Um die private Krankenversicherung drehen sich derzeit die Schlagzeilen. Primär dürfte das an der Verkündung des PKV-Verbands liegen, dass sich die Prämien für viele Privatversicherte zum Jahreswechsel im Schnitt um 13% erhöhen dürften. Das Ratinghaus Franke und Bornberg veröffentlichte kurz zuvor sein Rating zur privaten Krankenvollversicherung und legt nun mit seinem Rating zu den besten PKV-Tarifen für Beamte nach.
Franke und Bornberg gewichtet in dieser Iteration Finanzstärke, Beitragsentwicklung und Service stärker. Die Ergebnisse des Ratings sind eher mittelprächtig: Nur 2,7% der Tarife im Notenspiegel erreichen die Höchstnote FFF+ hervorragend. Laut Franke und Bornberg kommt es auch vor dem Hintergrund der anstehenden Beitragserhöhungen (für Beihilfeberechtigte sind es durchschnittlich 11,4%) mehr denn je darauf an, wie stabil der Versicherer wirtschaftet und wie er seine Kunden durch das Gesundheitssystem lotst. Weiterhin sei der Markt der PKV für Beamte besonders kleinteilig, weil sich die Beihilfeansprüche zwischen Bund und Ländern sowie je nach Familienstand unterscheiden.
Das ist neu im Rating
Franke und Bornberg überträgt die Neuerungen aus dem zuletzt veröffentlichten PKV-Voll-Rating vollständig auf die Tarife für Beamte. Dabei prägen vier Änderungen den aktuellen Ratingjahrgang:
- Mehr Gewicht für den Versicherer hinter dem Tarif: Bereits seit dem letzten Update fließen Ergebnisse aus dem map-report in das Rating ein. Sie bilden die finanzielle Stärke der Gesellschaften, die langfristige Beitragsentwicklung sowie Unterstützung und Services für Kunden ab. Franke und Bornberg erhöht die Gewichtung dieser Faktoren. Neu hinzu kommt der Nachhaltigkeits-Score von Franke und Bornberg als Maßstab für das Engagement der Versicherer in diesem Bereich.
- Hilfsmittelversorgung: Steuerungsinstrumente bewertet Franke und Bornberg künftig nicht mehr per se negativ. Für die Ratingklassen FFF+ und FFF dürfen Tarife die volle Erstattung von Hilfsmitteln nun an ein Beschaffungsmanagement des Versicherers knüpfen.
- Transportkosten zu ambulanten Behandlungen: Tarife ohne Anspruch auf Erstattung von Fahrten zu ambulanten Behandlungen wie Dialyse oder Strahlentherapie erhalten höchstens die Note F+ ausreichend.
- Versorgung am Lebensende: Erstmals bewertet Franke und Bornberg mit zwei Detailkriterien Leistungen für die ambulante Palliativmedizin und für stationäre Hospizdienste.
PKV-Beamte-Rating: Das sind die Ergebnisse
Nur 26 von 959 Tarifen im Notenspiegel erhalten die Höchstnote FFF+ hervorragend. Das entspricht 2,7%. Lediglich 86 Tarife (9,0%) erreichen die Note FFF sehr gut. Die meisten Tarife liegen im Mittelfeld: 364 Tarife (38%) erhalten die Note FF+ gut, 471 Tarife, also knapp die Hälfte, die Note FF befriedigend. Mehr als jeder zweite Tarif kommt damit nur auf FF befriedigend oder schlechter. Das betrifft 483 Tarife oder 50,4%. Häufig liegt das daran, dass ein Tarif im Krankenhaus nur Regelleistungen erstattet: Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer gehören zu den Mindeststandards für die Note FF+ gut. Zwölf Tarife erreichen lediglich F+ ausreichend. Mangelhafte oder ungenügende Tarife gibt es im aktuellen Notenspiegel nicht.
Weiterhin bieten nur fünf der 26 Versicherer mindestens einen Tarif mit der Höchstnote FFF+ hervorragend, erklärt Franke und Bornberg.
So funktioniert das Rating
Franke und Bornberg wählt für den Notenspiegel eine feste Konstellation aus Bundesland und Familienstand. Der Notenspiegel umfasst diesmal etwas mehr Tarife als zuletzt (861 im Jahr 2025), weil für einige Versicherer Konstellationen mit Options- und Kurtarifen ergänzt wurden. Tarife für Beamtenanwärter bewertet Franke und Bornberg nach demselben Verfahren.
Das Rating verbindet die Bewertung der Tarifbedingungen mit Kennzahlen zu Finanzstärke, Beitragsentwicklung und Service aus dem map-report sowie dem Nachhaltigkeits-Score. Damit bildet es Aspekte aller vier Bewertungsdimensionen von Franke und Bornberg ab: Bedingungen, Stabilität und Nachhaltigkeit sowie die Dimension Beiträge über die Beitragsentwicklung aus dem map-report.
Analysiert werden Tarife von 26 Versicherern in 20 Untersuchungsbereichen mit 134 Detailkriterien. Die finanzielle Stabilität aus dem map-report fließt mit bis zu 1.000 Punkten ein, der Nachhaltigkeits-Score mit bis zu 500 Punkten. Die Höchstnote FFF+ erhalten Tarife, die mindestens 85% der maximal 23.925 Punkte erreichen. Zusätzlich müssen sie Mindeststandards erfüllen, darunter freie Arztwahl, volle Kostenübernahme für das Einbettzimmer, einen offenen Hilfsmittelkatalog und mindestens 50 Sitzungen ambulante Psychotherapie.
Darum wird Gesundheitsmanagement wichtiger
Die Kosten im Gesundheitswesen steigen in allen Leistungsbereichen. Franke und Bornberg erklärt unter Berufung auf den PKV-Verband, dass die Versicherungsleistungen der PKV 2025 in der Summe um 7,2% auf 42,1 Mrd. Euro gestiegen sind, was sich zum Jahreswechsel auch bei Beamten in den Beiträgen niederschlage.
Deshalb gewinnen nach Analyse des Ratinghauses Leistungen an Gewicht, die die Versorgung steuern, ohne sie zu verschlechtern. Dazu gehören ein strukturiertes Gesundheitsmanagement mit persönlicher Begleitung im Case- und Diseasemanagement sowie ein Beschaffungsmanagement für Hilfsmittel. Der PKV-Verband sieht in solchen Versorgungsprogrammen ein Mittel, um Fehl- und Überversorgung zu vermeiden. Franke und Bornberg prüft das Gesundheitsmanagement der Versicherer im map-report und bezieht die Ergebnisse in das Rating ein.
Zusammenfassend zählt für Beamte neben dem Bedingungswerk die Frage, ob der Versicherer über Jahrzehnte stabil wirtschaftet. Laut Franke und Bornberg sollten Vermittler bei der Tarifauswahl deshalb gezielt auf Lücken wie fehlende Transportkosten oder Palliativleistungen achten und das Gesundheitsmanagement des Versicherer in die Beratung einbeziehen. (mki)
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