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Neue Provisionsregeln erhöhen Immobilienverkäufe ohne Makler
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Neue Provisionsregeln erhöhen Immobilienverkäufe ohne Makler

Käufer müssen seit dem 23.12.2020 bundesweit nur noch maximal 50% der Maklerprovision zahlen. Das führte laut einer Analyse des PropTechs PriceHubble zu deutlich mehr Do-it-yourself-Verkäufen – selbst in Bundesländern, in denen die Provision schon zuvor zwischen Käufer und Verkäufer geteilt werden musste.

Das auf datengetriebene Immobilien- und Marktanalysen spezialisierte PropTech PriceHubble hat in einer Studie die Auswirkungen der Änderungen der Maklerprovisionsregelung untersucht. Seit dem 23.12.2020 müssen private Käufer nur noch höchstens 50% der Maklergebühr beim Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses zahlen, wenn der Verkäufer den Makler beauftragt hat. Vorher fiel die Provision teils in gesamter Höhe dem Käufer zu. Um erste Markttendenzen durch das neue Gesetz zu erkennen, hat PriceHubble die Quote privat und mit Makler inserierter Angebote von Wohnimmobilien vor und nach Inkrafttreten der neuen Regelung analysiert. Dazu wurden rund 188.600 Angebote untersucht.

Aufteilung bereits zuvor teils üblich

Vor Einführung des neuen Gesetzes konnten Provisionssätze zwar frei verhandelt werden, es gab aber in den Bundesländern übliche Sätze, die wohl in der Mehrheit der Makleraufträge übernommen wurden. Daher ändert sich mit den neuen Regeln nur für die Hälfte der Bundesländer etwas für die Verkäufer (Regime 1–5), in den restlichen acht Ländern war bereits vor der Regelung eine Aufteilung der Provision üblich (Regime 6).

Anteil privater Inserate gestiegen

 

Neue Provisionsregeln erhöhen Immobilienverkäufe ohne Makler

Für die Analyse hat PriceHubble im ersten Schritt den Anteil der privaten Online-Inserate an der Gesamtzahl der beobachteten Inserate im Zeitverlauf der letzten 33 Monate von Juni 2018 bis Februar 2021 betrachtet. Trotz recht starker monatlicher Schwankungen, scheint demnach der Anteil privater Anbieter in Bundesländern, in denen ein Makler für Verkäufer nicht kostenfrei war vor Einführung des Gesetzes durchgehend um 5 bis 15% geringer gewesen zu sein, als in Ländern wo der Makler vom Käufer bezahlt wurde. Hier lag der Anteil bei 15 bis 20%. Ab 2020 steigt der Anteil der privaten Inserate in allen Gruppen, so dass sich die bisherige Lücke zwischen ihnen schließt. Anfang gab es einen Anstieg in allen Bundesländern auf 25 bis 35%.

 

Anstieg um bis zu 70%

Die Anzahl privater Inserate ist über alle Bundesländer hinweg deutlich angestiegen. In Hamburg war dieser Zuwachs am stärksten. Der Anteil stieg von 24 auf 40% und damit um fast 70%. Auch in Hessen und Bremen steigt der Anteil um mehr als ein Drittel. „Unsere Analyse zeigt, dass in einigen Bundesländern die Änderung der Maklerprovisionsregelung und schon deren Ankündigung im vergangenen Jahr zu einem starken Anstieg privater Inserate geführt hat“, kommentiert Christian Crain, Geschäftsführer von PriceHubble Deutschland, die Analyse.

Bereits zuvor teils hohe Anstiege

Die Betrachtung der Zuwachsraten vor und nach der Gesetzesänderung hat zusätzlich einige Besonderheiten hervorgehoben. So war in einigen Bundesländern der Zuwachs vor dem Inkrafttreten der Änderung sogar stärker als danach, besonders deutlich in Berlin und Brandenburg. „Der starke Anstieg privater Inserate in Berlin schon vor der Änderung der Provisionsregelung kann zum Teil auf den bestehenden Mietendeckel zurückzuführen sein. Dieser hat möglicherweise private Eigentümer dazu veranlasst ihre Immobilien zu verkaufen, anstatt sie weiter zu vermieten. Ob dieser Trend anhält bleibt abzuwarten“, so Crain.

Strahlwirkung auch auf nicht betroffene Bundesländer

Zudem zeigen auch diejenigen Bundesländer hohe Zuwachsraten und damit deutlich mehr private Inserate, in denen die Gesetzesänderung eigentlich keine Änderung zum Status quo darstellt. „Dass auch in Bundesländern wie Bayern, Rheinland Pfalz oder Thüringen, in denen sich nichts hinsichtlich der Provisionsregelung verändert hat, die privaten Inserate angestiegen sind, lässt vermuten, dass bei der Ankündigung der neuen Regelung letztes Jahr nicht genügend differenziert wurde und daher Verunsicherung zu dieser Gegenreaktion des Privatsektors führte“, meint Crain. Gleichzeitig biete das Maklern die Chance, durch Aufklärungsarbeit und qualitativ hochwertige Zusatzdienstleistungen diese Kunden für sich zurück zu gewinnen. (mh)

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