellen zu Anbietern, Vertriebspartnern, Risikoanalysten, Behörden oder Zahlungsdienstleistern lassen sich schnell und einfach implementieren. Regulatorische Anforderungen an Anwendungen in Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit sowie Cybersecurity werden durch die Architektur der Plattform in allen Lösungen erfüllt.

Funktionalität steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Arbeit mit Mendix steht die Funktionalität. In einem strukturierten Design-Thinking-Prozess entwickeln Fachkräfte aus dem Versicherungs- bzw. Vermittlungsbereich gemeinsam mit IT-Experten maßgeschneiderte Lösungen und Applikationen. Da keine traditionellen Programmierkenntnisse erforderlich sind und auch sogenannte Citizen-Developer Projekte umsetzen können, lassen sich auch Testballons und Optimierungen jederzeit schnell und einfach umsetzen.

Die IT-Abteilung wird so entlastet, behält aber dennoch die volle Kontrolle und kann die Einhaltung von Standards sicherstellen. So werden Kreativität und Innovation möglich, ohne dass dabei Wildwuchs entsteht oder die Kosten explodieren.

Zurich Insurance beispielsweise nutzte die Low-Code-Plattform von Mendix, um die agile Reorganisation voranzutreiben und die drei Ziele ihrer digitalen Transformationsstrategie zu erreichen: Kundenorientierung, Vereinfachung und Innovation. Das DevOps-Team von Zurich besteht dabei zum Teil aus ehemaligen Business-Analysten – Entwicklern mit einem ausgeprägten Verständnis für die Geschäftsanforderungen, aber nur wenigen oder gar keinen traditionellen Programmierkenntnissen. Die Fachabteilungen sind selbst für die Software verantwortlich und direkt an deren Entwicklung beteiligt. Das begünstigt das Ziel, kundenorientierte Software mit hoher Geschwindigkeit zu entwickeln.

Doch auch die Erneuerung bestehender Software durch die IT-Abteilung ist mit der Hilfe von Low-Code-Plattformen günstiger und schneller zu bewerkstelligen. So hat die Business Development Bank of Canada (BDC) mithilfe von Mendix innerhalb von nur acht Monaten ihren gesamten Workflow neu designt und ein Kreditsystem eingerichtet, das die Prüfung, Verwaltung und Auszahlung flexibel und kundenfreundlich gestaltet.

Low-Code-Plattformen beschleunigen die Software-Entwicklung, entlasten die IT und geben den Versicherungs- und Vertriebsexperten mehr Freiheiten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Unternehmen für neue Wege der Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen bereit ist. Die Plattform unterstützt das interdisziplinäre, kollaborative Zusammenspiel. Ist die Bereitschaft dafür nicht da, ist ihr Einsatz wenig sinnvoll. Ansonsten gibt es kaum Beschränkungen. Die Einsatzmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Softwarelandschaft im Allgemeinen.

Generell nimmt die Zahl der Software-Applikationen für Vertrieb und Verwaltung von Versicherungsleistungen für unterschiedliche Kundengruppen stark zu. Immer speziellere Anwendungen müssen dabei jedoch immer höhere Anforderungen erfüllen. Dem steht jedoch oft ein Mangel an Entwicklern entgegen. Eine umfassende Low-Code-Plattform bietet hier die Möglichkeit, den eigenen Entwicklerpool zu erweitern und das Unternehmen in die digitale Zukunft zu führen.

Bild: © Mendix