Der Industrieversicherungsmarkt wird deutlich stärker daten- und technologiegetrieben als bisher. Gute Risiken profitieren, komplexe haben es schwerer. Unternehmen können jedoch viel tun, um bessere Absicherungen zu bekommen und attraktive Prämien zu sichern. Die vom Versicherungsmakler MRH Trowe veröffentlichten „Markttrends 2026“ zeigen zudem: Risiken verdichten sich zunehmend und wirken nicht mehr isoliert.
Neue Prämienkalkulation in der Flottenversicherung
Versicherer differenzieren heute stärker bei der Risikoabsicherung und auch die Prämienberechnung hat sich deutlich verändert. Der Wandel zeigt sich beispielsweise bei der Flottenversicherung: Früher dominierten historische Schadenverläufe (Burning Cost) die Kalkulation. Heute greifen viele Versicherer auf hybride Modelle zurück, die vergangene Schäden mit aktuellen Fuhrparkdaten und Marktprognosen (Exposure Rating) verbinden – zunehmend unterstützt durch KI.
Für Unternehmen bedeutet das: Gemeinsam mit Versicherungsmaklern sollten sie den Versicherern belastbare Grundlagen für die Risikobewertung liefern. Eine präzise Darstellung der Risiken erleichtert die Entwicklung passender Versicherungslösungen und schafft die Basis für stabile, marktgerechte Konditionen. MRH Trowe betont: Entscheidend ist nicht mehr die kurzfristig niedrigste Prämie, sondern eine nachhaltige Versicherungsstrategie. Versicherer, die auf eine langfristige Zusammenarbeit mit Maklern und Kunden setzen, werten Schadenjahre differenziert: Einzelne schwächere Jahre werden nicht isoliert betrachtet, sondern über mehrere Jahre geglättet.
Risiken verstärken einander
An vielen Stellen werden Daten zur zentralen Steuerungsgröße. „Risiken wirken zunehmend systemisch – diese Entwicklung zieht sich durch alle Sparten, und sie verschiebt die Perspektive: Versicherbarkeit wird zum Ergebnis aktiver Steuerung. Datenqualität, Transparenz und Prävention werden zu zentralen Faktoren für die Prämie und für den Zugang zu Kapazitäten“, sagt Lars Mesterheide, Mitglied des Vorstands von MRH Trowe.
Gleichzeitig kumulieren sich Risiken zunehmend: Klimawandel, geopolitische Spannungen und Cyberbedrohungen verstärken einander und verdichten Schadenszenarien. Auf steigende Schadenkosten durch Extremwetter, komplexere Technologien oder unterbrochene Lieferketten reagieren Versicherer mit präziseren Risikomodellen, selektiver Zeichnung und klar definierten Mindestanforderungen.
Cyber: Versicherbarkeit wird zur Frage der IT-Reife
Besonders im Cybermarkt zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Der Markt stabilisiert sich auf hohem Niveau, bleibt jedoch anspruchsvoll. Mindestanforderungen wie Multi-Faktor-Authentifizierung oder belastbare Backup-Strukturen sind inzwischen Voraussetzung für Versicherungsschutz. Unternehmen, die IT-Sicherheit und Versicherung integriert betrachten, können ihre Position deutlich verbessern.
EU-Produkthaftungsrichtlinie: Historische Haftungsbegriffe reichen nicht mehr aus
Hinzu kommt in bestimmten Sparten auch neue Regulatorik. Besonders die Umsetzung der EU-Produkthaftungsrichtlinie sorgt in der gewerblichen und industriellen Haftpflichtversicherung für Bewegung. Mit dem Entwurf zur Modernisierung des Produkthaftungsrechts vom 11.09.2025 kommen auf Unternehmen neue Herausforderungen zu: Bestehende Deckungskonzepte müssen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, so MRH Trowe. Ein modernes Bedingungskonzept sollte technologieoffen sein und neue Risikodimensionen berücksichtigen. Historisch geprägte Haftungsbegriffe würden für digitale Produkte und vernetzte Systeme nicht mehr ausreichen.
Ansonsten gilt laut MRH Trowe: Für Risiken ohne nennenswerte US-Exponierung bleiben die Haftpflicht-Prämien weitgehend stabil oder zeigen sogar leichte Rückgänge. Besonders im Mittelstand sind ausreichend Deckungskapazitäten vorhanden. Unternehmen mit signifikantem Umsatz oder Niederlassungen in den USA sehen sich jedoch weiterhin einem „harten“ Markt gegenüber, mit steigenden Prämien und begrenzten Kapazitäten. Für Verträge mit auffälligen Schäden oder in exponierten Industriebereichen bleibt außerdem mit Anpassungen zu rechnen.
Streik und Unruherisiken – Strategisches Handeln ist gefragt
Eine weitere Beobachtung von MRH Trowe: Absicherungen gegen Streiks, Unruhen und zivile Aufstände werden wieder stärker geprüft, da politische und gesellschaftliche Entwicklungen das Risiko erhöhen. Über alle Sparten hinweg zeigt sich ein selektiver Markt: Qualitativ starke Risiken profitieren von stabilen Kapazitäten, während komplexe oder sanierungsbedürftige Risiken strengere Anforderungen erfüllen müssen. Strategisches Handeln beim Versicherungsschutz ist deshalb entscheidend. (bh)
Die „MRH Trowe „Markttrends 2026“ können kostenlos angefordert werden.
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