Für die aktuelle Leistbarkeitsstudie hat der Baufinanzierungsvermittler Interhyp erneut Käufer und Kaufinteressierte zu ihrer Wahrnehmung des Immobilienmarktes befragt. Wie die Ergebnisse zeigen, hat sich die Einschätzung der Leistbarkeit von Immobilien im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. So sagen 46% der Befragten, Immobilien in ihrer Wunschregion seien „kaum leistbar“. Im Jahr 2025 waren lediglich 39% dieser Ansicht. Demgegenüber halten weiterhin rund 50% der Befragten den Erwerb einer Immobilie für „mittel bis sehr leicht leistbar“.
Wahrnehmung der Leistbarkeit hat sich verschlechtert
Besonders kritisch fällt die Markteinschätzung bei den „Planern“ aus, also den Menschen, die in den nächsten ein bis zwei Jahren kaufen wollen. 52% meinen, eine Immobilie in ihrer Wunschregion sei für sie persönlich schwer oder gar nicht leistbar. In der Gruppe der „Käufer“, also Personen, die in den vergangenen fünf Jahren eine Wohnimmobilie gekauft haben, sagen nur 23% im Rückblick, der Kauf sei „schwer oder kaum leistbar“ gewesen. Rund drei Viertel der Käufer gibt dagegen an, der Immobilienkauf in ihrer Wunschregion sei „mittel bis sehr leicht leistbar“ gewesen.
„Der Wunsch nach Wohneigentum ist in Deutschland ungebrochen, aber die Leistbarkeit ist zuletzt bei einigen Kaufinteressierten unter Druck geraten“, erklärt Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe.
Befragte sehen weniger Verhandlungsspielraum bei Preisen
Wie die Studie weiter zeigt, empfinden 39% der Befragten den Immobilienmarkt als „überdreht“. 2025 waren das mit 35% noch weniger. Rund 69% sind der Ansicht, dass die Preise in den vergangenen 12 Monaten weiter gestiegen seien. Eine Entlastung bei den Immobilienpreisen nehmen nur noch 26%. Im Vorjahr lag deren Anteil noch bei 33%.
Nach Einschätzung der Befragten verringern sich zudem die Verhandlungsspielräume: 42% und damit 5 Prozentpunkte weniger als 2026 sehen aktuell größere Verhandlungsspielräume für Käufer als noch vor einem Jahr. Besonders deutlich wird die Diskrepanz laut Interhyp bei den Preisvorstellungen: 83% der Befragten sind der Meinung, dass Verkäufer weiterhin an überholten und zu hohen Preisen festhalten.
Was Kaufinteressierte verunsichert
Wer aktuell eine Immobilie kauft, tut dies in einer Phase wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit. In der Studie stimmen 70% der Befragten der Aussage zu, dass die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage den Immobilienkauf erschweren würde. Dies hat eine abwartende Haltung zur Folge: Jeder dritte „Planer“ (34%) zeigt sich unsicher, ob er im aktuellen Umfeld überhaupt aktiv werden soll.
Budgets für den Immobilienkauf werden größer
Während sich die Wahrnehmung der Leistbarkeit eintrübt und die Unsicherheit wächst, scheinen sich Kaufinteressierte zunehmend an die Marktrealität anzupassen. Das wieder höhere Zinsniveau und die dadurch gestiegenen Finanzierungskosten schlagen sich auch in den kalkulierten Budgets nieder: So ist das durchschnittlich eingeplante Budget für den Erwerb oder Bau einer Immobilie gegenüber dem Vorjahr von rund 348.800 Euro auf nun 383.900 Euro gewachsen.
„Die Ergebnisse unserer Leistbarkeitsstudie zeigen die Auswirkungen der neuen Marktrealität: Die Menschen planen mit höheren Budgets, fühlen sich aber gleichzeitig durch die politische Lage und die Preisentwicklung verunsichert. Gerade in einer solchen Phase macht eine tiefgehende Beratung den Unterschied“, erläutert Utecht.
Eine unsanierte Immobilie? Nein, danke!
Die Umfrageteilnehmer sollten auch Auskunft geben über ihre Präferenzen hinsichtlich des Objekts. Für mehr als die Hälfte der Befragten (52%) ist eine unsanierte Bestandsimmobilie kein Thema. Als Gründe werden vor allem der große Aufwand und unkalkulierbare Kosten angeführt. Sanierte Bestandsimmobilien (90%) und Neubauten (83%) stehen bei den Befragten dagegen deutlich höher im Kurs. „Natürlich bedeutet eine unsanierte Bestandsimmobilie mehr Aufwand, aber dieser Aufwand kann sich lohnen“, so Utecht. „Wir sehen gerade bei Immobilien mit einer niedrigeren Energieeffizienz einen größeren Verhandlungsspielraum beim Kaufpreis. Es kann sich also lohnen, die anstehenden Modernisierungskosten im Vorfeld genau durchzurechnen und sie anschließend in das Angebot an den Verkäufer einfließen zu lassen“.
Falsche Annahmen zum Aufbau von Eigenkapital
Ein zentrales Thema der Studie 2026 ist der Aufbau von Eigenkapital. Hier offenbaren die Ergebnisse falsche Annahmen, was die Dauer der Ansparphase betrifft. So denken 54% der Kaufinteressierten, ihr Ansparziel in weniger als fünf Jahren zu erreichen. Wie die Erfahrung der tatsächlichen Käufer zeigt, brauchen 65% länger als fünf Jahre, jeder Dritte sogar über zehn Jahre.
Nur wenige ermitteln tragbare monatliche Finanzierungsrate
Die Wahrnehmung der Leistbarkeit von Immobilien hat sich im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Dies beruht bei vielen Kaufinteressierten aber nach wie vor mehr auf Annahmen, denn auf konkreten Berechnungen. Nur rund 34% der „Planer“ haben ihre tragbare monatliche Rate im Detail konkret ermittelt. „Leistbarkeit ist eine höchst individuelle Rechnung“, betont Utecht. „Dass zwei Drittel der Interessierten ohne Kenntnis ihrer konkreten finanziellen Möglichkeiten suchen, führt oft zu Enttäuschungen bei der Objektauswahl. Nur wer seine monatliche Belastungsgrenze kennt, kann im aktuellen Markt erfolgreich agieren.“ (tik)
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