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27. Juli 2021
Grundfähigkeitsversicherung – Testen anhand der Leistungsauslöser

Grundfähigkeitsversicherung – Testen anhand der Leistungsauslöser

Die Ratingagentur ASSEKURATA hat ein neues Verfahren zur Bewertung von Grundfähigkeitsversicherungen entwickelt. Dies ist in Zusammenarbeit mit der Biometrie Expertenservice GmbH geschehen. Deren Geschäftsführer Christian Schwalb erklärt die wichtigsten Punkte aus seiner Sicht.

Es gibt einige Menschen, die behaupten, dass man Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichen könne. Dabei sind beides Rosengewächse und stammen aus Vorderasien. Und ohne ins Detail zu gehen, könnte man zum Beispiel den Zuckergehalt vergleichen oder welche der beiden Früchte einen geringeren Luftwiderstand hat. Auch die Tarife der Grundfähigkeitsversicherung lassen sich nach weitläufiger Meinung nicht vergleichen. Dabei kommt es auch hier nur darauf an, was verglichen werden soll.

Da ich als ungebundener Vermittler jeden Tag für Kunden individuelle Lösungen finden muss, muss ich auf so viele Lösungen am Markt zugreifen, wie es nur geht. Deshalb ist die Grundfähigkeitsversicherung eine mögliche Lösung und ein Instrument der Arbeitskraftabsicherung, wie es die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) auch ist.

Im Zuge meiner Marktbeobachtungen habe ich bereits vor mehreren Monaten alle Grundfähigkeitsversicherungen miteinander verglichen. Beim Vergleich fiel schnell auf, dass die bloße Anzahl der versicherten Grundfähigkeiten allein betrachtet kein Indiz für Qualität darstellt. Wer „Knien und Bücken“ versichert, wäre demzufolge ja schlechter als der, der die Grundfähigkeiten „Knien“ und „Bücken“ einzeln versichert. Das ist selbstverständlich Unsinn.

Neues Analyseverfahren mit ASSEKURATA

Um hier mehr Klarheit und Transparenz in den Markt zu bringen, haben wir als Biometrie-Expertenservice mit der Rating-Agentur ASSEKURATA ein Analyseverfahren entwickelt. Im Rahmen unserer Kooperation haben wir dann vor allem zwei Dinge erarbeitet:

1. Was ist im Leistungsfall wichtig?

2. Was ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Auslöser am Markt?

Eines der größten Probleme der Grundfähigkeitsversicherung ist nämlich die Lücke zwischen der Vorstellung des Kunden und der tatsächlich versicherten Grundfähigkeit. Vertrieblich ist die Grundfähigkeitsversicherung einfach einzusetzen und zu verstehen. Jeder kann sich unter Gehen, Stehen, Sehen, Treppensteigen usw. sofort etwas vorstellen. Aber wenn sich diese Vorstellung dann auch mit dem deckt, was im Leistungsfall geprüft wird, wäre das unseren Beobachtungen zufolge schon ein arger Zufall.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Grundfähigkeitsversicherung oft erst dann aus der Schublade gezogen wird, wenn eine BU zu teuer ist oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geht. So denkt der Kunde sogar noch, es gebe einen Bezug zu seinem Beruf. Wenn er also seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, weil er nicht mehr in der Lage ist, seine Hand zu gebrauchen, würde der Kunde die versicherte Rente beantragen. Der Versicherer würde dann zurecht ablehnen, weil der Leistungsfall erst dann gegeben ist, wenn der Versicherte zum Beispiel keine Schraube mehr in die Wand drehen kann.

Sorge um Ruf der Grundfähigkeitsversicherung

Das wird der Branche in den nächsten Jahren auf die Füße fallen und somit auch dem Ruf der Grundfähigkeitsversicherung schaden, noch bevor es uns gelungen ist, den Ruf der BU nachhaltig zu verbessern.

Deshalb haben wir untersucht, ob ein Auslöser vom Kunden verstanden werden kann, ob der Auslöser realistisch erreichbar ist, wie häufig Erkrankungen und Verletzungen auftreten, die den Auslöser dann erfüllt sein lassen und ob der Nachweis einfach und objektiv zu führen ist. Nur wenn der Kunde den Auslöser so versteht, wie es der Leistungsprüfer dann auch prüft, haben alle etwas davon.

Uns war aber auch klar, dass der Versicherte im Leistungsfall nicht auf die Tartanbahn geschickt wird, um die 400 Meter zu gehen. So kamen wir schnell auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Auslöser am Markt. Und das ist – wenig überraschend – der Körper.

Medizinische Auslöser

Alle Grundfähigkeiten verlangen von verschiedenen Körperteilen oder Kombinationen davon ein gewisses Maß an Beweglichkeit, Kraft und/oder Ausdauer. Die Auslöser sind also grundsätzlich medizinisch zu greifen.

Mit dieser einfachen Matrix haben wir ein Raster geschaffen, in das alle Grundfähigkeiten am Markt passen. Tatsächlich gibt es mittlerweile immer mehr versicherte Fertigkeiten, die neben den Grundfähigkeiten auch noch eine erlernte Kompetenz verlangen, wie zum Beispiel das Autofahren. Aber die fundamentalen Grundfähigkeiten lassen sich so erfassen, bewerten und auch vergleichen.

Das spannende war, dass wir so auch sehr leicht Überschneidungen „entlarven“ konnten. So ist es beispielsweise nicht möglich, einen Gegenstand zu heben, ohne ihn zu greifen und zu halten. Deshalb spielt das Gewicht beim Greifen und Halten eine untergeordnete Rolle. Hier ist die Fingerfertigkeit und vor allem die Ausdauer wichtiger als die Kraft.

Und wenn man dann die theoretische Überschneidung sieht, stellt sich die Frage, ob es Krankheiten und Verletzungen gibt, die das eine unmöglich machen, aber das andere nicht. Wenn es beispielsweise nur Krankheiten und Verletzungen gibt, die es unmöglich machen, 200 Meter zu gehen und keine, die es unmöglich machen 400 Meter zu gehen, aber 200 Meter schon, ist es irrelevant, wie der Auslöser formuliert ist.

Am Ende ist so eine neuartige Tarifanalyse entstanden, die eine Bewertung und Qualitätseinstufung durchaus zulässt. Eine Kaufempfehlung lässt sich daraus selbstverständlich nur unter Berücksichtigung des Einzelfalls ableiten. Denn selbst, wenn wir feststellen konnten, dass ein Tarif gut verständliche Auslöser hat, die alle Grundfähigkeiten abdecken und im Leistungsfall auch das abprüfen, was der Kunde darunter verstanden hat, kann es eben sein, dass hier ein zusätzlicher Baustein wichtig ist, den dieser Tarif nicht hat.

Gleiches Verständnis bei Vermittlern, Kunden und Leistungsprüfern

Für die Versicherer ist die Analyse in erster Linie eine Art „Vertestung“ mit Workshop-Charakter. Gerade die Verbesserung der Objektivierbarkeit durch medizinische Auslöser und erklärende Beispiele stößt bei Vertrieb, Produktentwicklung und Leistungsprüfung gleichermaßen auf offene Ohren.

Das ist auch nur logisch, da die Analyse ja nicht nur Verbesserungen im Produkt für eine bessere Vermarktbarkeit erreichen will, sondern auch für ein besseres Verständnis beim Kunden im Leistungsfall. Denn das Wichtigste ist, dass der Kunde weiß, was er gekauft hat und wann er Rente bekommt. Aus diesem Grund erachten wir dieses Verfahren heute auch als so wichtig, weil Vermittler eine greifbare und fundierte Bewertungsgrundlage für alle Grundfähigkeitstarife bekommen und Versicherer eine unabhängige Hilfe von erfahrenen Marktteilnehmern und Ratern, um ihre Produkte zu verbessern.

Bild: © BSC GmbH; micmacpics – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Christian Schwalb