Was planen die Produktgeber fürs Altersvorsorgedepot? Ab 01.01.2027 dürfen Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften, Neobroker etc. ihre neuen, staatlich geförderten Produkte verkaufen. Wie laufen die Vorbereitungen? Wer hat was vor? Dieser Frage hat sich das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) in einer Befragung unter potenziellen Anbietern angenommen.
Mehr als 200 potenzielle Anbieter von Altersvorsorgedepotlösungen wurden angeschrieben. 63 beteiligten sich an der Befragung. Nach dem Ausschluss von 13 vorzeitig beendeten Fragebögen umfasst die Nettostichprobe 50 Unternehmen. Die Erhebung lief vom 11.05. bis 08.07.2026.
Unter den Teilnehmenden befinden sich 32 Lebensversicherer, elf Fondsgesellschaften bzw. Asset-Manager, fünf Neobroker oder Digitalplattformen sowie zwei Kreditinstitute. Die strategische Bedeutung der Altersvorsorge ist hoch, so das IVFP. Von 49 antwortenden Unternehmen bezeichnen 79% den Bereich als zentrales Wachstumsfeld, weitere 22% als wichtiges Ergänzungsfeld.
Wie viele planen mindestens ein AV-Depot?
Auf die Frage, ob mindestens ein Produkt für die geförderte private Altersvorsorge angeboten werden soll, antworten 72% der 50 Unternehmen mit „Ja“. Bei den Lebensversicherern liegt der Anteil bei 75%. Auch in den übrigen Segmenten ist die Angebotsbereitschaft mit rund 67% hoch. Weitere 16% der Gesamtstichprobe sind noch unentschlossen oder prüfen ein Angebot; jeweils 6% lehnen eine Einführung ab oder wollen zunächst abwarten.
Damit zeichnet sich laut IVFP ein breiter Wettbewerb ab. Das AV-Depot wird voraussichtlich weder von einem einzelnen Geschäftsmodell noch von einer bestimmten Anbietergruppe geprägt. Lebensversicherer, Fondsanbieter, Kreditinstitute und digitale Plattformen bereiten sich parallel auf den neuen Markt vor.
Von Standardprodukt bis Garantie
Unter den 36 Unternehmen mit konkreter Angebotsabsicht plant ein Viertel ein Standardprodukt in Kooperation und knapp zwei Drittel ein eigenes Standardprodukt. Da ein Standardprodukt verpflichtend ist, lässt das Antwortbild vermuten, dass noch nicht alle Anbieter abschließend entschieden haben, ob sie es selbst entwickeln oder gemeinsam mit einem Kooperationspartner umsetzen. Darüber wollen 72% ein AV-Depot ohne Garantie anbieten. Ein Garantieprodukt mit 80% Garantie nennen 44%, rund jeder Fünfte wiederum eine Variante mit 100% Garantie.
Da Mehrfachnennungen möglich waren, planen zahlreiche Anbieter mehr als ein Konzept. Die Schwerpunkte unterscheiden sich insbesondere bei Kooperations- und Garantieprodukten: Rund 58% der Kreditinstitute, Fondsanbieter und Neobroker setzen beim Standardprodukt auf eine Kooperation; bei den Lebensversicherern sind es lediglich rund 8%. Ein Garantieprodukt mit 80% planen dagegen etwa 63% der anbietenden Lebensversicherer, in den übrigen Segmenten nur rund 8%. Beim AV-Depot ohne Garantie liegen die Gruppen mit 71 bzw. 75% nahezu gleichauf, erläutert das Institut.
Aktive Fonds nach wie vor im Fokus
Bei den Anlagemöglichkeiten für Nicht-Standardprodukte gibt es kein reines ETF-Bild, wie das IVFP feststellt. Von 29 antwortenden Unternehmen planen 62% ETFs und 59% aktive Investmentfonds. Gemanagte Portfoliolösungen werden von 41% genannt, während ELTIFs mit nur 3% bislang eine untergeordnete Rolle spielen. Knapp ein Viertel kann noch keine konkrete Angabe machen. Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich.
Die Ergebnisse sprechen für eine breite Anlagewelt. Passive und aktive Ansätze dürften nebeneinanderstehen, während gemanagte Lösungen vor allem für Anbieter relevant sind, die den Auswahlprozess stärker strukturieren oder vorgeben wollen.
Manches fehlt noch
Operativ müssen die Produktgeber noch einiges liefern. Von 34 antwortenden Unternehmen rechnet knapp die Hälfte erst zu einem späteren Zeitpunkt mit Produktunterlagen oder einem ersten Entwurf, ein gutes Drittel im September oder Oktober. 15% nennen Juli oder August, 3% Mai oder Juni. Viele Angebote befanden sich zum Befragungszeitpunkt somit noch in der Entwicklung.
Bei der Softwareunterstützung dominieren Berechnungsaufgaben. Alle 24 antwortenden Unternehmen sehen eine Leistungsprojektion für unterschiedliche Auszahlungsvarianten vor. 96% planen eine Berechnung der Förderquote, 88% einen Riester-Abgleich. Robo-Advisor zur Selbstberatung werden von 42%, Tools zur Portfolioallokation von 38% vorgesehen. Die Lösungen sollen je nach Funktion selbst entwickelt oder über externe Partner bereitgestellt werden.
Bei der Zulagensystematik plant etwas mehr als die Hälfte eine eigene technische Umsetzung mit der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) und etwa ein Drittel eine Partnerlösung. Unter den antwortenden Lebensversicherern setzen 62% auf eine eigene Lösung und 19% auf einen Partner. Bei Kreditinstituten, Fondsanbietern und Neobrokern sind es 36 bzw. 64%.
Bei standardisierten digitalen Schnittstellen für Berechnungen oder Vertragsabschlüsse zeigt sich ein gemischtes Bild, wie die Umfrage ergibt. Von 28 antwortenden Unternehmen entwickeln 36% bereits eine Schnittstelle mit geplanter Einführung bis 2027, weitere 11% planen eine spätere Einführung. 7% sehen keine Schnittstelle vor, 46% können noch keine Angabe machen. Die technische Integration dürfte damit zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal werden.
Fazit: Ein Markt mit unterschiedlichen Startpositionen
Das IVFP resümiert, dass die Umfrage eine hohe Angebotsbereitschaft zeige, jedoch unterschiedliche Wege in den neuen Markt. Das garantiefreie AV-Depot gehört in allen Segmenten zum Kern der Planungen. Lebensversicherer ergänzen es häufiger um Garantieprodukte, während Banken, Fondsanbieter und Neobroker stärker auf Kooperationen setzen. Der Markt entscheidet sich nicht zwischen digital und Beratung, sondern für hybride Vertriebsmodelle. Zentrale operative Fragen sind vielerorts noch nicht abschließend geklärt.
In der Befragung wurden noch andere Aspekte wie Abschluss- und Vertriebswege oder die Übertragung bestehender Riester-Guthaben abgefragt. Die vollständige Auswertung gibt es auf der Website des IVFP. (mki)
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