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6. November 2026
FiDA-Aus: Warum Versicherer und Makler jetzt handeln sollten
FiDA-Aus: Warum Versicherer und Makler jetzt handeln sollten

FiDA-Aus: Warum Versicherer und Makler jetzt handeln sollten

Die EU-Kommission zieht ihren Verordnungsvorschlag zum Financial Data Access (FiDA) zurück. Dies sollte nicht das Ende von Open Finance sein. Der wahre Druck zum Austausch von Finanzdaten kommt nicht vom Gesetzgeber, sondern durch steigende Kundenerwartungen, KI und neuartige Finanzagenten.

Ein Kommentar von Knut Besold, Partner bei KPMG Financial Services

Der angekündigte Schritt aus Brüssel setzt ein deutliches Zeichen: Im Rahmen ihres aktuellen Arbeitsprogramms und der Initiative zur Entlastung von Bürokratie zieht die EU-Kommission den Verordnungsentwurf zum Financial Data Access (FiDA) zurück.

Für viele Finanzdienstleister mag dies auf den ersten Blick wie eine willkommene Entlastung wirken. Doch diese Annahme greift zu kurz. Der regulatorische Druck mag nachlassen, aber der Markt bewegt sich weiter. Die entscheidende Frage lautet nicht, wer per Gesetz Daten bereitstellen muss, sondern wer aus Finanzdaten das beste Kundenerlebnis schafft und damit die Kundenschnittstelle besetzt.

Neue Wettbewerber: Die Stunde der spezialisierten „Financial Agents“

Der Gewinner im Open-Finance-Ökosystem muss künftig weder die größte Bank, noch der größte Versicherer, noch das mächtigste Vergleichsportal oder das beste KI-Modell sein. Stattdessen zeichnet sich das Entstehen einer völlig neuen Kategorie spezialisierter Financial Agents ab. Anwendungen, die ähnlich wie Smartphone-Apps gezielt auf spezifische Kundenbedürfnisse bei Vorsorge, Versicherungen, Finanzierung oder Vermögensaufbau zugeschnitten sind.

Erfolgreich werden diejenigen Unternehmen sein, die künstliche Intelligenz mit Finanzdaten, Vertrauen, regulatorischer Sicherheit und echter Transaktionsfähigkeit verbinden. Etablierte Anbieter besitzen weiterhin gute Chancen, als Gewinner aus dieser Entwicklung hervorzugehen – vorausgesetzt, sie setzen jetzt konsequent auf modernes Datenmanagement und richten sich an den neuen Kundenbedürfnissen aus.

Chancen für Banken: Vom Datenschatz zum „Financial Home“

Für Banken eröffnet das Aus von FiDA neue Chancen. Kreditinstitute verfügen mit Konto-, Zahlungs- und Vermögensdaten bereits über einen einzigartigen Datenschatz, aus dem sich Kundenbedarfe sehr frühzeitig erkennen lassen. Zudem besitzen sie das nötige Vertrauen, um Kunden ein Leben lang auf ihrer finanziellen Reise zu begleiten.

Dieser Vorsprung ist jedoch kein Selbstläufer. Banken müssen jetzt grundlegende Weichenstellungen vornehmen. Wollen sie reine Produktlieferanten bleiben oder das umfassende Financial Home ihrer Kunden, das Bank-, Anlage-, Vorsorge- und Versicherungsbedarfe intelligent bündelt?

Versicherer im Zugzwang: Maschinen-Schnittstellen und Agentenfähigkeit

Versicherungsunternehmen sollten sich vom Ende von FiDA keinesfalls zum Stillstand verleiten lassen. Schon heute sind Large Language Models (LLMs) in der Lage, komplexe Informationen aus Versicherungspolicen zu strukturieren, während KI-Agenten künftig selbstständig Portale und Vergleichsangebote einbeziehen werden. Das Aus von FiDA verhindert diese Anwendungsfälle keineswegs, es verändert lediglich die technischen Rahmenbedingungen. Versicherer müssen ihre Produkte und Services deshalb künftig nicht mehr nur für menschliche Kunden, sondern zwingend auch für Maschinen zugänglich machen. Neben der klassischen Kundenschnittstelle wird eine dedizierte Maschinen-Schnittstelle unentbehrlich. Datenqualität, digitale Abschlussfähigkeit und die sogenannte Agentenfähigkeit werden damit selbst zu zentralen Vertriebsfaktoren.

Die Zukunft der Beratung: Makler mit KI statt das Ende des Maklers

Aus der Kombination von KI und Open Finance das Ende des unabhängigen Vermittlers abzuleiten, greift zu kurz. Gerade Makler können zu den großen Gewinnern der Transformation zählen, wenn sie ihre Unabhängigkeit und persönliche Beratungskompetenz gezielt mit KI-Werkzeugen verbinden. Der Makler der Zukunft muss nicht mehr jede Police manuell prüfen und jeden Tarif einzeln vergleichen. Seine eigentliche Aufgabe verlagert sich darauf, KI-generierte Ergebnisse einzuordnen, komplexe Lebensentscheidungen zu begleiten und persönliche Verantwortung für den Kunden zu übernehmen. Vertrauen und langfristige Beziehungen entstehen auch weiterhin durch echte Beratung und Leistung. Nicht der Makler wird durch KI ersetzt – vielmehr gerät der Makler ohne KI gegenüber dem Makler mit KI unter Druck.

Empfehlungen für das Management: Was Vorstände jetzt tun sollten

Für Vorstände empfiehlt es sich, das Ende von FiDA zu nutzen – allerdings nicht, um die eigene Open-Finance-Roadmap zu streichen, sondern um sie zu überprüfen und die eigene Strategie bei Bedarf zu optimieren. Folgende Leitfragen können dabei helfen: Welche eigenen Daten besitzen wir im Unternehmen, welche fremden Daten benötigen wir wirklich für ein besseres Kundenerlebnis? Welche konkreten Kundenprobleme lassen sich durch Datenintegration nachhaltig lösen? Und mit Blick auf Agentic-Finance: Wie verändern sich unsere Kundenprozesse, wenn künftig KI-Agenten auf Kundenseite mit unseren Systemen interagieren?

Das Ende des FiDA-Vorschlags markiert nicht das Ende von Open Finance, sondern den Übergang von einer rein regulatorischen Pflichtaufgabe hin zu einer marktgetriebenen Innovationschance. Wer jetzt die Voraussetzungen schafft, baut nicht nur Risiken ab, sondern sichert sich aktiv die Kundenschnittstelle der Zukunft.

Über den Autor

Knut Besold ist Partner bei KPMG im Bereich Financial Services. Als Teil des Management Consulting Teams verantwortet er insbesondere die Themen End-2-End-Transformation und Vertrieb. Seit über 17 Jahren berät Knut Besold Finanzdienstleister, Versicherer und Makler entlang der gesamten Wertschöpfungskette und unterstützt sie bei der erfolgreichen Transformation ihres Geschäftsmodells.