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28. Oktober 2021
Gemeinsam mutig die Herausforderungen anpacken

Gemeinsam mutig die Herausforderungen anpacken

Der ehemalige Bundesaußenminister und Vizekanzler Joschka Fischer nahm seine Zuhörer beim DKM Forum hybrid mit auf einen Ausflug vorbei an großen aktuellen Themenfeldern mit Blick in die Zukunft: dem Klimawandel und seinen Folgen, der Regierungsbildung in Deutschland und einem erfolgreichen Europa.

Mit dem Vortrag des ehemaligen Bundesaußenministers und Vizekanzlers Joschka Fischer startete das Speaker’s-Corner-Programm am zweiten Tag des DKM Forum hybrid 2021. Bei der Begrüßung betonte Fischer, er sei nicht aus Mailand eingeflogen, sondern als zufriedener Bahnkunde gut angekommen. Im Rahmen seines weit gefassten Vortragstitels „Die Zukunft Deutschlands und Europas“ streifte Fischer die drei großen Themenkomplexe „Klimawandel“, „Regierungsbildung in Deutschland“ und „Deutschland in Europa“.

Klimawandel: Enormer Zeitdruck

Dass der Klimawandel die Zukunft entscheidend bestimmen werde, sei nicht nur eine Parole, sondern eine Realität, mit der auch die Versicherungswirtschaft hautnah zu tun habe, so Fischer. Mit Blick auf die Flut an Erft und Ahr betonte er, man sei Hochwasser zwar gewohnt, aber dass ein reißender Strom plötzlich ein ganzes Tal zerstöre und es dabei dann so viele menschliche Opfer zu beklagen gebe, sei hierzulande eine schockierende Erfahrung.

Im Hinblick auf den anstehenden Klimagipfel COP26 in Glasgow äußerte Fischer Skepsis: Bei der Paris-Konferenz seien Verpflichtungen eingegangen worden, aber kaum jemand habe ernsthafte Anstrengungen unternommen, diese Verpflichtungen umzusetzen.

Die Konsequenz werde ein enormer Zeitdruck sein, denn die Klimakrise werde nicht verlangsamt und eingegrenzt. Man wird laut Fischer mit den unangenehmen Konsequenzen der Klimakrise leben müssen und die Versicherungsbranche sei hier im positiven wie negativen Sinn mit betroffen, denn natürlich werden auch die Schäden zunehmen.

Votum, dass Deutschland aus der Mitte regiert wird

Und ansonsten? „Deutschland hat gewählt, wir wissen wie. Ich bin alles andere als unfroh über das Ergebnis“, so Fischer in der Speaker’s Corner. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Wahl sei die Schwächung der Ränder und das Votum, dass Deutschland aus der Mitte heraus regiert wird. Dies sei auch im Hinblick auf unsere Geschichte ein wichtiges Signal, so Fischer.

Die Zukunft Deutschlands werde maßgeblich von der Zukunft Europas bestimmt, so Fischer: Was täten wir in der Mitte Europas, wenn es die EU nicht mehr gäbe? Jeder in Europa investierte Euro sei trotz aller Kritik eine gute Investition. Denn ohne dieses Europa seien wir nicht zukunftsfähig. Mit Sorge sehe er die Renationalisierung in den neuen Mitgliedsstaaten im Osten, Polen, Ungarn und Slowenien, denn das stellt die EU von innen heraus infrage. Europa, so der ehemalige Außenminister, sei ein immerwährender Kompromiss, ein Geben und Nehmen. Die Devise könne nicht lauten: Wir sind Europäer, wenn wir Geld bekommen, ansonsten nicht. Diese Bestrebungen müssten eingedämmt werden.

„Wenn es die EU nicht gäbe, müsste sie heute erfunden werden.“ Deutschland hänge existenziell von Europa ab, ohne Europa gebe es für Deutschland nur eine düstere Zukunft. Der „Schutzfaktor USA“, der während des Kalten Krieges bestanden habe, könne ersetzt werden, ein gemeinsames Europa allerdings nicht!

Eine globale, alles überragende Situation, die durchaus bedrohlich werden könne, sei die Konfrontation zwischen China und den USA, von denen Deutschland als Exportweltmeister maßgeblich abhängig sei. Es müsse, so Fischer, alles dafür getan werden, die Konfrontation einzudämmen bzw. diese nicht zuzulassen. Hier seien außenpolitisch sowohl Deutschland als auch Europa gefragt. In der Vergangenheit seien hier Fehler begangen worden, indem man nur aufs Geld geschaut und vor allem anderen die Augen verschlossen habe, betonte Fischer und stellte die rhetorische Frage in den Raum, ob es wohl klug gewesen sei, die für Deutschland so wichtige Autoindustrie dermaßen vom chinesischen Markt abhängig zu machen, wie sie es heute ist? Daraus solle man für die Zukunft lernen!

Europa: „Koalition der Willigen“ muss vorangehen

Auch die Sicherheit in Europa thematisierte Fischer bei seinem Vortrag in der Speaker’s Corner: „Ich sage nicht, dass wir Europäer Weltmacht werden sollen oder können. Aber wir müssen für unsere eigene Sicherheit sorgen.“ Und im Hinblick auf die Uneinigkeit, die innerhalb Europas in der Flüchtlingsfrage herrsche, helfe Häme nicht weiter. Es brauche eine europäische Lösung. Wenn einige nicht wollten, müsse eben eine „Koalition der Willigen“ vorangehen und Dinge umsetzen, solange andere blockierten.

Er bewundere Angela Merkel dafür, dass sie 2015 Großes geleistet habe, wofür Mut erforderlich gewesen sei. Nun, nach 16 Merkel-Jahren gehe es nicht darum, eine rückwärtsgewandte Politik zu betreiben, sondern es brauche eine Politik, die mit Mut in die Zukunft gehe und die Herausforderungen annehme, die vor uns liegen. Hierbei sei aber auch die Finanzkraft entscheidend. Das „Geschrei“ darüber, dass man zu viel zahle, sei nicht richtig. Denn das erfolgreiche Voranbringen Europas liege in unserem eigenen Interesse.

Als gemeinsames Europa sei man in Sachen Technik und Klimaschutz noch spitze und diese Spitzenposition könne durch mutige Entscheidungen und Innovationen vorangebracht werden, betonte Fischer zum Abschluss seines Vortrags und erwähnte hier die schwedischen Bestrebungen, „grünen Stahl“ zu produzieren. Er wisse, dass man auch am DKM-Austragungsort Ruhrgebiet schon mehr mache, als nur über Wasserstoffstrategien nachzudenken.

„Wenn wir in diese Richtung gehen, muss uns nicht bange sein.“ Das Leben bleibe herausfordernd und keinesfalls langweilig. Diesen Herausforderungen müsse man sich aber stellen. Aber: „Eingebunden in die EU sehe ich Lösungsmöglichkeiten und Möglichkeiten, voranzugehen“, so Fischer. Und: „Wir können es schaffen, wenn wir das wollen und den Mut haben, Zukunft zu gestalten und uns nicht die Köpfe in Richtung Vergangenheit verdrehen lassen.“ (ad)