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Trend zum Financial Home: Haben Versicherer das Nachsehen?
30. September 2019

Trend zum Financial Home: Haben Versicherer das Nachsehen?

Ein Drittel der Verbraucher interessiert sich für Financial Homes, also digitale Plattformen, die es ermöglichen, alle Finanz- und Versicherungsangebote zentral zu managen. Als Anbieter solcher Financial Homes bevorzugen die Kunden laut einer Umfrage eher Banken oder FinanzApps als Versicherungen. 


Ein Drittel der Verbraucher interessiert sich für Financial Homes, also digitale Plattformen, die es ermöglichen, alle Finanz- und Versicherungsangebote zentral zu managen. Als Anbieter solcher Financial Homes bevorzugen die Kunden laut einer Umfrage eher Banken oder FinanzApps als Versicherungen. 


Trend zum Financial Home: Haben Versicherer das Nachsehen?

Bereits jeder dritter Verbraucher in Europa interessiert sich für so genannte Financial Homes, also digitalen Plattformen, die zentral alle Finanz- und Versicherungsangebote bündeln. Diese neuen Angebote stellen zugleich eine Gefahr für traditionelle Versicherer dar, wie aus einer neuen Untersuchung der Strategieberatung Oliver Wyman hervorgeht. Denn als bevorzugten Anbieter eines Financial Homes betrachten die Verbraucher eher Banken (62%) oder FinanzberatungsApps (17%). Versicherungen folgen mit 14% erst auf dem dritten Platz.

„Der Trend zum Financial Home hat das Potenzial, die etablierten Beziehungen zwischen Anbietern und Kunden in der Finanz- und Versicherungsbranche aufzubrechen und die Marktanteile neu zu verteilen“, unterstreicht Dietmar Kottmann, Partner und Verantwortlicher für das Versicherungsgeschäft in DACH bei Oliver Wyman.

Alles auf einer Plattform

Großes Potenzial eröffnen die Financial Homes aufgrund des Zugangs zu den Bankkonten der Kunden und den damit einhergehenden Analysemöglichkeiten. Auf der Grundlage solcher Auswertungen können Plattformen den Kunden konkrete Empfehlungen geben, sich Finanzen und Versicherungen optimieren lassen. Möglich ist dies aufgrund der EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2. Die Regelung sieht vor, dass Banken externen Dienstleistern, die von der Bafin zertifiziert sind, Zugriff auf Kontodaten der Kunden gewähren können, sofern die Kunden ihr Einverständnis dazu geben. Zu solchen Dienstleistern können FinTechs gehören, oder auch Versicherungen.

Financial Home als neuer Wegbegleiter der Kunden

Mit der Einbindung weiterer Ökosysteme in die Financial Homes lassen sich zudem Kostenoptimierungen in weiteren Bereichen aufzeigen, etwa Telefon, Strom oder Transportdienstleitungen. Laut Studie könne das Financial Home für die Kunden als täglicher Wegbegleiter und Berater zum „One-Stop-Shop“ in allen Finanz-, Versicherungs- und weiteren Vertragsfragen werden.

Big Techs, FinTechs, Vergleichsportale: Die Konkurrenz schläft nicht

Diverse Unternehmen machen sich auf, einen umfassenden digitalen Vertriebskanal im Bereich Finanzierung und Versicherungen anzubieten. Versicherer stehen nicht nur im Wettbewerb mit Banken, sondern Konkurrenz droht auch vonseiten digitaler Player von Big Techs wie Amazon, Google & Co. über FinTechs bis hin zu Vergleichsportalen. Für Stefan Wojahn, Partner bei Oliver Wyman und Experte für Bancassurance und Digitalisierung im Vertrieb, stellt sich die Frage, ob Versicherungen die Chance haben, sich als zentraler Anlaufpunkt in allen Finanzfragen zu etablieren, oder ob sie in die Rolle des reinen Produktlieferanten in Financial Homes anderer Anbieter gedrängt werden.

Vertrauen der Kunden als Pluspunkt für Versicherer

Versicherungen können aber auf das Vertrauen ihrer Kunden bauen. Denn das ist einer der Hauptmotive, den Verbraucher auf die Frage hin angeben, warum sie einen Versicherer als bevorzugten Anbieter für ein Financial Home sehen. So nennen 39% der Befragten „Sicherheit“ als Grund, 26% „natural fit to provide“, 25% „Technologie“ und 19% „Vertrauen in die Marke und den guten Ruf“.

Laut Wojahn ergibt sich für größere Versicherer durchaus Potenzial, einen Premium-Marktplatz mit weiteren Partnern aufzubauen, dem die Kunden vertrauen können. „Für andere wird es entscheidend sein, sich auf die Bedarfe der zukünftigen Financial Home-Platzhirsche – darunter sicher viele Banken – einzustellen: innovative Produkte, zum Beispiel unter Nutzung von Bankdaten zur einfachen Tarifierung, und das Know-how, Financial Home Kunden optimal auf Versicherungsprodukte anzusprechen sind dabei zwei Beispiele“, so Wojahn weiter. (tk)

Bild: © Murrstock – stock.adobe.com




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