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21. Oktober 2026
Kfz-Wechselsaison: Wohin wird die Reise gehen?
Kfz-Wechselsaison: Wohin wird die Reise gehen?

Kfz-Wechselsaison: Wohin wird die Reise gehen?

Nach mehreren schwierigen Jahren hat sich die Situation in der Kfz-Versicherung wieder etwas entspannt. Was bedeutet das für die Wechselsaison? Ist die Zeit der drastischen Preiserhöhungen vorbei? AssCompact hat unter anderem bei einigen der Maklerfavoriten in der Kfz-Versicherung nachgefragt, was sie erwarten.

Der Sommer ist vorbei, aber bei der Kfz-Wechselsaison geht es jetzt in die heiße Phase. Eine aktuelle Umfrage der ADAC Autoversicherung ergibt, dass knapp vier von zehn der deutschen Autofahrer offen sind für einen Anbieterwechsel. Das bedeutet, für Kfz-Versicherer ergibt sich einiges an Geschäftspotenzial. Was erwarten die Versicherer von der diesjährigen Wechselsaison? AssCompact hat bei einigen der Maklerfavoriten in der privaten Kfz-Versicherung nachgefragt.

Kfz-Versicherung teuer wie nie, Fahrer suchen nach Sparmöglichkeiten

Zunächst zur Ausgangssituation: Die Kfz-Versicherer stehen dieses Jahr um einiges besser da als noch in den Vorjahren. Nachdem die Kfz-Versicherung mehrere Jahre lang rote Zahlen geschrieben hatte, gelang es den Versicherern im Jahr 2025 erstmals wieder, die Schaden-Kosten-Quote wieder unter den kritischen Wert von 100% zu drücken. Auch für 2026 geht der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) von einem Wachstum aus.

Für Autofahrer gab es in den letzten Jahren wenig Entlastungen. „Nach drei Jahren Preissteigerungen in Folge sind Kfz-Versicherungen so teuer wie nie“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Zudem treffen aktuell hohe Benzinkosten auf eine weiterhin drastische Schadeninflation. Laut dem GDV haben sich Kfz-Ersatzteile seit dem Jahr 2016 um mehr als 80% verteuert. Gepaart mit höheren Löhnen bedeutet das, die Werkstattkosten sind in die Höhe geschossen. Darum seien Verbraucher bei Ausgaben rund ums Auto „sehr preissensitiv“ und suchen nach Sparmöglichkeiten, so Ziller weiter. „Das wird sich auch auf die Wechselaktivitäten auswirken.“

Preise im Mittel 2% über denen des Vorjahrs

An dieser Stelle nun eine positive Nachricht: „Die Zeiten massiver und flächendeckender Preissteigerungen in der Kfz-Versicherung gehören vorerst der Vergangenheit an: Über alle Versicherungsarten hinweg liegen die Preise im Mittel gerade einmal 2% über dem Vorjahr, wie der Kfz-Versicherungsindex von Verivox zeigt“, erklärt Ziller. Doch die Versicherer verfolgen in dieser Saison unterschiedliche Strategien, weiß der Verivox-Chef: „Einzelne Anbieter haben weitere Preissteigerungen angekündigt, andere gehen mit günstigen Preisen in den Wettbewerb um neue Kunden.“

Der Kfz-Versicherungsmarkt definiert sich seit jeher stark über den Preiswettbewerb. Laut der ADAC-Umfrage erklärten zwar 65% der Befragten, dass ihnen bei der Kfz-Versicherung Leistungen und Service wichtiger seien als der Preis, doch ein Drittel würde bei einer Ersparnis bis 100 Euro einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen.

So halten die Versicherer es mit den Prämien

Niedrigere Prämien können zwar zunächst das Geschäft beleben, doch eine nachhaltige Geschäftsstrategie dürfte dies für Versicherer wohl nicht sein. Trotzdem senken die ersten Anbieter ihre Preise deutlich ab, um mehr Geschäft zu machen, wie man bei der Itzehoer beobachtet. „Durch die weiterhin steigende Inflation gehe ich davon aus, dass diese Marktteilnehmer in den nächsten Jahren wieder deutlich erhöhen müssen“, erklärt Holger Iben, Leiter Maklervertrieb bei der Itzehoer. Der Markt habe die größten Turbulenzen zwar hinter sich, doch er sei noch nicht wieder im Gleichgewicht, warnt Iben. „Ich wünsche mir sehr, dass der Markt nicht wieder deutlich weicher wird und die erarbeiteten Lichtblicke nicht direkt wieder über Bord geworfen werden.“

Bei der Itzehoer habe man sich daher entscheiden, die „Preisschraube schadenbedarfsgerecht zu drehen“. Es werde eine „moderate Anpassung im unteren einstelligen Prozentbereich“ geben – deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren.

Bei der Allianz möchte man so genau nicht werden, verweist jedoch auf die weiterhin hohe Schadeninflation sowie die auch künftig hohe Relevanz von Schäden verursacht durch Naturereignisse. „Dies wirkt sich sowohl im Neu- wie auch im Bestandsgeschäft aus und wird auch in den kommenden Jahren einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung haben“, erklärt Markus Wimmer, Leiter Privat-Kraft bei der Allianz Versicherungs-AG. Die Münchener machen keine direkte Aussage zur Prämienentwicklung, sondern schreiben wie folgt: „Unser Fokus liegt darauf, Kundinnen und Kunden nicht nur über den Preis, sondern vor allem über Leistung und Service zu überzeugen.“ Klingt zunächst auch erst einmal nicht nach Preissenkungen.

Auch bei der VHV bleibt man vage zur genauen Prämienentwicklung. „Die Schadenkosten bleiben auf hohem Niveau und führen – abhängig von Tarif, Typ- und Regionalklasse – zu einer dynamischen Preisentwicklung im Markt“, kommentiert Dr. Thomas Diekmann, Vorstand Privatkunden VHV Allgemeine Versicherung AG.

Die stärksten Hebel zur Prämiensenkung

Für Kunden, die Kosten sparen wollen – und die Makler, die sie beraten – ist ein Versichererwechsel ist nicht immer die effektivste Lösung. „Das größte Sparpotenzial bietet der Fahrerkreis. Wenn 18-jährige Mitfahrer aus dem Vertrag genommen werden, sinkt der Kfz-Versicherungsbeitrag laut Verivox Kfz-Versicherungsindex um 39%“, erklärt Ziller. „Dicht darauf folgt die Selbstbeteiligung.“

Die Versicherer nennen insbesondere die Werkstattbindung als Instrument, um Prämien bezahlbar zu halten. Allianz-Chef Oliver Bäte hatte sie bereits im vergangenen Jahr als ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen höhere Prämien genannt. Die Allianz gewährt Kunden, die sich für eine Werkstattbindung entscheiden, einen Preisvorteil in Form von 20% Kasko-Nachlass, genau wie die Itzehoer. Bei der VHV sind es 15%.

Als weitere Maßnahmen erwähnen die Versicherer unter anderem eine regelmäßig an die tatsächliche Nutzung angepasste Fahrleistung, Anpassungen bei der Selbstbeteiligung und Telematiktarife.

Davon ist keine der Möglichkeiten „besser“ als eine andere. „Die Hebel sind alle wichtig und gut, sie wirken abhängig vom Kundentyp“, erklärt Iben von der Itzehoer.

Versicherer gehen von profitabler Entwicklung aus

Angesichts all dieser Entwicklungen: Wie ist es um die Finanzen der Kfz-Versicherer bestellt? Die Itzehoer blickt positiv auf das laufende Jahr. „Mit dem aktuellen Jahr sind wir, auch schadenseitig, sehr zufrieden und planen erwartungsgemäß mit einem moderaten Wachstum und einem positiven Ergebnis“, erklärt Iben.

Während die VHV sich nicht äußert, ist die Situation bei der Allianz ähnlich wie bei der Itzehoer. „Wir gehen davon aus, dass wir im laufenden Geschäftsjahr weiter wachsen und dabei profitabel bleiben.“ (js)

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