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15. Februar 2022
Fondspolicen: Viel Luft nach oben in Sachen ESG-Qualität
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Fondspolicen: Viel Luft nach oben in Sachen ESG-Qualität

Wie steht es um die Qualität des ESG-Investmentangebots von Fondspolicen? Das Beratungshaus Smart Asset Management hat 24 Tarife von 24 Versicherern beleuchtet. Analysiert wurden unter anderem die ESG-Ratings der Fonds und die Breite der Abdeckung. Wie die Ergebnisse zeigen, sind die Tarife noch ausbaufähig.

Die Hamburger Smart Asset Management GmbH (sam) hat eine aktuelle Auflage ihres „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ herausgebracht. Im Rahmen der Studie nimmt die auf fondsgebundene Policen spezialisierte Beratungsboutique die ESG-Qualität fondsgebundener privater Rentenversicherungen unter die Lupe. In der aktuellen Ausgabe wurden mit dem Kooperationspartner Institut für Vermögensaufbau (IVA) 24 Tarife von 24 Versicherern untersucht. „Nachhaltigkeit ist aus der Investmentlandschaft nicht mehr wegzudenken. Viele Anlegerinnen und Anleger wollen Gutes durch ihr Kapital bewirken. Außerdem treibt die Politik das nachhaltige Investieren voran, unter anderem durch die Grüne Taxonomie und die EU-Offenlegungsverordnung, die sogenannte Sustainable Finance Disclosure Regulation. Das macht den Aspekt der Nachhaltigkeit auch für Fondspolicen besonders wichtig“, unterstreicht Thorsten Dorn, sam-Geschäftsführer.

ESG-Ratings der Fonds unter der Lupe

Auf dem Prüfstand standen die ESG-Ratings der angebotenen Fonds, die Breite der Abdeckung und die Qualität von Portfolios, die sich aus den angebotenen Fonds bauen lassen. „Die Analyse der ESG- bzw. Nachhaltigkeitsqualität wird mittels des ESG-Konsens-Ratings des Instituts für Vermögensaufbau durchgeführt. Im Unterschied zu den Selbsteinstufungen der Fondsgesellschaften nach Artikel 6, 8 und 9 der EU-Offenlegungsverordnung basiert das IVA-ESG-Konsens-Rating auf Bewertungen der in den Fonds tatsächlich enthaltenen Titel“, erläutert IVA-Vorstand Dr. Dirk Rathjen. Da die ESG-Rater eine unterschiedliche Auffassung hätten, was nachhaltig sei, bewerte das IVA anhand von drei ganzheitlichen ESG-Ratings und erhalte auf diese Weise eine Konsensmeinung.

 Renditen und Wertentwicklungen zu optimistisch

Die Analyse ermöglicht einen Einblick, welche Tarife für Kunden mit den Profilen „Defensiv“, „Ausgewogen“ und „Wachstum“ am ehesten die gewünschte Zielrendite mit so wenig Risiko wie möglich zulassen. Hierbei gelangt das Beratungshaus zu dem Schluss, dass die für die Kundenprofile geplanten Renditen und somit die in den Modellrechnungen der Angebote ausgewiesenen Wertentwicklungen von zum Beispiel 3%, 6% oder 9% zu optimistisch ausfallen.

ESG-Qualität lässt noch zu wünschen übrig

„Zwar hat sich das Angebot an Einzelfonds im Vergleich zum Vorjahr mit aktuell rund 600 anwählbaren Einzelfonds innerhalb der von uns untersuchten Tarife und Fondspaletten mehr als verdoppelt. Das heißt aber nicht, dass sich die Qualität ebenso gesteigert hat“, erklärt Thorsten Dorn.

So weist lediglich die Hälfte der beleuchteten Tarife ein ausreichendes Angebot an Fonds und ETFs in den definierten 15 wichtigsten Assetklassen auf. „Genau das ist jedoch entscheidend, um eine strategische Asset-Allokation umzusetzen, solide Portfolios zu bauen und gleichzeitig den Kunden hinsichtlich Renditeerwartung, Risikobudget und Nachhaltigkeitsbedürfnis gerecht zu werden“, betont Dorn. Nachholbedarf sieht er etwa bei defensiven Rentenfonds und Green Bonds.

Knackpunkt Mindestinvestitionsquoten

Ein Aspekt für ein erfolgreiches Portfolio in der Police liege bereits in den Restriktionen der einzelnen Tarife, wie Dirk Rathjen anführt. Mindestinvestitionsquoten pro Fonds von beispielsweise mindestens 10% haben negative Auswirkungen auf die Renditechancen und das Risikobudget. Gut ein Drittel der analysierten Tarife weisen diese Mindestgewichtung auf. „Trifft diese gleichzeitig auf eine maximal anwählbare Anzahl von ebenfalls zehn Einzelfonds, ist ein optimal diversifiziertes Portfolio nur schwer darstellbar. Diese Kombination trifft auf vier der insgesamt 24 untersuchten Tarife zu“, so Rathjen.

Jeder zweite Tarif mit ausreichendem Angebot an Einzelfonds

Laut Fondspolicenreport verfügen zwölf der 24 beleuchteten Rentenversicherungen über ein qualitativ und quantitativ ausreichendes Angebot an Einzelfonds. Zwar sehen die Studienautoren beim Angebot nachhaltiger Fondspaletten in Fondspolicen noch viel Luft nach oben, doch Kunden, die im Rahmen ihrer Altersvorsorge nachhaltig anlegen wollen, bekommen bei vielen Versicherern solide Portfolios gebildet und angeboten.

Diese Versicherer überzeugen

Mit einem sehr guten Gesamtergebnis schneiden Helvetia, Swiss Life, die Stuttgarter, LV 1871 und HDI ab. Die Note „gut“ bescheinigt sam den Versicherern Prisma Life, Alte Leipziger, Standard Life, Liechtenstein Life und Basler. Im Bericht heißt es dazu, dass nahezu alle Tarife der Top Ten die erforderliche Flexibilität bieten, um strategische Portfolios nach ESG-Kriterien zu bauen. In der Assetklassen-Besetzung zeigt sich aber noch viel Luft nach oben. Die Bestnote „Hervorragend“ wurde nicht vergeben. (tk)

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