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Sind die Ängste vor Altersarmut übertrieben?
28. Mai 2019

Sind die Ängste vor Altersarmut übertrieben?

Während die Große Koalition wohl auch nach der Schlappe bei der Europawahl über die Einführung der Grundrente diskutiert, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung sich intensiv mit den statistischen Daten zur Altersarmut in Deutschland beschäftigt – und dabei die statistische Grundlage der aktuellen Rentendiskussion zerpflückt.


Während die Große Koalition wohl auch nach der Schlappe bei der Europawahl über die Einführung der Grundrente diskutiert, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung sich intensiv mit den statistischen Daten zur Altersarmut in Deutschland beschäftigt – und dabei die statistische Grundlage der aktuellen Rentendiskussion zerpflückt.


Sind die Ängste vor Altersarmut übertrieben?

Die Debatte um die Einführung der Grundrente erhält neuen Zündstoff. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat sich in einer intensiven Analyse mit den offiziellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auseinandergesetzt. Die Experten der Zeitung gingen dabei der Frage nach, wie groß die Gefahr von Altersarmut tatsächlich ist und wie viele Bundesbürger ohne eine gesetzliche Aufstockung im Alter finanzielle Probleme bekommen würden.

Auf den ersten Blick besorgniserregend

Der FAZ-Analyse zufolge herrscht ein Zerrbild zwischen öffentlicher Wahrnehmung und statistischer Datenlage. So seien die Zahlen nur auf den ersten Blick besorgniserregend. Die durchschnittliche Bruttorente beträgt in Deutschland aktuell 1.022 bis 1.329 Euro für Männer und 787 Euro für Frauen. Der durchschnittliche Netto-Zahlbetrag liege bei 916 Euro. Zudem ist laut den DRV-Daten jede zweite gesetzliche Rente niedriger als 800 Euro pro Monat.

Genauerer Blick notwendig

Die FAZ sieht in diesen relativ niedrigen Zahlen aber keinen Beleg für Altersarmut. Die Experten der Zeitung verweisen darauf, dass viele Rentner weitere Einkommen haben, zum Beispiel aus betrieblichen Vorsorgekassen, vermieteten Immobilien oder anderen Geldanlagen. Hinzu kämen oft Einkommen eines Partners. Darüber hinaus würden in den Durchschnittszahlen auch Beamte oder Selbstständige mitgezählt, die allerdings nur kurz oder nie in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Tatsächliche Einkommen deutlich höher

Selbst die DRV betont daher, dass die Einkommen der Rentner nur im Kontext gesehen werden könnten. Die FAZ verweist zudem darauf, dass auch der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vom Herbst 2018 ein durchschnittliches Netto-Gesamteinkommen für Rentner-Ehepaare im Westen im Jahr 2015 von 2.572 Euro ausweist, in Ostdeutschland immerhin noch von 2.257 Euro. Bei alleinstehenden Männern stehen in dem Bericht netto 1.593 Euro im Westen und 1.389 Euro im Osten. Bei alleinstehenden Frauen sind es 1.422 bzw. 1.370 Euro. Diese Zahlen würden den ersten Eindruck bereits abmildern.

Falscher Maßstab

Die FAZ gibt zusätzlich zu Bedenken, dass Durchschnittszahlungen allein kein Maßstab für Altersarmut sein könnten. Aussagekräftiger sei die Zahl der Empfänger staatlicher Fürsorgeleistungen. Aktuell würden zum Beispiel nur 3,1% der Bürger über 65 eine Grundsicherung im Alter erhalten. Der FAZ-Analyse zufolge, sind bei den Arbeitnehmern mit 35 oder mehr Beitragsjahren gerade mal 1% auf Grundsicherung angewiesen. Altersarmut treffe also nur in Ausnahmefällen langjährig Beschäftigte – und das auch nur dann, wenn sie sehr wenig verdient haben.

Kein drohender Tsunami der Altersarmut

Wenn Altersarmut drohe, dann vor allem bei Selbstständigen. Eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige sei daher eine zielführendere Maßnahme gegen Altersarmut als die Idee einer Grundrente, vor allem ohne eine Berechtigungsprüfung. Insgesamt kommt die FAZ aber ohnehin zu dem Schluss, dass Angstszenarien fehl am Platz seien und in Deutschland kein Tsumani bei der Altersarmut drohe. (mh)

Bild: © Photographee.eu – stock.adobe.com




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