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PKV und GKV – auch bei der digitalen Patientenakte zwei Systeme
19. September 2019

PKV und GKV – auch bei der digitalen Patientenakte zwei Systeme

Die Digitalisierung kehrt auch in das Gesundheitswesen ein. So soll ab 2021 die elektronische Patientenakte zu einer besseren Patientenversorgung führen. Noch sind viele Fragen offen. PKV und GKV arbeiten zudem auch in der Digitalisierung in verschiedenen Systemen, wie auf dem Continentale PKV-Forum diskutiert wurde.


Die Digitalisierung kehrt auch in das Gesundheitswesen ein. So soll ab 2021 die elektronische Patientenakte zu einer besseren Patientenversorgung führen. Noch sind viele Fragen offen. PKV und GKV arbeiten zudem auch in der Digitalisierung in verschiedenen Systemen, wie auf dem Continentale PKV-Forum diskutiert wurde.


PKV und GKV – auch bei der digitalen Patientenakte zwei Systeme

Gerade hat der PKV-Verband die Gründung eines Start-up-Fonds für digitale Innovationen im Gesundheitswesen bekannt gegeben. Für den Venture-Capital-Fonds heal capital stellen die beteiligten PKV-Unternehmen ein Zielvolumen von 100 Mio. Euro zur Verfügung. Der Fonds wird sich auf Bereiche wie digitale Gesundheitsanwendungen, Telemedizin, digitale Prävention und Digitalisierung der Pflege fokussieren. Die finanzierten Maßnahmen sollen zu einer besseren Versorgung in Deutschland beitragen.

Galt die Digitalisierung des Gesundheitswesens bisher eher als rückständig, bewegt sich nun also aktuell einiges in diese Richtung.

Elektronische Patientenakte – erst keine, dann gleich mehrere

Die Gesundheitsversorgung verbessern will auch die elektronische Patientenakte (ePA), in der sich künftig die komplette Krankheitsgeschichte eines Patienten widerspiegeln soll. Spätestens ab Januar 2021 müssen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten eine solche ePA anbieten. Auf dem 19. Continentale PKV-Forum stellte Prof. Dr. Jörg F. Debatin in der vergangenen Woche den Nutzen dieser digitalen Patientenakte vor. Debatin leitet das health innovation hub (hih) des Bundesgesundheitsministerium und ist vom Nutzen der Akte überzeugt. Insbesondere der sogenannte Notfall- und Patientenpass (NPP) könne zu vereinfachten Prozessen führen, da Ärzte dort rund 60% der notwendigen Informationen zum Patienten bereits beim Erstkontakt finden würden, was zu schnelleren Prozessen und im besten Fall zur schnelleren Heilung führen werde.

Die privaten Krankenversicherer sind hier nicht eingebunden, auch wenn entsprechende Gespräche wohl im Gange sind. Unter den PKV-Anbietern sind in den vergangenen Monaten aber ebenfalls verschiedene Initiativen hinsichtlich einer elektronischen Gesundheitsakte entstanden. Auch einige GKV-Versicherer sind da mit an Bord. Am bekanntesten ist an dieser Stelle wohl Vivy, dessen CEO auch auf dem Forum in Köln vor Ort war. Dass es nun mehrere Systeme gibt, birgt aber auch das erste Problem schon in sich: Von einem einheitlichen Technikstandard im deutschen Gesundheitswesen kann aktuell keine Rede sein.

Daten – und keine Ende

Das zweite Problem sind jedoch die Daten. Ebenfalls in Köln sagte Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, einer der sogenannten sieben Gesundheitsweisen, dass sich immer die Frage stellen lasse, ob die Daten der ePA auch zum benötigten Zeitpunkt vollständig und aktuell seien. Schließlich entscheide jeweils der Patient, was in der Akte gespeichert werde und was nicht. Gerlach prognostiziert, dass Ärzte die digitale Akte nicht nutzen werden, solange es diese Unsicherheit gebe. Die Folge: Ärzte würden künftig sogar eher doppelt archivieren und dokumentieren und damit mehr Aufwand haben. Vivy-Gründer Christian Rebernik weiß denn auch, dass eine elektronische Gesundheitsakte nur funktionieren kann, wenn alle einen Mehrwert davon haben: Patienten und Ärzte, wie er auf dem PKV-Forum in einer Podiumsdiskussion verdeutlichte. Offene Systeme seien deshalb ein Muss.

Genauso brisant erscheint jedoch die Frage nach der Datensicherheit. Wie brisant das Thema ist, lässt sich gerade wieder an einem Datenskandal im Gesundheitswesen ablesen: Patientendaten waren wohl auf öffentlich zugänglich Servern gespeichert. IT-Sicherheitsberater Martin Tschirsich testete selbst schon die Sicherheitssysteme im Gesundheitswesen und entdeckte dabei einige Lücken. Auf dem PKV-Forum erklärte er, dass der Patient auch bei den Daten immer im Mittelpunkt stehen müsse: Dieser werde nur mitspielen und seinen „digitalen Zwilling“ befüllen oder befüllen lassen, wenn er dem System vertrauen könne. Der genannte Datenskandal könnte hier dem ein oder anderem Patienten Anlass zum Zweifel geben. (bh)

Foto: Auf dem 19. Continentale PKV-Forum am 10.09.2019 diskutierten über die Digitalisierung des Gesundheitswesen (v.l.n.r.): Martin Tschirsich (IT-Sicherheitsberater), Vivy-Gründer Christian Rebernik, Thomas Lenke (Chef der Sana Kliniken), Dr. Markus Kremer (Continentale-Krankenvorstand), Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach (Goethe-Universität Frankfurt und „Gesundheitsweiser“), Prof. Dr. Jörg F. Debatin, (hih-Chairman). Moderation: Tanja Samrotzki.

Quelle: die Continentale




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