4. Restarbeitskraft realistisch ansetzen
Ein häufiger Kipppunkt ist das angenommene Einkommen nach Eintritt der Berufsunfähigkeit. Restarbeitseinkommen kann sinnvoll sein, wenn es realistisch begründet ist. Es kann die Planung aber auch zu optimistisch machen. Besonders bei spezialisierten Berufen, Selbstständigen, Freiberuflern und Mitgliedern von Versorgungswerken sollte ein vorsichtiger Stressfall geprüft werden.
Wer mit 30% oder 40% Restarbeitskraft kalkuliert, unterstellt erhebliche Einkünfte nach BU. Bei Versorgungswerken kommt hinzu, dass Leistungen häufig an sehr weitgehende Voraussetzungen oder eine Berufsaufgabe geknüpft sind. Deshalb sollte geprüft werden, was bei nur 10% oder 20% Restarbeitskraft passiert.
5. Nicht nur Ampel zeigen, sondern Ursache erklären
Eine Ampel ist hilfreich, aber noch keine Beratung. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn die Ursache sichtbar wird: Ist die BU-Rente zum Leben zu niedrig? Ist die Restarbeitskraft zu optimistisch? Fehlt ein Sparbeitrag im BU-Fall? Reicht die Dynamik nicht aus? Oder ist der Spielraum für spätere Nachversicherung zu knapp?
Erst wenn die Ursache erkannt ist, kann der richtige Hebel gewählt werden. Dann lautet die Empfehlung nicht automatisch: „mehr BU-Rente“. Sie lautet präziser: „Diese Lücke entsteht an dieser Stelle – und dieser Baustein löst sie am wirksamsten.“
6. Den passenden Hebel wählen
Aus der Diagnose ergeben sich unterschiedliche Hebel. Wenn der laufende Bedarf nicht gedeckt ist, steht die BU-Rente zum Leben im Vordergrund. Wenn die Altersversorgung im BU-Fall kippt, braucht es einen Altersbaustein oder einen Sparplan mit BU-Airbag. Wenn spätere Anpassungen gefährdet sind, wird der Nachversicherungspuffer entscheidend.
Der BU-Airbag ist dann kein Zusatzverkauf, sondern die logische Folge der Diagnose. Der Kunde erkennt, dass der Mehrbeitrag nicht „on top“ entsteht, sondern eine konkrete Lücke stabilisiert.
7. Beratungsstufen statt Alles-oder-nichts
Nicht jeder Kunde kann oder will sofort die optimale Lösung umsetzen. Deshalb sollte eine gute BU-Beratung mit Stufen arbeiten: Mindestschutz, robuste Lösung und optimale Lösung. Der Mindestschutz stabilisiert den laufenden Bedarf. Die robuste Lösung berücksichtigt zusätzlich die Altersversorgung im BU-Fall. Die optimale Lösung verbindet Einkommen, Altersversorgung, Dynamik, Nachversicherungspuffer und regelmäßige Kontrolle.
8. Nachversicherung und BU-Control mitdenken
BU-Beratung endet nicht mit dem Abschluss. Einkommen, Inflation, Familienstand, Immobilienfinanzierung, berufliche Stellung und Vorsorgeziele verändern sich. Entscheidend ist, ob die Struktur auch später noch Spielraum bietet.
Ein spezialisiertes BU-Beratungstool kann diesen Ablauf erleichtern. Es ersetzt nicht die Maklerkompetenz, sondern ordnet Zahlen, Szenarien und Wirkungszusammenhänge. Vor allem macht es sichtbar, welcher BU-Zeitpunkt kritisch ist, welche Lücke entsteht, ob die Annahmen tragfähig sind und welcher Hebel daraus folgt. Auch ohne Tool bleibt der Ablauf derselbe. Mit Tool wird er schneller, konsistenter und besser dokumentierbar.
Fazit
Die optimale BU-Beratung beginnt nicht mit der Frage, wie hoch die monatliche BU-Rente sein soll. Sie beginnt mit der Frage, welche Versorgung im BU-Fall wirklich stabil bleiben muss – heute, bis zum Rentenbeginn und danach. Wer BU nur als Einkommensersatz verkauft, sieht häufig nur die erste Hälfte des Problems. Die zweite Hälfte liegt in Altersversorgung, Dynamik, Restarbeitskraft und Anpassbarkeit. Der Mehrwert des Maklers entsteht deshalb bei der Diagnose: Welche Lücke entsteht wann? Warum entsteht sie? Und welcher Hebel löst sie am besten?
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