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Sachwerte
19. Oktober 2021
Garagengold ist gefragt: Oldtimer als Investment

Garagengold ist gefragt: Oldtimer als Investment

Dass Sachwerte der beste Schutz vor einer Inflation sind, ist allgemein bekannt. Neben Immobilien und Edelmetallen werden neuerdings auch klassische Liebhaberfahrzeuge genannt, berichtet Désirée Mettraux, CEO der OCC Assekuradeur GmbH.

Sind Oldtimer als Geldanlage eine geeignete Alternative zum krisensicheren Vermögensaufbau? Ja, immerhin verzeichnet der bekannte Oldtimerindex (OTX) der Südwestbank eine Steigerung von 452% seit 2005 – während der DAX nur um 222% wuchs. Auch beim Vergleich mit deutschen Staatsanleihen (+ 64% im benannten Zeitraum) macht der Oldtimerindex eine gute Figur. Der OTX misst die Wertentwicklung süddeutscher Autoklassiker mit anderen Anlageformen. Die „Classic Studie Young- und Oldtimer 2020: Der Markt im Wandel“ (BBE Automotive, Dezember 2020) fasst die Situation wie folgt zusammen: „Aktuell sind keine Entwicklungen absehbar, dass der Markt stagniert oder eine rückläufige Tendenz zeigt. Ein Blick auf die Youngtimer, insbesondere die 20 bis 29 Jahre alten Fahrzeuge zeigt, welche Modelle das Potenzial zum echten Oldtimer haben und somit nachrücken können und werden. So ist ein Wachstum im wertigen Bereich sehr wahrscheinlich. Allerdings können strengere Umweltgesetze und zunehmende Diskussionen um Verbrennungsmotoren die zukünftige Entwicklung begrenzen.“

Oldtimersegment: Regulierungsgefahren aus der Politik?

Eher nicht, wie Experte Dr. Ralf-Hendrick Steinkühler (Geschäftsführer der Emilia Auto GmbH in Hamburg) in einem Interview mit dem OCC-Magazin erläuterte. Der Anteil historischer Liebhaberfahrzeuge an der jährlichen Fahrleistung aller Pkw liege bei etwa 0,5%. Oldtimer spielten also für die Erreichung von Klima- oder Emissionszielen keine nennenswerte Rolle. Zudem besäßen automobile Klassiker Bestandsschutz und es sei juristisch schlicht rechtswidrig, eine einmal erteilte Betriebserlaubnis für einen Oldtimer zu widerrufen.

Steinkühlers Fazit: „Fahrzeuge voller Assistenzsysteme mit nahezu geräuschlosen Antrieben, in denen der Fahrer nur noch Passagier auf dem Weg von A nach B ist, sind der totale Gegenentwurf zu einem klassischen Fahrzeug und damit der Garant dafür, dass unsere Lieblinge auch in Zukunft eine große und stabile Fangemeinde haben werden. Es werden in Zukunft keine Fahrzeuge mehr vom Band rollen, die unseren Klassikern in der Faszination ebenbürtig sind. Keine Saugmotoren, keine reinen Fahrmaschinen, keine Persönlichkeiten mit liebenswerten Macken, keine Fahrzeuge, an denen auch der begabte Laie am Wochenende in der Garage schrauben kann. Die Liebhaber von Klassikern und Exoten waren immer eine Minderheit und werden es auch bleiben. Wir sind aber felsenfest davon überzeugt, dass die Wertschätzung für automobiles Kulturgut nicht nur bleibt, sondern größer wird, wenn der sich momentan abspielende Wandel den Verbrenner bei den Neufahrzeugen vollständig verdrängt haben wird.“

Kulturgut ja, aber auch Investment?

Selbst in meinem Freundes- und Bekanntenkreis werde ich immer öfter gefragt, ob man sich einen Oldtimer als zusätzliche stabile Wertanlage zulegen solle? Dazu eine Gegenfrage: „Wie steht es um die persönliche Kenntnis über klassische Liebhaberfahrzeuge? Hat diejenige Person einen Marktüberblick? Traut sie sich die Expertise dazu zu?“ Denn um die richtigen Exemplare für den Aufbau einer Sammlung zu finden, braucht man sehr viel Ahnung, sonst wird es teuer. Im schlimmsten Fall verliert man viel Geld. Denn auch der Markt für Oldtimer unterliegt Schwankungen. Ein Oldtimerkauf ist nämlich immer auch eine höchst emotionale Angelegenheit – hier gilt es, gerade für Neulinge auf dem Oldtimermarkt, einen kühlen Kopf zu bewahren.

So folgte dem Porsche-Boom aus den Jahren 2015/16 bei einige Modellen eine starke Preiskorrektur nach unten. Beispiel: Ein Porsche 911 RS/964 Carrera RS (Baujahr 1992) notierte 2016 noch bei 385.000 Euro, in diesem Jahr wird der Wagen auf 300.000 Euro taxiert. Für einen 1966er Ferrari 330 GT musste man vor fünf Jahren noch 420.000 Euro bezahlen, heute sind es 100.000 Euro weniger. Gerade Einsteiger, die auf diesem Markt schnell Geld verdienen wollten, merkten plötzlich, dass ein Wiederverkauf eines Klassikers sehr zäh sein kann. Sie verloren schnell die Geduld und immer mehr Fahrzeuge waren plötzlich wieder zu haben. Folge: ein Überangebot und fallende Preise.

Breite Modellpalette mit Preissteigerungen

Natürlich gibt es auch Modelle, die stark im Preis angezogen haben. Ein BMW 503 Cabriolet (Baujahr 1957) legte in fünf Jahren um 100.000 Euro auf 400.000 Euro zu. Ein 1995er Alpina B12 5.7 (850i E31) kostet heute mindestens 200.000 Euro, vor fünf Jahren waren es knapp 90.000 Euro weniger.

Generell gilt: Fahrzeugmodelle mit Kultcharakter (z. B. VW Käfer oder Citroen Ente 2CV) und insbesondere Fahrzeuge in gutem Zustand, geringer Stückzahl, besonderer belegbarer Historie oder Originalität sind unabhängig vom Fahrzeugalter weiterhin gefragt und erzielen überdurchschnittliche Preise. Und auch der Szene-Nachwuchs, der jetzt 40 oder 50 Jahre alt ist und gut verdient, sucht verstärkt nach den Autos seiner Kindheit. Davon profitieren insbesondere PS-starke Typen aus 90ern/Anfang der 2000er, die im Preis anziehen.

Zu den Fahrzeugen, deren Werte steigen, gehören Toyota Supra, Nissan Skyline, Mazda RX7, Mercedes G 500 Cabrio (463), Audi RS4 Avant (B5), BMW Z3 M Coupé, BMW M3 CSL (E46), VW Golf IV R32, BMW M3 E30 und Mercedes 190 E 2.5–16 V (201). Altersunabhängig sind Muscle Cars von Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre beliebt.

Übrigens: Für Anleger, die das Auto nicht physisch in ihrer Nähe brauchen, also auch nicht damit fahren wollen, bieten sich spezielle Fonds (z. B. Finexity) an, die in Oldtimer investieren. Man wird dann einer von vielen Teilhabern eines automobilen Klassikers. Risikofreudige und nervenstarke Anleger, die auf große Renditen spekulieren, sollten mindestens 100.000 Euro pro Fahrzeug investieren.

Nebenkosten und Absicherung von Oldtimer-Investments

Beim Vergleich der Nebenkosten pro Anlageform schlagen sich die Oldtimer wacker. Während es bei Aktien und Anleihen laufende Kosten von unter 1% pro Jahr sind, müssen Anleger bei gemanagten Aktienfonds mit ca. 2% pro Jahr rechnen. Bei einem Mercedes 190 SL (Baureihe W 121) sind es etwa 4% Nebenkosten pro Jahr – meist Werkstattkosten, Garagenmiete, Kraftstoff. Günstig ist dagegen die Versicherung (Haftplicht, Teilkasko/Vollkasko) eines automobilen Klassikers, wenn sie bei speziellen Oldtimerversicherungen wie zum Beispiel OCC abgeschlossen wird.

Nur eine Klassikerversicherung stellt sicher, dass der Oldtimerbesitzer mit einer Summe entschädigt wird, die auch dem tatsächlichen Wert seines Fahrzeugs entspricht. Wir wissen, dass Eigentümer von Liebhaberfahrzeugen ihre Wagen besser pflegen, besser auf sie aufpassen und mit ihnen viel weniger, viel behutsamer als mit dem Alltagsauto fahren – all diese Faktoren spiegeln sich auch im fairen Prämienniveau einer Klassikerversicherung wider.

Was ist beim Kauf eines Oldtimers unbedingt zu beachten?

Unabdingbar ist es, die Vorgeschichte oder den Vorbesitzer des Fahrzeuges zu kennen – und natürlich auch, ob der Wagen von einem seriösen Händler stammt. Fahrzeuge mit geringer Stückzahl, besonderer Originalität, Historie, besonderem Zustand und sehr gutem Wartungsstatus sind über alle Altersklassen immer gefragt. Interessierten rate ich außerdem, zu einem Besichtigungstermin immer einen Klassiker-Experten mitzunehmen, der Marke oder Modell besonders gut kennt. Vier Augen sehen immer mehr als zwei – das schützt vor bösen Überraschungen. Wer alle diese Tipps beherzigt, hat im besten Fall mit seinem ersten Oldtimer bald ein neues Hobby gefunden und wird mit seinem Investment auf vier Rädern sehr glücklich.

Bild: © OCC