Ein Beitrag von Tobias Knörrer, Geschäftsführer der bbg Betriebsberatungs GmbH, und Daniel Dierkes, Gründer und Geschäftsführer von SureIn und Modus
Die Entwicklung künstlicher Intelligenz verändert die Versicherungsvermittlung in einem Tempo, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Neue Anwendungen und technologische Fortschritte eröffnen Möglichkeiten, die weit über die bisherigen Formen der Digitalisierung hinausgehen.
Für Vermittler stellt sich damit nicht mehr nur die Frage, wo KI heute sinnvoll eingesetzt werden kann, sondern auch, wie die Technologie ihre Arbeitsweise und Geschäftsmodelle langfristig verändern wird.
Mit dem KI-Navigator widmet die DKM 2026 dieser Entwicklung erstmals einen eigenen Kongress. Er soll Orientierung bieten, aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven beleuchten und den Austausch über Chancen, Herausforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten fördern.
Denn mit den technologischen Möglichkeiten wachsen auch die Fragen: Welche Anwendungen schaffen heute bereits einen echten Mehrwert? Welche Entwicklungen werden die Branche in den kommenden Jahren prägen? Und wie können Unternehmen die Chancen der Technologie nutzen, ohne die damit verbundenen Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren?
Neue Anforderungen an die Versicherungsvermittlung
Die Versicherungsvermittlung steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Kunden erwarten schnelle Reaktionszeiten, individuelle Beratung und digitale Services. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Datenverarbeitung und die Qualität der Betreuung.
Hinzu kommt der demografische Wandel. Viele Vermittler stehen in den kommenden Jahren vor dem Ruhestand, während qualifizierte Fachkräfte immer schwieriger zu gewinnen sind.
Das stellt insbesondere wachstumsorientierte Maklerunternehmen vor eine grundlegende Herausforderung: Mehr Kunden und Verträge bedeuten traditionell auch mehr operative Arbeit. Zusätzliche Angebote, Vertragsänderungen, Schadenfälle und Kundenanfragen erfordern zusätzliche personelle Kapazitäten.
Die Digitalisierung hat hier bereits viel bewegt. Maklerverwaltungsprogramme, Vergleichsrechner und Kundenportale unterstützen zahlreiche Tätigkeiten. Dennoch müssen Mitarbeiter weiterhin Informationen zwischen unterschiedlichen Systemen zusammenführen, Vorgänge koordinieren und viele Arbeitsschritte manuell ausführen. Genau hier eröffnet künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten, die weit über die bisherige Digitalisierung hinausgehen.
Neue Möglichkeiten für Versicherungsmakler
Während erste KI-Anwendungen vor allem bei der Erstellung von Texten, der Recherche und der Aufbereitung von Informationen unterstützen, erweitern technologische Fortschritte das Spektrum möglicher Einsatzgebiete. Für die Versicherungsvermittlung betrifft das nahezu alle Bereiche des Geschäfts. Von der individuellen Kundenberatung und dem Vertrieb über die Analyse von Versicherungsbeständen bis hin zur Automatisierung administrativer Tätigkeiten entstehen neue Möglichkeiten, bestehende Prozesse zu verbessern und neue Formen der Kundenbetreuung zu entwickeln.
Dabei geht das Potenzial weit über reine Effizienzsteigerungen hinaus. KI kann Vermittler dabei unterstützen, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen, Beratungsangebote individueller zu gestalten und neue Geschäftspotenziale zu erschließen. Gleichzeitig können automatisierte Abläufe Mitarbeiter entlasten und zusätzliche Kapazitäten für persönliche Beratung, Kundenbeziehungen und Wachstum schaffen.
Langfristig könnte KI damit nicht nur die tägliche Arbeit verändern, sondern auch die Organisation und die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Vermittlerunternehmen grundlegend beeinflussen.
Zwischen Potenzial und praktischer Umsetzung
Bei aller Dynamik ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Viele KI-Anwendungen befinden sich noch in frühen Entwicklungsstadien. Die Integration bestehender Systeme, die Qualität verfügbarer Daten und der Umgang mit sensiblen Kundeninformationen stellen weiterhin hohe Anforderungen. Hinzu kommen Fragen der regulatorischen Verantwortung, des Datenschutzes und der Nachvollziehbarkeit automatisierter Entscheidungen.
Gerade in der Versicherungsvermittlung, in der Vertrauen, fachliche Expertise und langfristige Kundenbeziehungen eine zentrale Rolle spielen, wird es entscheidend sein, technologische Möglichkeiten mit geeigneten Kontrollmechanismen und menschlicher Verantwortung zu verbinden.
Für Vermittlerbetriebe bedeutet das: Nicht jede neue KI-Anwendung schafft automatisch einen wirtschaftlichen Mehrwert. Entscheidend ist, welche konkreten Probleme gelöst werden, wie zuverlässig die Technologie im täglichen Betrieb funktioniert und ob sich die Ergebnisse tatsächlich nachweisen lassen.
Neben der Technologie selbst wird deshalb auch die organisatorische Umsetzung immer wichtiger. Mitarbeiter müssen in die Veränderungen eingebunden, Prozesse hinterfragt und neue Arbeitsweisen entwickelt werden.
Der KI-Navigator: Eine neue Plattform für die Branche
Der Kongress wird von der bbg Betriebsberatungs GmbH gemeinsam mit SureIn und Modus gestaltet. SureIn und Modus bringen dabei ihre Erfahrungen aus dem Betrieb eines digitalen Gewerbe- und Industriemaklers sowie der Entwicklung spezialisierter KI-Software für Versicherungsmakler ein.
Im Mittelpunkt steht ein breiter Blick auf die technologische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Branche. Das Programm verbindet strategische Perspektiven, praktische Erfahrungen und konkrete Anwendungsbeispiele. Fachleute aus der Versicherungswirtschaft, Vertreter von Technologieunternehmen und Vermittler diskutieren, welche Möglichkeiten KI bereits heute eröffnet und wie sich die Versicherungsvermittlung in den kommenden Jahren verändern könnte.
Ein weiterer Bestandteil ist eine gemeinsame Untersuchung von AssCompact und Modus zum aktuellen Stand der KI-Nutzung in der Versicherungsvermittlung. Sie soll Einblicke geben, welche Anwendungen bereits eingesetzt werden, welche Erwartungen Vermittler mit KI verbinden und wo die größten Herausforderungen bei der praktischen Einführung liegen.
Der KI-Navigator soll damit nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Dialog darüber fördern, wie die Branche die Chancen künstlicher Intelligenz aktiv gestalten kann.
Die Zukunft der Versicherungsvermittlung gemeinsam gestalten
Künstliche Intelligenz wird die Versicherungsvermittlung nicht von heute auf morgen vollständig verändern. Doch die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass sich die Möglichkeiten schneller entwickeln, als viele noch vor Kurzem erwartet hätten.
Die entscheidende Frage wird künftig nicht allein sein, ob Vermittlerunternehmen KI einsetzen. Vielmehr wird es darum gehen, wie sie die Technologie sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe integrieren, welche neuen Möglichkeiten dadurch entstehen und wie sich die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Technologie verändert.
Dabei geht es nicht darum, die persönliche Beratung oder die Bedeutung des Vermittlers infrage zu stellen. Im Gegenteil: Wenn KI administrative und operative Arbeit übernimmt, kann mehr Raum für die Tätigkeiten entstehen, die den eigentlichen Wert der Versicherungsvermittlung ausmachen: Vertrauen, individuelle Beratung und langfristige Kundenbeziehungen.
Die Zukunft der Versicherungsvermittlung sollte nicht allein von Technologieanbietern definiert werden. Sie muss im Dialog zwischen Vermittlern, Versicherern, Technologieunternehmen und Branchenexperten gestaltet werden. Mit dem KI-Navigator wollen wir genau dafür eine Plattform schaffen.
Hier geht es zur Programmübersicht der DKM 2026: die-leitmesse.de
Daniel Dierkes
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