Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.
AssCompact suche
Home
Assekuranz
17. November 2021
So geht es den Lebensversicherern im Run-off

So geht es den Lebensversicherern im Run-off

Die Rating-Agentur Assekurata hat aktuell die Situation der Lebensversicherer im Run-off näher untersucht und dabei festgestellt, dass vor allem die externen Run-off-Unternehmen zuletzt überdurchschnittlich hohe Erträge erwirtschaften konnten. Die Gründe hierfür seien vielschichtig, so die Analysten.

Zum dritten Mal hat die Rating-Agentur Assekurata die Situation von Lebensversicherern im Run-off bilanziell untersucht und die aktuellen Ergebnisse in der Studie „Run-off in der Lebensversicherung 2021“ veröffentlicht. Um die Auswirkungen sowohl aus Kunden- als auch aus Investorensicht zu identifizieren, haben die Analysten etliche Kennzahlen und Einzeldaten dafür unter die Lupe genommen.

Sieben deutsche Lebensversicherer im externen Run-off

Auf dem deutschen Markt sind Run-offs laut Assekurata insbesondere in der Lebensversicherung zu beobachten, weil das extreme Niedrigzinsumfeld das traditionelle Geschäftsmodell stark unter Druck setzt. „Wenn Versicherungsgesellschaften in den Run-off gehen, bieten sie Kunden keine neuen Verträge mehr an“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Sie wickeln ihre Bestände dann entweder intern ab oder überlassen dies externen Spezialisten.“ Im externen Run-off befinden sich der Assekurata-Studie zufolge derzeit sieben deutsche Lebensversicherer mit einem Prämienvolumen von insgesamt 3,8 Mrd. Euro, was einem Marktanteil von ca. 4% entspricht.

Sie verteilen sich auf insgesamt drei Run-off-Plattformen: Auf die Viridium-Gruppe: Skandia Lebensversicherung AG, Heidelberger Lebensversicherung AG, Entis Lebensversicherung AG (ehemaliger Bestand der Protektor Lebensversicherungs-AG), Proxalto Lebensversicherung AG (ehemals Generali Lebensversicherung AG), die Frankfurter-Leben-Gruppe: Frankfurter Lebensversicherung AG (ehemals Basler Leben AG Direktion für Deutschland), Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG (ehemals ARAG Lebensversicherungs-AG) und die Athora-Gruppe: Athora Lebensversicherung AG (ehemals Delta Lloyd Lebensversicherung AG)

Ökonomische Hürden für externe Run-offs weiterhin hoch

Dass in den vergangenen zwei Jahren keine neuen Unternehmensverkäufe von Lebensversicherern mehr hinzugekommen sind, liegt aus Sicht von Assekurata einerseits daran, dass die externen Anbieter zum Teil noch mit der IT-Integration der bisher erworbenen Bestände beschäftigt seien. Andererseits seien auch die ökonomischen Hürden für externe Run-offs weiterhin hoch, weil die Ausfinanzierung von hochverzinsten Altverträgen Risiken berge, die sich letztlich im Kaufpreis widerspiegeln müssten. Trotzdem gehen die Studienautoren bei Assekurata angesichts der anhaltend schwierigen Zinsbedingungen und steigender regulatorischer Anforderungen davon aus, dass auch zukünftig weitere Transaktionen stattfinden werden und der Run-off-Markt hierzulande intakt bleibt.

Neben den oben genannten Unternehmen, die sich im externen Run-off befinden, hat Assekurata in der aktuellen Studie zusätzlich die Victoria Lebensversicherung und die (alte) ERGO Lebensversicherung berücksichtigt, die sich im internen Run-off der ERGO-Gruppe befinden. Ihre bilanzielle Situation habe aufgrund der Bestandsgröße eine hohe Aussagekraft und ermögliche darüber hinaus auch den Blick auf mögliche Unterschiede zwischen internen und externen Run-offs, begründen die Studienautoren.

Profitabilitätskennzahlen teilweise deutlich marktüberdurchschnittlich

Eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Lebensversicherern sei eine positive Ertragssituation, die sich an den erzielten Rohüberschüssen und Bilanzergebnissen festmachen lasse. Insbesondere bei den externen Run-off-Gesellschaften fielen die Profitabilitätskennzahlen zum Teil deutlich marktüberdurchschnittlich aus, was darauf hindeute, dass es den Run-off-Plattformen gelungen sei, zuvor wenig profitable Versicherer zumindest kurzfristig zu deutlich rentableren Unternehmen zu formen. „Die meisten Run-off-Gesellschaften schaffen es, höhere Umsatz- und Kapitalrenditen als der Markt zu erzielen, da sie aus den schrumpfenden Prämieneinnahmen einen vergleichsweise hohen Ertrag generieren“, stellt Heermann fest.

Die Gründe dafür seien in positiven Kosteneffekten und gestiegenen außerordentlichen Erträgen aus den am Kapitalmarkt angelegten Geldern zu finden. Teilweise konnten die Assekurata-Analysten im Rahmen ihrer Studie aber auch unternehmensindividuelle Einmaleffekte feststellen, zum Beispiel durch die Auflösung von Rückstellungen.

Trotz der bisweilen kritischen öffentlichen Wahrnehmung führe ein Run-off in der Lebensversicherung auch nicht zu einem Anstieg der Stornoquoten. Vielmehr sei es den Run-off-Gesellschaften in den vergangenen Jahren gelungen, ihre Stornoquote im Durchschnitt kontinuierlich zu senken. Hierauf habe auch die Corona-Krise bislang keinerlei gegenteiligen Einfluss genommen, so die Assekurata-Analysten.

So geht es den Lebensversicherern im Run-off

Die Abwicklungsdynamik der Bestände sowie die Größenverhältnisse der betrachteten Lebensversicherer sind in der nebenstehenden Grafik (Quelle: Assekurata) veranschaulicht. Die Abwicklungsdynamik kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt neben den vertraglichen Restlaufzeiten auch von Dynamikerhöhungen und dem Stornovolumen ab. Die Höhe der Säulen gibt für jedes Unternehmen die gebuchten Bruttobeiträge im Zeitablauf an. Auf der rechten Seite der Grafik finden sich mit separater Skala Proxalto Leben und ERGO Leben, die 2020 mehr als vier bzw. drei Mal so groß waren wie die nächstgrößere Victoria Leben. (ad)

Mehr Informationen zur Studie gibt es unter www.assekurata-rating.de

Bild oben: © Stockfotos-MG – stock.adobe.com