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Riester und die Chance auf Altersvorsorgeberatung
10. Mai 2016

Riester und die Chance auf Altersvorsorgeberatung

Die aktuelle Diskussion um die Riester-Rente könnte der Auftakt einer Rentenreform und damit auch des Wahlkampfs für die Bundestagswahlen 2017 sein. Ob die Altersvorsorge damit wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen rückt, bleibt fraglich. Für die Finanz- und Versicherungswirtschaft könnte die Diskussion aber dazu dienen, die Beratung zur privaten Altersvorsorge wieder mehr in den Mittelpunkt zu schieben.


Die aktuelle Diskussion um die Riester-Rente könnte der Auftakt einer Rentenreform und damit auch des Wahlkampfs für die Bundestagswahlen 2017 sein. Ob die Altersvorsorge damit wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen rückt, bleibt fraglich. Für die Finanz- und Versicherungswirtschaft könnte die Diskussion aber dazu dienen, die Beratung zur privaten Altersvorsorge wieder mehr in den Mittelpunkt zu schieben.


Riester und die Chance auf Altersvorsorgeberatung

Knapp 16,5 Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland. Davon sind knapp 11 Millionen Versicherungsverträge, wie die offizielle Statistik von April 2016 zeigt. Die Zahl der Verträge stagniert, die Tendenz bei den Versicherungen ist sogar seit 2012 leicht rückläufig. Den Anteil der insgesamt ruhend gestellten Verträge, also ohne Beitragsleistung im jeweiligen Berichtszeitraum, schätzt das Bundesarbeitsministerium auf rund ein Fünftel. Das lässt vermuten, dass das, was gesellschaftspolitische Brisanz hat, in der aktuellen Altersvorsorgeberatung keine allzu große Rolle spielt. Zumindest nicht im Neugeschäft, Fragen der Kunden dürften dagegen vermehrt auflaufen – etwa die Frage nach Kündigung oder Beitragsfreistellung.

Vorwürfe und Vorschläge

Nachdem verschiedene Ökonomen und Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer die Riester-Rente scharf kritisiert oder sogar für gescheitert erklärt haben, haben sich in den vergangenen Tagen nun Vertreter der Versicherungswirtschaft zu Wort gemeldet. So zeigte etwa Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungen, auf, dass die Riester-Rente gerade Geringverdienern zugutekomme. Dies wurde von anderer Seite angezweifelt, aber Beispiele von Versicherten seines Hauses würden das deutlich dokumentieren. Nicht die Abschaffung, sondern die Stärkung der Riester-Rente sei der richtige Weg. Während er sich höhere Zulagen vorstellen könne, will Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Versicherungsgruppe die Bayerische, mehr Flexibilität für die Riester-Rente. Die geplante Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,9% im Jahr 2017 – die er grundsätzlich für überhastet hält – erfordere ein Gegensteuern der Politik, um die Riester-Rente als zusätzliche Altersvorsorge für die Bürger attraktiv zu halten. Schneidemann weiter: „Um zu verhindern, dass die starre Anforderung des Beitragserhaltes zum Rentenbeginn die Riester-Rente nur noch für extrem lange Laufzeiten ermöglicht, ist eine Flexibilisierung erforderlich.“ Die Renditechancen könnten damit für den Kunden erhöht werden. So sollte bei der Beurteilung des Beitragserhaltes die gesamte Laufzeit eines Vertrages, also auch die Rentenbezugsphase zugrunde gelegt werden, oder die Bürger sollten in einer gewissen Bandbreite die Balance zwischen Garantieniveau und Renditechance wählen können.

Chance für die Altersvorsorgeberatung

Die Altersvorsorgeberatung ist nicht erst jetzt ein schwieriges Geschäftsfeld im Vermittlerbüro. Die Zurückhaltung der Kunden hält seit der Finanzkrise dauerhaft an. Niedrigzins und LVRG sind weitere Hemmnisse. Viele Versicherer, aber auch Vermittler, ziehen sich seitdem auf das BU-Geschäft oder auch auf das Sachgeschäft zurück. Die oft zitierte gesellschaftspolitische Aufgabe der Versicherer sowie Vermittler und Berater scheint an Zugkraft verloren zu haben – vermutlich wäre aber gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, die Altersvorsorgeberatung wieder in die Mitte der Beratung aufzunehmen. (bh)



Kommentare

von Jürgen Diefenbach am 10.05.2016 um 10:07 Uhr
Nachdem sowohl die Riester-Rente ebenso wie auch die bAV in der Rentenphase zu versteuern ist und hierauf auch Sozialabgaben abzuführen sind - was wohl die meisten Kunden erst in den letzten Jahren leider über die Presse erfahren mussten - und private LV´s Anrechnung auf die gesetzliche Rente haben, werden sich m.E. immer weniger Menschen für diese Form der Vorsorge im Alter entscheiden.

Die Politiker wollten die private Vorsorge, haben aber nichts unternommen, um diese wirklich interessant zu gestalten. Die immer stärker absinkende Rente macht den Menschen zwar Angst, führt jedoch aufgrund der genannten Gründe nicht zu einer weiteren Einschränkung des aktuellen Lebensstils. Nachdem ohnehin in der Rentenphase die kalkulierte Rente nicht erzielt wird, erscheint auch eine minimale Verbesserung nicht notwendig.

von Nils Fischer am 10.05.2016 um 10:16 Uhr
Nun kann man über Versteuerung, Nullzinsen und ähnliches gut gerne endlos diskutieren; Oder aber man macht verantwortungsvoll, offen und ehrlich seinen Kunden die Altersvorsorgerechnung auf. Und wenn dann jemand anhand der Zahlen sieht, das er nach 45 Arbeitsjahren bei einem momentanen Netto von 1.650 € von jetzt auf gleich (Renteneintritt) mit knapp 800 € an gesetzlicher Rente auskommen MUSS, dann, ja dann sind Menschen auch bereit, Konsumverzicht zu üben und Geld beiseite zu legen, wie auch immer.


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