In den vergangenen Jahren erreichten die regulatorischen Anforderungen an Unternehmen der Finanzwirtschaft und Assekuranz eine neue Dimension. Aufgaben, die früher von spezialisierten Compliance- oder Rechtsabteilungen übernommen wurden, gehören heute zur originären Führungsverantwortung des C-Levels.
Besonders für BaFin-regulierte Institute wie Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute, Zahlungs- und E-Geld-Institute sowie Versicherungsunternehmen ist die regulatorische Verantwortung der Geschäftsleitung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Durch die einerseits verschärften Anforderungen und andererseits eine stetig wachsende persönliche Haftung stehen Vorstände, Geschäftsführer und Prokuristen vor einer neuen Realität mit weitreichenden Konsequenzen. So lässt sich zwar die Compliance delegieren, die Verantwortung dafür jedoch nicht.
Jene, die heutzutage ein Unternehmen führen, müssen regulatorische Risiken nicht nur verstehen, sondern auch bewerten und aktiv steuern können. Darum ist eine fundierte Executive Education im Bereich Compliance und Risikomanagement längst keine optionale Qualifizierungsmaßnahme mehr. Stattdessen handelt es sich um einen unverzichtbaren Bestandteil einer professionellen Unternehmensführung.
Trügerische Sicherheit: persönliche Haftung beginnt bereits vor dem Schadensfall
Noch immer halten sich viele Entscheidungsträger an etablierten Governance-Strukturen fest. So existieren in zahlreichen Unternehmen eigene Compliance-Abteilungen, Risikomanagementsysteme und eine interne Revision. Nicht selten werden zudem externe Berater engagiert, die regulatorische Risiken frühzeitig erkennen und beseitigen sollen.
Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich für Führungskräfte und Vorstände schnell ein Gefühl der trügerischen Sicherheit. Denn eine einfache Compliance-Strategie reicht für die moderne Unternehmensführung längst nicht mehr aus. Stattdessen erwarten Aufsichtsbehörden inzwischen den Nachweis, dass die Geschäftsleitung ihren Überwachungs- und Organisationspflichten persönlich nachkommt.
Werden in einem Unternehmen Compliance-Verstöße oder strukturelle Defizite im Risikomanagement aufgedeckt, spielt bei einer nachfolgenden Untersuchung nicht nur das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter eine Rolle. Im Fokus steht vielmehr die Unternehmensleitung und die Frage, ob diese ihre Organisations-, Kontroll- und Überwachungspflichten erfüllen konnte. Diese Verantwortung folgt nicht nur aus allgemeinen Organpflichten, etwa nach § 43 GmbHG oder § 93 AktG, sondern in regulierten Unternehmen zusätzlich aus spezialgesetzlichen Anforderungen, etwa nach KWG, GwG und den darauf aufbauenden aufsichtsrechtlichen Erwartungen.
Vornehmlich in BaFin-regulierten Branchen wie dem Finanzsektor kann eine unzureichende Governance erhebliche persönliche Haftungsrisiken nach sich ziehen. Im Ernstfall drohen Regressforderungen gegen einzelne Organmitglieder, sodass das C-Level schnell mit dem eigenen Privatvermögen haftet. Um sich gegen solche Risiken abzusichern, sind für Geschäftsleiter von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten sowie Wertpapierfirmen regelmäßige juristische und aufsichtsrechtliche Updates unerlässlich. So können sich Verantwortliche etwa in einem Zertifikats-Lehrgang für Geschäftsführer von Finanz- und Wertpapierinstituten gezielt weiterbilden.
Regulatorische Anforderungen entwickeln sich schneller als einige Führungskräfte
Die zunehmende Geschwindigkeit, mit der sich regulatorische Anforderungen verändern, stellt viele Unternehmen vor eine enorme Herausforderung. Ein Grund für die Zunahme der Regulatorik sind Cyberangriffe, die in Anzahl, Intensität und Professionalität in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben.
So zeigt ein gemeinsamer Bericht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde, der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung sowie der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde: Allein im Jahr 2025 gab es 3.383 ICT-Vorfälle. Besonders betroffen davon waren Banken und Zahlungsdienstleister.
Um die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors gegenüber Cyberangriffen und IT-Ausfällen zu stärken, führte die Europäische Union den Digital Operational Resilience Act, kurz DORA, ein. Dieser verändert die Anforderungen von Finanzunternehmen an ihre digitale operationelle Resilienz.
Seit dem 17. Januar 2025 ist DORA anwendbar und verpflichtet betroffene Finanzunternehmen insbesondere zu einem belastbaren ICT-Risikomanagement, klaren Prozessen für das Incident-Reporting, regelmäßigen Resilienztests, einer strengen Steuerung von ICT-Drittdienstleistern sowie zur Führung eines Informationsregisters zu ICT-Dienstleistungen.
Seit 2026 steht dabei nicht mehr nur die Vorbereitung, sondern die prüfbare Umsetzung im Fokus der europäischen und nationalen Aufsicht.
Parallel dazu erhöhen sich die Anforderungen aus der Nachhaltigkeitsregulierung. Maßgeblich sind dabei vor allem die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) sowie die EU-Taxonomie; hinzu kommen weitere Governance-Impulse aus angrenzenden Vorhaben wie der CSDDD. 2026 wird zusätzlich durch Omnibus-Anpassungen und geänderte Schwellenwerte deutlich, wie dynamisch sich dieser Regulierungsbereich weiterentwickelt.
Zugleich konkretisiert die BaFin ihre Erwartungen an Governance, IT- und Cyber-Resilienz, Datenqualität, Outsourcing-Steuerung und wirksame Compliance- sowie Risikomanagementsysteme fortlaufend weiter. Gerade für BaFin-regulierte Institute bedeutet das: Geschäftsleiter müssen aktuelle Aufsichtsschwerpunkte nicht nur kennen, sondern in ihrer Organisation nachvollziehbar umsetzen und überwachen.
Diese Fülle an regulatorischen Ansprüchen kann kaum ein Entscheidungsträger im Tagesgeschäft verfolgen. Daraus kann sich ein nicht unerhebliches Haftungsrisiko entwickeln. Denn Unwissenheit schützt Geschäftsführer und Vorstände nicht davor, im Schadensfall mit dem privaten Vermögen zu haften.
Fehlt das Wissen um die regulatorischen Veränderungen oder deren richtige Bewertung, erhöht sich die Gefahr, dass Entscheidungen auf einer unzureichenden Informationsbasis getroffen werden. Dieses Risiko steigert sich mit jeder neuen gesetzlichen Vorgabe.
Um mit der Entwicklung regulatorischer Anforderungen Schritt zu halten, sind themenspezifische Lehrgänge für Entscheider unerlässlich. So bietet das S+P Unternehmerforum Weiterbildungen, Seminare und Online-Schulungen für Fach- und Führungskräfte an. Der Schwerpunkt des Angebots liegt darauf, theoretische Kenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Delegation kann Verantwortung nicht weitergeben
Um die Unternehmenssicherheit zu erhöhen, entscheiden sich Verantwortungsträger zum Teil dazu, einen Compliance Officer oder einen Chief Risk Officer zu bestellen. Allerdings kann die Delegation von Sicherheitsfragen Entscheider nicht von ihrer Verantwortung entbinden.
Im Gegenteil. Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber verlangen von der Führungsebene ein hohes Maß an Verantwortungsübernahme.
So muss durch die Geschäftsleitung sichergestellt werden, dass Compliance- und Risikomanagementsysteme:
- wirkungskräftig eingerichtet
- angemessen ausgestattet und
- kontinuierlich überwacht werden
Zudem obliegt es den Entscheidern und nicht einem bestellten Mitarbeiter, die Funktionsfähigkeit der Sicherheitsmaßnahmen nachzuvollziehen und kritische Entwicklungen eigenständig zu bewerten.
Was bedeutet das in der Praxis? Für Vorstände und Geschäftsführer reicht es nicht aus, die Existenz regulatorischer Anforderungen zu kennen. Vielmehr müssen sie diese verstehen. Dazu gehört es:
- sicherheitsrelevante Fragen bezüglich der Unternehmensführung zu beleuchten
- Managementberichte im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen kritisch zu hinterfragen
- mögliche Risiken zu identifizieren und richtig einzuordnen
Die Führungsebene ist damit ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensüberwachung. Ohne die notwendigen Fachkenntnisse kann sie dieser Aufgabe allerdings kaum gerecht werden. Wichtig, um die benötigte Entscheidungs- und Handlungssicherheit zu schaffen, ist die Executive Education im Bereich Compliance.
Compliance-Kompetenz entwickelt sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil
Insbesondere neu bestellte Entscheidungsträger unterschätzen schnell die Komplexität ihrer eigenen Verantwortung. Mit einer belastbaren regulatorischen Grundausbildung gelingt es ihnen, unmittelbar nach ihrer Bestellung der Vielzahl an positionsbezogenen Pflichten nachzukommen.
Auch langjährige Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder müssen verstehen: Erfahrung ist kein Ersatz für die aktuelle regulatorische Expertise.
Tatsächlich kann sich der Verlass auf langjähriges Wissen zu einem Stolperstein der Geschäftsführung entwickeln. Denn oft orientieren sich erfahrene Führungskräfte an regulatorischen Rahmenbedingungen, die längst nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.
Weiterbildungen und kontinuierliche Updates in Bezug auf Compliance und Risikomanagement sind dementsprechend für neue und etablierte Verantwortungsträger entscheidend.
Mehr noch – das professionelle Risikomanagement hat sich inzwischen über einen reinen Kostenfaktor hinaus entwickelt. Es kann direkt auf die von außen wahrgenommene Qualität der Unternehmensführung Einfluss nehmen.
So kann eine nachweisbar qualifizierte Geschäftsleitung das Vertrauen der Stakeholder stärken und die Position des Unternehmens am Markt verbessern. Nachweise können dabei durch offizielle Zertifizierungen, mit denen zum Teil die Lehrgänge des S+P Unternehmerforums abschließen, erfolgen.
Zudem können umfassend ausgebildete Führungskräfte:
- Entscheidungen sicherer und schneller treffen
- regulatorische Risiken früher erkennen
- kostenintensive Fehlentwicklungen besser vermeiden
- stabilere Governance-Strukturen schaffen, die auch zukünftigen Sicherheitsanforderungen standhalten
Folglich leistet die Executive Education einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Sicherheit eines Unternehmens. Das schafft nicht nur Vertrauen in die Führungsebene, sondern auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Die Executive Education im Bereich Compliance und Risikomanagement ist folglich keine Option mehr. Sie ist eine Voraussetzung für eine moderne Unternehmensführung.
Bild: Pexels.com © Pavel Danilyuk CCO Public Domain
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