Die Reform der privaten Altersvorsorge bringt nach ihrem Beschluss noch einige Fragen mit sich, auch für die Vermittler- und Versicherungsbranche. Einer der kontroversesten Punkte war die Abschaffung des Zillmer-Verfahrens bei staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten – die Verwaltungs- und Vertriebskosten sollen auf die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden statt auf die ersten paar Jahre. Vermittler fürchten deswegen eine niedrigere bzw. auch eine länger gestreckte Vergütung vonseiten der Versicherer.
Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter, vertritt hier jedoch eine klare Meinung, wie er im Jahrespressegespräch der SDK und der Stuttgarter am Dienstagnachmittag äußerte.
Vermittler müssen ordentlich vergütet werden
Bader widmete einen Redeblock während des Gesprächs gänzlich der Reform der privaten Altersvorsorge. Prinzipiell sehe er die Reform mit vielen Vorteilen, es sei „schon ganz gut“, was da gemacht wurde. Die Politik sei unter anderem seinem Flehen nach mehr Flexibilität gefolgt, bspw. indem die Auswahl von mehreren Garantiestufen eingeführt wurde.
Kein gutes Haar ließ er an der Wahlmöglichkeit Auszahlplan vs. lebenslange Rente. Es könne nicht im Interesse des Staates sein, wenn die Bürger nach Ende des Auszahlplans mit 85 Jahren in Altersarmut geraten. Außerdem sei es „erstaunlich“, dass ausgerechnet eine SPD ein klassisches FDP-Thema spiele.
Und auch zum Zillmer-Verbot äußerte sich Bader – zunächst mit dem Kritikpunkt, dass man hiermit dem Versicherer die Vorfinanzierung einer angemessenen Vergütung für die Vermittler aufbürde. Auf AssCompact Nachfrage bestätigte Bader jedoch, dass die Stuttgarter definitiv überzeugt davon sei, dass ein Makler das Recht habe, fristgerecht vergütet zu werden. Es wäre seiner Ansicht nach eine „Unverschämtheit“, dem Berater keine Abschlussprovision für seine Arbeit zu bezahlen. Die Provision werde eventuell etwas geringer sein und eine etwas höhere Haftzeit haben als bei nicht-geförderten Produkten, jedoch sitze man als Stuttgarter und SDK mit den Vermittlern in einem Boot und müsse eine gemeinsame Lösung finden, damit Vermittler nicht „hinten runterfallen“.
Produkte geplant
Welche Planungen die Stuttgarter bzgl. der neuen Produkte haben, dazu ging Bader nicht in die Details. Die Stuttgarter werde allerdings vor allem das Nicht-Standardprodukt in mehreren Ausführungen anbieten. Das Standardprodukt werde sich auch im Portfolio befinden, da man verpflichtet ist, es anzubieten, aber es werde für den Versicherer keine große Rolle spielen.
Abschluss der Fusion im Oktober
Die von der Stuttgarter und der SDK 2024 angekündigte Fusion soll noch dieses Jahr im Oktober abgeschlossen sein. Seit Juli 2025 befindet man sich im Gleichordnungskonzern. Im Laufe des Jahres soll die Unternehmensgruppe so aufgebaut sein, dass die SLV AG (Stuttgarter Lebensversicherung AG) für das Leben-Geschäft sowie die SDK AG für das Kranken-Geschäft mit jeweiligen Untergesellschaften am Markt aktiv sind. Ein Versicherungsverein a. G. soll das Dach der Gruppe bilden. Die Eintragungen ins Handelsregister sollen nach BaFin-Genehmigung im August erfolgen und im Oktober will die Gruppe dann gemeinsam auf der DKM in Dortmund auftreten.
Insgesamt waren sowohl Ulrich Mitzlaff, Vorstandsvorsitzender der SDK, als auch Dr. Guido Bader zufrieden mit den Geschäftsergebnissen 2025. Die gebuchten Bruttobeiträge beliefen sich auf 1,94 Mrd. Euro und die gemeinsame Bilanzsumme auf 19,3 Mrd. Euro. Für 2026 rechnen die Versicherer mit 2 Mrd. gebuchten Bruttobeiträgen und einer Bilanzsumme von 20 Mrd. Euro. (mki)
Um die Reform der privaten Altersvorsorge geht es auch beim Makler-Summit Süd-West 2026 am 29. April in Kornwestheim. Weitere Informationen zu dem Event finden Sie auf asscompact.de/makler-summit-2026.
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