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21. Mai 2021
Insolvenzen in Deutschland: Der Schein trügt
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Insolvenzen in Deutschland: Der Schein trügt

An den Insolvenzzahlen ging die Corona-Krise bisher weitestgehend vorüber. Der Kreditversicherer Coface warnt nun aber erneut, dass der positive Schein trüge. So seien die Forderungen bereits massiv gestiegen und tausende Pleiten in der Pipeline.

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 15.840 Unternehmen zahlungsunfähig. Auch dank massiver staatlicher Unterstützung ist das der niedrigste Stand seit 1993. Der Rückgang von −15,5% gegenüber 2019 war zudem der Stärkste seit 1975. Doch nicht jede Branche oder Region profitierte laut Coface von dieser Situation.

Zum Teil bereits vorher in der Rezession

Um Corona-Hilfen zu erhalten, mussten Unternehmen nachweisen, dass ihr Geschäftsmodell vor der Pandemie, also im Dezember 2019, funktionierte. „Sowohl die Metall- als auch die Automobilbranche befanden sich jedoch seit Ende 2018 in der Rezession. Dadurch erfüllten einige Unternehmen diese Kriterien nicht und erhielten keine staatliche Unterstützung“, erklärt Coface-Volkswirtin Christiane von Berg. Folglich stiegen die Insolvenzen im Metallsektor im vergangenen Jahr um 7,1%, der Anstieg im Automobilsektor sogar um 31,6%.

Regionale Unterschiede

Unterschiede waren auch zwischen den Bundesländern zu beobachten. Fast alle Länder meldeten einen Rückgang der Insolvenzen – mit Ausnahme des Stadtstaats Bremen. Dort stieg die Zahl der Unternehmenspleiten um 8% gegenüber 2019, was laut Coface vor allem auf die Bereiche Unternehmensdienstleistungen, Verarbeitendes Gewerbe und Transport zurückzuführen ist. Unter dem Bundesdurchschnitt lagen die Rückgänge auch in Hessen (−8,4%) und den beiden „Autoländern“ Baden-Württemberg und Niedersachsen mit jeweils −11,9%.

Insolvenzforderungen auf Höchststand seit 2009

„Man könnte also meinen, dass Deutschland im Hinblick auf Unternehmenspleiten sehr gut dasteht. Doch der Schein trügt, denn die reine Zahl gibt keine Auskunft über den wirtschaftlichen Schaden“, warnt Christiane von Berg. So schätzt das Statistische Bundesamt, dass sich die zu erwartenden Forderungen aus Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 auf 44,1 Mrd. Euro summieren. Das wäre der höchste Stand seit 2009 und im Vergleich zu 2019 eine Steigerung um 65%.

Große Branchenunterschiede

Einige Sektoren stechen bei diesem Vergleich hervor, insbesondere die Informations- und Kommunikationsbranche. Sie meldete einen Anstieg um 2.767% im Vergleich zum Vorjahr. „Das kommt auf den ersten Blick einigermaßen überraschend, ist allerdings mit der Pleite des Abrechnungsdienstleisters AVP zu erklären, der mit vielen Apotheken zusammengearbeitet hat“, sagt Christiane von Berg. Am anderen Ende des Spektrums stiegen die Schäden im Baugewerbe nur um 7%, im Transportwesen gingen sie gar um 84% zurück.

Reserven sind irgendwann aufgebraucht

Viele Unternehmen haben nach den Wirtschaftskrisen 2002 und 2009 mehr Eigenkapital aufgebaut und gingen dadurch stabiler in die aktuelle Krise. „Aber irgendwann sind diese Reserven aufgebraucht. Für viele wird der aktuelle Lockdown zu lange andauern, sie werden es nicht schaffen“, sagt Christiane von Berg. Darauf deute auch die Zahl der Anmeldungen für ein Regelinsolvenzverfahren hin. Seit April 2020 waren sie rückläufig, der Trend änderte sich im Oktober 2020. Seitdem steigen die Zahlen – mit einer Ausnahme im Januar 2021 – wieder. Im Februar 2021 registrierte das Statistische Bundesamt 30% mehr Insolvenzanträge als im Vormonat, im März wurde mit +37% der höchste Stand seit März 2017 erreicht. Im April gingen die neuen Anträge etwas zurück, bleiben aber auf hohem Niveau.

Bis zu 4.030 Pleiten in der Pipeline

Laut einer Simulation von Coface hätten die Gesamtinsolvenzen im Jahr 2020 auf Grundlage des Konjunktureinbruchs um 6% gegenüber 2019 ansteigen müssen. In der Realität sind sie um 15,5% gesunken. Daher könnte ein Anteil von bis zu 21,5% bzw. 4.030 Insolvenzen in der Pipeline stecken und sich 2021 und 2022 materialisieren. Das Gros dürfte aus dem Gastgewerbe kommen, wo Coface bis zu 660 „versteckte“ Insolvenzen erwartet, gefolgt von Transport und Bau mit jeweils bis zu 420, dem Verarbeitenden Gewerbe (230) und dem Einzelhandel (190). (mh)

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