Zum ersten Mal hat Franke und Bornberg Pflegetagegeldversicherungen bewertet und die Ergebnisse des neuen Ratings nun vorgestellt. Mit über drei Millionen Verträgen ist das Pflegetagegeld die häufigste Form der privaten Pflegevorsorge. Für jeden Tag der Pflegebedürftigkeit gibt es einen festen Betrag. Bei ambulanter Pflege erhöht sich das Tagegeld meist mit dem Pflegegrad. Seit dem Jahr 2017 zahlen Heimbewohner unabhängig vom Pflegegrad denselben einrichtungseinheitlichen Eigenanteil. Darauf haben Versicherer laut Franke und Bornberg reagiert: Viele Tarife sehen ab Pflegegrad 2 einen konstanten Betrag im Heim vor. Bei einigen Tarifen lässt sich die Leistung auch je Pflegegrad frei wählen.
Trends bei Pflegetageldtarifen: Monatsgelder
Den Analysten zufolge erhalten Versicherte bei neueren Tarifen bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit oft einmalig 1.000 bis 15.000 Euro oder ein Vielfaches des Tagessatzes. Einzelne Anbieter würden das Tagegeld durch eine Monatsleistung ersetzen. „Monatsgelder sind unter dem Strich zwar gleich hoch, aber sie nähern sich sprachlich Produkten wie der Pflegerente oder der BU-Rente an, die ebenfalls auf Monatsbasis abgeschlossen werden. Das erleichtert den Vergleich unterschiedlicher Produktkonzepte“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.
130 Tarife von 33 Versicherern auf dem Prüfstand
Das neue Rating Pflegetagegeld von Franke und Bornberg bewertet Tarife anhand von 61 Kriterien und vergibt maximal 3.610 Punkte. Besonders stark gewichtet haben die Analysten Assistance-Leistungen, Dynamik und eine kundenfreundliche Staffelung nach Pflegegraden. Auch die Finanzstärke des Anbieters – bewertet auf Grundlage des map-reports – hat Franke und Bornberg bei der Bewertung berücksichtigt.
Auf Grundlage der Gesamtpunktzahl wurden die Tarife einer von sieben Klassen zugeordnet – von FFF+ (hervorragend) bis F- (ungenügend). Dem Analysehaus zufolge sind für die Bestwertung FFF+ 85% der möglichen Punkte notwendig. Ab der Note F+ (ausreichend) gelten zudem Mindeststandards, die mit jeder Klasse anspruchsvoller werden. Um zur Spitzengruppe zu gehören, muss zum Beispiel bei einem Tarif ein Pflegeplatz innerhalb von 24 Stunden vermittelt werden und Beitragsfreiheit für Versicherte mit Pflegegrad 5 gewährleistet sein.
Spitzenbewertungen für Pflegetagegeld sind rar
Wie die Ergebnisse des Ratings zeigen, ist die Spitzengruppe recht überschaubar. Lediglich für acht Produkte gibt es die Höchstnote „hervorragend“ (FFF+). Dies entspricht einem Anteil von 6,2% aller beleuchteten Tarife. 33 Tarifen bzw. 25,4% bescheinigen die Analysten die Note „sehr gut“ (FFF). Sechs Tarife bzw. 4,6% erhalten die Note „gut“ (FF+). Fast die Hälfte der Tarife kommt hingegen nicht über ein „ausreichend“ oder eine schlechtere Bewertung hinaus.
Wie Franke und Bornberg erläutert, zeichnen sich Spitzenprodukte mit Leistungen ab Pflegegrad 1 aus, einer 100%-Leistung bei stationärer Pflege ab Pflegegrad 2, Dynamik, Nachversicherungsgarantie und Assistance-Leistungen. Schwächere Tarife würden meist an denselben Aspekten scheitern.
Sieben Versicherer mit Bestnote für mindestens einen Tarif
Die Höchstwertung „hervorragend“ (FFF+) erreichen für einen oder mehrere Tarife die folgenden Unternehmen (in alphabetischer Reihenfolge):
Allianz Private Krankenversicherung, Concordia, HUK-COBURG, IDEAL, INTER, NÜRNBERGER und Versicherer im Raum der Kirchen.
Aktualisiertes Rating Pflegerente
Parallel zum neuen Rating Pflegetagegeld hat Franke und Bornberg auch ein Update des bestehenden Ratings Pflegerente vorgelegt. Mit rund 240.000 Verträgen (Bestand Ende 2024) bleibt die Pflegerente nach wie vor in einer Nebenrolle. Die Versicherer bieten den Schutz in der Regel in zwei oder drei Varianten an. In den Basisvarianten gibt es Leistungen erst ab Pflegegrad 4 oder 5 – sie wenden sich insbesondere an preissensible Kunden.
Angebot und Qualität bei Pflegerente-Tarifen unverändert
Den Analysten zufolge sind Angebot und Qualität unverändert. Derzeit haben sechs Lebensversicherer insgesamt 53 Tarife im Angebot, denen Franke und Bornberg eine überwiegend mittlere Qualität bescheinigt. Knapp zwei Drittel schneiden mit der Note „gut“ (FF+) ab. Es handelt sich dabei um Offerten von IDEAL, Swiss Life und Zurich.
„Pflegerenten sind schon seit 30 Jahren auf dem Markt, aber sie haben nie richtig Fuß gefasst“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg. Die Ursache hierfür sieht der Experte vor allem beim Preis. „Pflegerenten werden als Produkt der Lebensversicherung oft mit einer bis zum Alter 65 oder 67 befristeten Beitragszahlung angeboten. Das lässt die Prämien gegenüber Krankentarifen deutlich teurer erscheinen – dabei werden letztere meist lebenslang bezahlt“, so Monke weiter.
Fazit: Pflegeparadoxon bleibt
Spitzenbewertungen für Pflegetagegeld sind selten, doch viele Tarife liegen dicht dahinter und bieten solide Leistungen, so das Resümee der Analysten. Pflegerenten hingegen fristen weiterhin ein Nischendasein und sind von überwiegend mittlerer Qualität.
Je höher die Eigenanteile für stationäre Pflege steigen, desto relevanter wird private Vorsorge. Doch das Pflegeparadox bleibe, so Franke und Bornberg: Für junge Menschen sei Pflegeschutz günstig, aber uninteressant. Ältere würden den Bedarf erkennen, könnten sich ihn aber häufig nicht mehr leisten.
Weitere Informationen zum neuen Rating Pflegetagegeldversicherung gibt es auf der Website von Franke und Bornberg ebenso wie die Ergebnisse des aktuellen Ratings Pflegerentenversicherung. (tik)
Lesen Sie auch:
Das könnte Sie auch interessieren:
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können

