Teure Modernisierungen: Warum der Immobilienboom auch Eigentümer betrifft | AssCompact – News für Assekuranz und Finanzwirtschaft
AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Whats App AssCompact - Whats App

Teure Modernisierungen: Warum der Immobilienboom auch Eigentümer betrifft
07. August 2019

Teure Modernisierungen: Warum der Immobilienboom auch Eigentümer betrifft

Wer am Eigenheim baut, kann sein Vorhaben derzeit zu historisch günstigen Zinsen finanzieren. Allerdings steigen die Kosten für die Bauarbeiten gerade drastisch. Die Deutschen leihen sich für Umbau und Instandhaltung ihrer Immobilien mittlerweile schon fast so viel Geld wie für einen Neuwagen.


Wer am Eigenheim baut, kann sein Vorhaben derzeit zu historisch günstigen Zinsen finanzieren. Allerdings steigen die Kosten für die Bauarbeiten gerade drastisch. Die Deutschen leihen sich für Umbau und Instandhaltung ihrer Immobilien mittlerweile schon fast so viel Geld wie für einen Neuwagen.


Teure Modernisierungen: Warum der Immobilienboom auch Eigentümer betrifft
Von Florian Reichert, Geschäftsführer der Check24 Vergleichsportal Finanzen GmbH

Wer gerade das Eigenheim finanziert, der finanziert unter außergewöhnlichen Umständen. Die Bauzinsen sind nah am Allzeittief, die Immobilienpreise vielerorts auf Rekordhoch. Die Frage, ob sich der Kauf da noch lohnt – oder gerade erst recht –, hängt von den verschiedenen Prognosen und natürlich immer vom Einzelfall ab. Der Immobilienboom in Deutschland, seinerseits auch eine Folge der niedrigen Zinsen, hat die Kaufpreise wie die Kosten am Bau in beachtliche Höhen getrieben. Davon betroffen sind aber nicht nur Menschen, die gerade an die Finanzierung ihres Eigenheims denken, sondern auch solche, die bereits in den eigenen vier Wänden wohnen – und jetzt über eine Renovierung oder Modernisierung nachdenken.

Rekordumsätze und Personalmangel am Bau

Die gesamte Bauwirtschaft ist gerade ausgelastet wie lange nicht mehr. Für das Baunebengewerbe vermeldete das Statistische Bundesamt im ersten Quartal des Jahres sogar das höchste jemals gemessene Umsatzwachstum. Entsprechend hoch sind die Auslastung und der Personalbedarf in der gesamten Branche. Noch 2010 klagte gerade mal eines von fünf Bauunternehmen über Fachkräftemangel. Letztes Jahr waren es vier von fünf. Das vermeldete zuletzt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Folglich steigen die Preise. Der Preisindex des Statistischen Bundesamts für die Instandhaltung von Wohngebäuden hatte im Mai dieses Jahres gegenüber 2015 um 14% zugelegt – etwa genauso stark wie der Index für die Baupreise. Die tatsächliche Kostensteigerung sei laut Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) aber sogar „noch weitaus höher“. Ordnungsrechtliche Vorgaben und gestiegene Qualitätsansprüche seien beim Index nicht eingerechnet.

Rasanter Anstieg der Kreditsummen
 Warum der Immobilienboom auch Eigentümer betrifft

Tiefer in die Tasche greifen muss also nicht nur, wer baut, sondern auch, wer umbaut. Um wie viel tiefer, das zeigt sich an der Höhe der aufgenommenen Modernisierungskredite: Die ist seit 2015 im Schnitt um ziemlich genau zwei Drittel gestiegen, gegenüber 2014 sogar um 72%, so die vorläufigen Zahlen von Check24 für dieses Jahr. Ausgewertet wurden dabei alle Finanzierungen mit Verwendungszweck Modernisierung/Baufinanzierung. Hierunter fallen neben den klassischen Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten zum Teil auch kleinere, nicht grundpfandrechtlich abgesicherte Immobilienkredite, manchmal auch Finanzierungen für die Inneneinrichtung.

Modernisierungskredite sind im Gegensatz zu den klassischen hypothekenbesicherten Immobilienkrediten schon für Beträge unter 50.000 Euro zu haben. Damit eignen sie sich gerade für kleine und mittelgroße Umbau- und Modernisierungsarbeiten. Die Kosten sind meist niedriger als bei regulären Ratenkrediten. Kleinere Schwankungen der Kreditbeträge erklären sich mitunter über die sehr unterschiedliche Verwendung der Gelder – vom Dachstuhlausbau über die Wärmedämmung und den Wintergarten bis zur Einbauküche. Die Richtung der Entwicklung ist aber eindeutig: Mittlerweile leihen sich die Deutschen fast so viel Geld für die eigenen vier Wände wie für einen Neuwagen. Zum Vergleich: Für Neuwagen betrug die mittlere Kreditsumme letztes Jahr etwa 19.500 Euro. Die durchschnittliche Kreditsumme für Modernisierungen betrug rund 17.700 Euro. 2014 machte die Höhe der Modernisierungskredite noch keine zwei Drittel derer von Neuwagen-Finanzierungen aus.

Die Zinsen bleiben im Keller

Die Zinsen für diese Kredite bleiben zwar weiterhin auf historisch niedrigem Niveau, sind aber seit 2015 kaum noch gesunken. Etwa 6% sind sie seither zurückgegangen. Gegenüber 2014 steht immerhin noch ein Minus von 22%.

Nach dem jüngsten Zinsentscheid der EZB ist nun auch klar, dass die Zinsen insgesamt auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau bleiben werden. Nachdem im letzten Jahr viele Beobachter noch mit einer Wende bei der Geldpolitik rechneten, ist im neuen Ausblick der Zentralbank jetzt sogar die Rede von möglicherweise noch niedrigeren Leitzinsen. Kommt es so weit, dann dürften auch die Verbraucherkredite noch einmal günstiger werden. Mit einem Anstieg der Zinsen ist bis auf Weiteres jedenfalls nicht zu rechnen.

Zugleich ist damit aber auch die Voraussetzung erfüllt, dass Preise am Bau weiter in die Höhe schnellen. Es könnte sich lohnen, wichtige Bauarbeiten bald anzugehen, den steigenden Kosten zum Trotz – oder gerade deswegen.

Über den Autor

Florian Reichert hat über 20 Jahre Berufserfahrung in der Finanzbranche. Seit mehr als fünf Jahren ist er als Geschäftsführer der Check24 Vergleichsportal Finanzen GmbH für den Kreditvergleich des Portals verantwortlich.

Bild: © mg – stock.adobe.com


Florian Reichert Florian Reichert



Ähnliche News

Die Große Koalition ist aus der Sommerpause zurück. Der Koalitionsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Mietern und Immobilienkäufern beschlossen. Sie beinhalten auch die umstrittenen Punkte Bestellerprinzip und Mietpreisbremse. weiterlesen
Immobilienmakler müssen sich nicht nur ständig neuen Regulierungen stellen, sondern auch einem anhaltend starken Wettbewerb. Nicht zuletzt die digitale Konkurrenz stellt sie vor neue Herausforderungen. Einige Branchenexperten prophezeien sogar bereits das Ende der gesamten Maklerschaft. weiterlesen
Rund ein Jahr nach der Einführung nimmt der Streit um das Baukindergeld wieder Fahrt auf. Ist es eine zielgerichtete Förderung, die Familien den Weg in die eigenen vier Wände erleichtert, oder doch eine milliardenschwere Fehlsubvention? Darüber streiten sich aktuell die Experten von LBS und Deutscher Mieterbund. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.