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24. April 2026
Versicherungsvertrieb: Welche Player können sich behaupten?
Versicherungsvertrieb: Welche Player können sich behaupten?

Versicherungsvertrieb: Welche Player können sich behaupten?

MarshBerry sieht den europäischen Versicherungsvertriebsmarkt am Scheideweg. Wie Marktteilnehmer performen, hängt der Beratungsgesellschaft zufolge auch besonders von Technologienutzung, Spezialisierung und der Fähigkeit zur Integration ab. Hierzulande ist der Markt zwar groß, aber auch selektiv.

Der europäische Versicherungsvertriebsmarkt steht laut MarshBerry am Scheideweg. Demnach zeigen sich durch das Ende des durch steigende Prämien getragenen Wachstums strukturelle Unterschiede im Markt immer deutlicher. Zwischen Gewinnern und Verlierern wird ein steigender Abstand sichtbar. Das legt der aktuelle Report „The State of European Insurance Distribution M&A Market“ der auf den Versicherungsmarkt spezialisierten M&A-Beratungsgesellschaft dar.

Investoren gehen selektiver vor

Der Report kommt zu dem Schluss, dass der Rückenwind der vergangenen zehn Jahre langsam nachlasse. Dieser kam insbesondere durch Konsolidierung und ein Marktumfeld zustande, in dem steigende Prämien das Wachstum maßgeblich unterstützt haben. Die Zeit des komfortablen Wachstums ist nun vorbei, folgert MarshBerry.

Auf die Branche sieht das Unternehmen nun eine schwierigere Phase zukommen, in der die Nutzung von Technologie, Spezialisierung und die Fähigkeit zur Integration für weiteres Wachstum entscheidend sein wird. Seit dem Jahr 2015 zählt MarshBerry mehr als 5.200 M&A-Transaktionen für die Branche in Europa. Rund 530 davon fanden im Jahr 2025 statt. Das Unternehmen bemerkt in seinem Report, dass Investoren momentan deutlich selektiver vorgehen und die Bewertungen zunehmend variieren.

„Zunehmende Kluft“

Dr. Fabian Seul, Managing Director bei MarshBerry in München, meint dazu, dass das Umfeld, das in den letzten Jahren ein breit angelegtes Wachstum begünstigt habe, sich wieder normalisiere. Und er zeigt auf, was in Zukunft im Markt von Bedeutung sein wird: „Skalierung bleibt nach wie vor wichtig. Doch daneben beobachten wir eine zunehmende Kluft zwischen Plattformen mit marktführender Umsetzungs- und Integrationsstärke und solchen ohne.“

Wer geht in Pole-Position?

Weiterhin ist für die M&A-Beratungsgesellschaft klar, dass sich diejenigen Marktteilnehmer, die den digitalen Kundenzugang und die Datenerhebung kontrollieren, ganz vorne mitmischen werden. Denn KI verändert die Kontrolle über den Vertrieb: KI-gesteuerte Schnittstellen bestimmen zunehmend, wie Versicherungen gekauft und verwaltet werden, heißt es.

Versicherungsvertrieb konzentriert sich auf wenige Kontrollpunkte

„Die entscheidende Frage ist, welche Plattformen am besten positioniert sind, um KI für sich zu nutzen“, so Seul. Der Versicherungsvertrieb konzentriere sich wirtschaftlich immer stärker auf eine begrenzte Anzahl von Kontrollpunkten. Zu diesen Kontrollpunkten gehören laut Seul die Schnittstelle zum Kunden, die Datenerhebung und das Management sowie der Workflow. „Plattformen, die diese Kontrollpunkte beherrschen und operativ integrieren, werden ihr Geschäft ausweiten können. Alle anderen dürften unter Druck geraten“, sagt er.

Was im Markt an Bedeutung gewinnt

Diesen Wandel findet MarshBerry auch auf Investorenseite. Denn diese setzt bestimmte Prioritäten. 2025 etwa waren 61% der Transaktionen Private-Equity-finanziert, doch das Kapital werde heute gezielter eingesetzt, so MarshBerry. Die Entwicklung geht von „mehr“ hin zu „besserer“ Skalierung.

Von immer größerer Relevanz sind u. a. organisches Wachstum, tatsächlich umgesetzte Integration, KI-Nutzung und Managementqualität. Die Bewertungsspanne vergrößert sich zugleich. Spezialisierte Makler, kommerzielle Plattformen im Mittelstand und MGA-geführte Modelle (Managing General Agent) erzielen Aufschläge, heißt es von MarshBerry. Generalisten wiederum – vor allem im standardisierten Privatkundengeschäft – sieht der Report unter Bewertungsdruck. Eine Plattform sei dabei zunehmend nicht mehr die Summe ihrer Zukäufe, sondern das Ergebnis ihrer Integration und damit ein eigenständiges, skalierbares Geschäftsmodell.

Konsolidierung: Wie geht es in Deutschland weiter?

Doch innerhalb verschiedener Regionen Europas verlaufen Tempo und Form der Konsolidierung unterschiedlich. Großbritannien und die skandinavischen Länder beispielsweise gelten als „reife Märkte“. Hier ist das Transaktionsvolumen rückläufig. In Mittel- und Osteuropa hingegen befindet sich die Konsolidierung erst in der Anfangsphase.

Deutschland wird laut MarshBerry oft als der vielversprechendste Konsolidierungsmarkt in Europa beschrieben. 73 M&A-Transaktionen wurden von MarhsBerry hierzulande im Jahr 2025 dokumentiert. Für Deutschland, das im Report zur DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) gezählt wird, stellt MarshBerry fest, dass der Markt zwar groß ist, aber auch selektiver wird. Käufer priorisieren typischerweise Qualität und Integration, so MarshBerry.

Auswirkungen des Iran-Kriegs

Und auch aktuelle Entwicklungen haben laut Seul ihre Auswirkungen: „Geopolitische Schocks wie der Iran-Krieg führen zu einer Anpassung der Risikoeinschätzung auf den Versicherungsmärkten. In Segmenten wie der Marineversicherung und der Absicherung politischer Risiken beobachten wir deutlich steigende Prämien. In einem volatilen Umfeld werden Leistungsstärke, Spezialisierung und Größe zu entscheidenden Differenzierungsfaktoren.“ (lg)

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