Im Gesamtblick auf Europa wird zunächst einmal deutlich, dass der gesamte europäische Versicherungs-M&A-Markt 2025 erneut einen Rekord erreicht hat, gibt FTI Consulting bekannt. Demnach fanden hier 789 Transaktionen in den Bereichen Versicherungsvermittlung, Managing General Agents (MGAs), Versicherungsdienstleistungen und Erst- und Rückversicherung statt. Dies macht einen Anstieg von 14% gegenüber 694 Deals im Vorjahr aus. Jedoch zeigte sich auch eine zeigt eine geografische Verschiebung: Bislang war der britische Markt dominierend gewesen, nun verliert er an Dynamik, sodass der aktuellen Untersuchung nach die kontinentaleuropäischen Märkte, vor allem DACH, die Oberhand gewinnen.
Wer hat den aktivsten Einzelmarkt?
Trotzdem gelten Großbritannien und Irland mit 219 Deals weiterhin als „der aktivste Einzelmarkt“. Sie müssen allerdings einen Rückgang von 23% gegenüber dem Vorjahr verbuchen, was FTI Consulting zufolge „eine der schwächsten Phasen der vergangenen fünf Jahre“ darstellt. Im Broker-Segment sei die Aktivität um rund ein Drittel gefallen.
Breites Wachstum in Kontinentaleuropa
Anders in Kontinentaleuropa, insbesondere der DACH-Region: Hier wird „ein breites Wachstum“ attestiert – für DACH, aber auch Italien, Spanien und Portugal sowie Mittel- und Osteuropa. Der Wettbewerb um attraktive Plattformen habe die Bewertungsmultiples für gut integrierte Maklerplattformen auf bis zu 18x EBITDA getrieben, heißt es. Das Bild von zunehmender Marktreife und rückläufiger Anzahl an großen, skalierbaren Zielunternehmen wird derzeit nur in Großbritannien und Irland wahrgenommen.
Der zweitaktivste Versicherungs-M&A-Markt
Wie viel und was hat sich also in der DACH-Region getan? Mit 143 Transaktionen waren Deutschland, Österreich und die Schweiz im Jahr 2025 der zweitaktivste Versicherungs-M&A-Markt in Europa. Gegenüber dem Vorjahr, in dem 106 Deals getätigt wurden, ist das ein Anstieg von 35%. Zum weiteren Vergleich: 2020 waren es noch 21 Transaktionen. Dabei entfielen den FTI Consulting-Zahlen nach rund drei Viertel der Transaktionen, nämlich 108, auf Maklerunternehmen (Vorjahr: 95), 15 auf Versicherer (Vorjahr: 6) und 20 auf Versicherungsdienstleister (Vorjahr: 5). PE-gestützte Portfoliounternehmen sind und bleiben mit 89 Deals (Vorjahr: 79) die aktivste Käufergruppe.
Familienkapitalgeber verdoppeln Transaktionen
Als „auffällig“ bezeichnet die Unternehmensberatung die Verdopplung der Transaktionen durch strategische Käufer ohne PE-Hintergrund, die sogenannten Familienkapitalgeber.
Diese Zahl hat sich im DACH-Raum vom Vorjahr mit 21 auf nun 44 erhöht – ein starker Anstieg. Somit zeigt sich tatsächlich, Familienkapital gewinnt im Vergleich zu PE an Dynamik. Direkte PE-Investoren haben ihre Deals lediglich von sechs auf zehn erhöht, während die Transaktionen von PE-gestützten Portfoliounternehmen von 79 auf 89 gestiegen sind.
Wettbewerbsintensive Phase könnte bevorstehen
Zudem konstatiert FTI Consulting, dass bei Konsolidierern zunehmend die Integration bereits erworbener Unternehmen im Vordergrund zu stehen scheint, damit geplante Synergien realisiert werden können. Eine wachsende Zahl von neuen und von neuen Eigentümern übernommener deutscher Plattformen deute darauf hin, dass der DACH-Markt in eine Phase nachhaltiger, aber wettbewerbsintensiver Konsolidierung eintrete.
DACH-Region: Einer der attraktivsten Märkte für Konsolidierungen
Mit rund 50.000 registrierten Maklern bleibe die DACH-Region einer der attraktivsten Märkte für Konsolidierungen in Europa – getrieben von stabilen wiederkehrenden Erlösen, solidem organischem Wachstum und einer oftmals ungelösten Nachfolgethematik bei vielen Maklerfirmen, sagt Andreas Schreiber, Senior Advisor im Bereich EMEA Insurance M&A bei FTI Consulting. „Kleinere Maklerfirmen werden zunehmend zum Akquisitionsziel, denen Konsolidierer einen klaren Exit in Form von Asset Deals oder Bestandsübertragungen bieten können. Die Konsolidierung, die in Deutschland begonnen hat, erfasst inzwischen auch angrenzende Märkte wie Österreich und die Schweiz sowie Mittel- und Osteuropa“, meint Schreiber.
Europa: Neuer strategischer Fokus der Konsolidierer
Für Europa hat FTI Consulting des Weiteren einen neuen strategischen Fokus ausgemacht: Die bisherige Strategie, Makler vorwiegend zur Größenskalierung zu übernehmen, stoße zunehmend an Grenzen. Stattdessen setzen Käufer nun verstärkt auf gezielte Akquisitionen von MGAs (Managing General Agents) und Spezialmaklern mit eigenen Datenbeständen, fortgeschrittener Datenanalyse und spezialisiertem Underwriting, und zwar vor allem auf dem Kontinent. Denn hier ist der MGA-Sektor noch vergleichsweise jung und wächst schnell. Jeremy Riley, Senior Advisor im Bereich EMEA Insurance M&A bei FTI Consulting, stellt daher folgende Prognose auf: „Das nächste Kapitel der europäischen M&A wird von Käufern geprägt sein, die selektiver, strategischer und zunehmend grenzüberschreitend agieren.“
„Renaissance“ bei Konsolidierung unter Versicherern
Auch auf die Entwicklungen bei Versicherern in Europa schaut das Unternehmen in seiner Untersuchung. Hier deute sich eine Renaissance an. Im Klartext heißt das: Nach Jahren relativer Zurückhaltung haben Versicherungsunternehmen angesammeltes Kapital verstärkt für strategische Übernahmen eingesetzt. Die Zahl der Transaktionen unter Erst- und Rückversicherern ist laut FTI Consulting gegenüber dem Vorjahr spürbar gestiegen. Und es wird ein weiterer Anstieg erwartet: Da die gewerblichen Versicherungsmärkte in eine Phase sinkender Prämien eintreten und organisches Wachstum damit schwieriger werde, dürfte die Konsolidierung unter Versicherern 2026 und darüber hinaus weiter an Fahrt gewinnen.
Einige Investitionszyklen kurz vor Ende
Zudem wird noch darauf hingewiesen, dass sich viele PE-Fonds dem Ende ihrer Investitionszyklen nähern. Das könnte in der kommenden Zeit zu Exits und strategischen Neupositionierungen führen. Gleichzeitig schaffen Refinanzierungsbedarfe selektive Kaufgelegenheiten. „Die Voraussetzungen für ein aktives M&A-Jahr 2026 sind damit günstig“, so Schreiber. (lg)
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