Ein Artikel von Peter Pillath, Director Cyber bei Howden Deutschland und hendricks GmbH
Unternehmen stehen heute vor erheblichen Cyberrisiken. Digitalisierung und Industrie 4.0 bedeuten, dass Produktionsanlagen zunehmend mit IT-Netzen und dem Internet verbunden sind. Die Angriffsfläche vergrößert sich: Alte Maschinensteuerungen, die nicht für ständige Vernetzung entwickelt wurden, treffen auf hochautomatisierte, digitale Prozesse. Produktionsabläufe sind auf digitale Systeme angewiesen und in Lieferketten eng vernetzt. Ein erfolgreicher Cyberangriff kann schnell Fertigungsstraßen lahmlegen und zu Betriebsunterbrechungen führen, mit potenziell hoher finanzieller und reputativer Belastung.
Ransomware-Angriffe gelten derzeit als größte Gefahr: Sie verschlüsseln Daten und blockieren Systeme – Lösegeldforderungen in Millionenhöhe und wochenlange Produktionsstopps sind realistische Worst-Case-Szenarien. Auch Angriffe in der Lieferkette, z. B. bei einem wichtigen Zulieferer, können verheerend sein. Die regulatorischen Anforderungen steigen ebenfalls: So weitet die NIS2-Richtlinie die Pflichten rund um Cybersicherheit auch auf viele mittelständische Betriebe aus. Die Ausgangssituation ist geprägt von neuen Bedrohungen und einem wachsenden Handlungsdruck.
Prävention ist die Grundlage der Handlungsfähigkeit
Mit vorbeugenden Sicherheitsmaßnahmen und einer ganzheit- lichen Cybersicherheitsstrategie gilt es, potenzielle Schäden zu mindern. Dazu gehören Governance und Organisation (z. B. Verankerung der Informationssicherheit in der Geschäftsführung) sowie technische und organisatorische Schutzmaßnahmen (z. B. Firewalls, Netzsegmentierung zwischen IT und OT, Multifaktor-Authentifizierung).
Speziell im Produktionsumfeld sind OT-Security-Maßnahmen unverzichtbar: Maschinensteuerungskonzepte, physische Schutzmaßnahmen und Netzwerk-segmentierung müssen sicher in die IT-Landschaft integriert werden, um Fehlbedienungen, Sabotage und die Nutzung als Einfallstor zu verhindern. Außerdem ist ein Incident-Response-Management nötig: Ein definierter Notfallplan, eingeübte Reaktionsprozesse und regelmäßige Notfallübungen helfen, im Krisenfall schnell zu handeln. Backups und ein Business Continuity Management sorgen dafür, dass bei eingetretenen Schäden die Datenwiederherstellung und Weiterführung des Betriebs schneller gelingen.
Der Vorteil all dieser Maßnahmen: Sie senken signifikant die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Schadenausmaß. Ein weiterer Nutzen guter Prävention ist mehr Kontrolle über die Risiken: Man baut gezielt Resilienz auf und reduziert Abhängigkeiten, was langfristig kosteneffizienter ist, als die Schäden nach einem Angriff zu tragen. Allerdings gibt es auch Grenzen der Prävention. Kein Schutz ist absolut – moderne Angriffe und menschliche Fehler können trotz Hightech-Sicherheit zum Schaden führen. Zudem fordert eine wirksame Sicherheitsorganisation kontinuierliche Investitionen und spezialisiertes Know-how, mitunter eine Herausforderung für knappe Ressourcen im Mittelstand.
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