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Insolvenzprognose für 2021? Schwierig.
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Insolvenzprognose für 2021? Schwierig.

Die Staatshilfen in Corona-Zeiten verzerren das tatsächliche Bild. Schwer zu sagen, wie es um Branchen und Unternehmen in Wirklichkeit steht. Entsprechend schwierig ist auch die Risikobewertung für einzelne Sparten und für Deutschland im Allgemeinen.

Die staatlichen Corona-Maßnahmen helfen Unternehmen in der Krise, stellen die Situation, was mögliche Insolvenzen angeht, aber auf den Kopf. Laut einer Auswertung des Kreditversicherers Coface wären die Insolvenzen, basierend auf der alleinigen Konjunkturentwicklung, im Jahr 2020 um 9% zum Vorjahr gestiegen. Tatsächlich sind sie aber wohl um 15% gesunken – die staatlichen Stützmaßnahmen haben den eigentlichen Anstieg daher nicht nur ausgeglichen, sondern überkompensiert. Ein ähnliches Bild findet sich mit wenigen Ausnahmen in allen von Coface untersuchten Ländern wieder.

Marktkräfte außer Kraft gesetzt

Eine Insolvenzprognose für das laufende Jahr wird es daher nicht geben. Coface-Volkswirtin Christiane von Berg erklärt: „2020 hat gezeigt, dass klassische Insolvenzprognosen nicht mehr greifen. Sie werden mit Modellen errechnet, die funktionierende Marktkräfte unterstellen. Wenn der Staat, wie zum Beispiel in Deutschland, in den Markt eingreift, indem immer wieder die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt wird und gleichzeitig Regierung und Zentralbank in nie dagewesenem Umfang die Wirtschaft unterstützen, sind Modellprognosen schlicht nicht mehr möglich.“ 

Etwas bessere Signale aus Auto- und Chemiebranche

Regelmäßig gibt Coface Risikoeinschätzungen für insgesamt 13 Branchen in 28 Ländern ab: In der aktuellen Bewertung wurden für Deutschland sowohl der Automotive- als auch der Chemiesektor besser bewertet. Im Falle der Automotive-Branche setzt Coface die Risikoeinschätzung von sehr hohem Risiko auf hohes Risiko. Der Einbruch verlangsamt sich, zudem fragen chinesische Kunden deutsche Premiummodelle verstärkt nach. Sorgen macht allerdings der Lieferengpass bei den für die Elektronik notwendigen Chips.

Positiver sieht es nach Ansicht von Coface für die Chemiebranche aus. Hier hat sich die Risikoeinschätzung von hohes auf mittleres Risiko verbessert. Als Zulieferer für das verarbeitende Gewerbe profitiert die Branche von Nachholeffekten. Die Stimmungsindikatoren für die deutsche Industrie zeigen zudem auf Wachstum, was auch die Chemiebranche mitziehen wird.

Keine Veränderung bei Risikobewertung für Deutschland

Bei der Bewertung der Länderrisiken gab es im vergangenen Jahr einen Erdrutsch. Und auch Anfang 2021 bleibt die Länderrisikoeinschätzung von Deutschland zunächst bei A3, der schlechtesten Note, die Deutschland in den letzten 20 Jahren zugewiesen bekam (Die Skala beginnt bei A1 und endet bei E). „Es gab im Verlauf der Pandemie Momente, in denen die Daten für eine bessere Länderrisikonote gesprochen hätten. Aber gerade der zweite Lockdown und die erneut einbrechende Konjunktur zeigen, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte. Erst wenn die Impfungen weit fortgeschritten sind und die Pandemie unter Kontrolle ist, ergibt eine Anhebung Sinn“, sagt Christiane von Berg. Die Länderrisikoeinschätzung von Coface spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen in einem Land in den nächsten sechs Monaten wider. (bh)

Bild: © Danny – stock.adobe.com