Der Versicherungsschutz in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verschoben. In privaten Haushalten sind besonders kurzfristige und konkrete Risiken heute umfassender abgesichert als noch vor wenigen Jahren, wie eine Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) zeigt.
Die Daten dazu stammen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, eine repräsentative Statistik, für die alle fünf Jahre rund 60.000 deutsche Haushalte befragt werden. Die aktuellen Daten stammen aus dem Jahr 2023 und werden mit der Erhebung aus dem Jahr 2018 verglichen.
Anteil der Haushalte mit privater Krankenzusatzversicherung deutlich höher
Laut GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen legen die Deutschen großen Wert auf Sicherheit. Das zeige sich insbesondere in der Schaden- und Unfallversicherung. „Heute schützen sich Menschen umfassender vor alltäglichen und existenziellen Risiken“, so Asmussen weiter. „Daran sieht man, welchen Stellenwert finanzielle Sicherheit für viele Haushalte hat.
Mit einem Anteil von knapp 90% ist der Anteil der Haushalte, die über eine private Haftpflichtversicherung verfügen, am größten. Vor fünf Jahren lag der Anteil bei 82,8%. Auch die Rechtsschutzversicherung legt im Fünfjahresvergleich zu, von 46,2% auf 49,8%, genauso wie die Hausratversicherung, deren Anteil von 75,7% auf 78% klettert.
Den stärksten relativen Anstieg verzeichnen private Krankenzusatzversicherungen. Heute hat fast die Hälfte aller privaten Haushalte (47,5%) eine Krankenzusatzversicherung, in der Erhebung von 2018 waren es noch es noch 31,6%.
Klassische Altersvorsorge: Verbreitung sinkt
In der Altersvorsorge zeigt sich ein gegenläufiger Trend. Besonders die kapitalbildende Lebensversicherung verliert an Bedeutung: Ihr Anteil ist von rund 32% auf unter 28% gesunken. Auch die Verbreitung von privaten Unfallversicherungen, Riester- und Basis-Rentenversicherungen ist im Vergleich zu 2018 niedriger.
„Diese Ergebnisse zeigen: Durch starre Garantien, wenig Flexibilität und ein geändertes Zinsumfeld haben Vorsorgemöglichkeiten wie Riester zunehmend an Attraktivität verloren“, erklärt Asmussen. Die Verbreitung von privaten Rentenversicherungen dagegen liegt mit 23% auf stabilem Niveau.
BU: Verbreitung korreliert mit Haushaltseinkommen
Einen leichten Zuwachs gibt es auch in der Risikolebensversicherung mit 18,7% (+1,5 Prozentpunkte) sowie in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit 26,7% (+1,1 Prozentpunkte). In der BU zeigt sich zudem der Trend, dass die Verbreitung mit steigendem Haushaltseinkommen zunimmt. Während bei den unteren zwei der neun Einkommensklassen die Verbreitung unter 10% liegt, besitzt in den oberen Einkommensklassen mehr als jeder zweite Haushalt mindestens eine BU-Police.
Private Pflegezusatzversicherung bleibt Ladenhüter
Auch Kfz-Versicherungen sind mit 81,2% stark verbreitet. Da eine Kfz-Haftpflichtversicherung verpflichtend ist, korreliert die Verbreitung dieser Versicherung jedoch mit der Anzahl an Fahrzeugen. Der Bestand an Kraftfahrzeugen ist zwischen den Jahren 2018 und 2023 angestiegen, und somit ist auch die Anzahl an Versicherungen angestiegen.
Das „Schlusslicht“ unter den Versicherungen ist die private Pflegezusatzversicherung. Gerade einmal 8,7% der Haushalte hatten im Jahr 2023 eine dementsprechende Absicherung. (js)
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