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Wenn das Sicherheitsbedürfnis den Fortschritt verhindert…
08. Dezember 2015

Wenn das Sicherheitsbedürfnis den Fortschritt verhindert…

Die Bundesbürger sind heutzutage um ein Vielfaches risikoscheuer als noch vor einigen Jahren, assoziieren vor allem die Bankenbranche mit großen Risiken und zeigen sich zudem skeptisch gegenüber dem wissenschaftlichen Fortschritt, so eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes.


Die Bundesbürger sind heutzutage um ein Vielfaches risikoscheuer als noch vor einigen Jahren, assoziieren vor allem die Bankenbranche mit großen Risiken und zeigen sich zudem skeptisch gegenüber dem wissenschaftlichen Fortschritt, so eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes.


Wenn das Sicherheitsbedürfnis den Fortschritt verhindert…

Die Deutschen haben ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Risikobereitschaft, wie die Studie „Zwischen Sicherheitsbedürfnis und Risikobereitschaft“ ergibt, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bankenverbands zum Sicherheits- und Risikoempfinden der Bevölkerung durchgeführt hat. Demnach halten es über die Hälfte der Befragten zwar für wichtig, „auch einmal etwas zu riskieren“, aber unter 22 abgefragten Schlagworten zu Dingen, die „im Leben wichtig sind“, landet die „Risikobereitschaft“ abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die vorderen Ränge der lebenswichtigen Dinge belegen hingegen Begriffe wie gute „Beziehungen zu anderen Menschen“, eine gute „finanzielle Absicherung“ oder ein „sicherer Arbeitsplatz“. Branchen, die mit großen Risiken assoziiert werden, sind zu allererst die Banken, vor Pharmazie-, Gentechnologie- oder Luft- und Raumfahrtunternehmen. Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung sieht die Bankenbranche im Zusammenhang mit einer hohen Risikobereitschaft.

Zeitreihendaten beweisen der Umfrage zufolge, dass die Risikoaversion der Deutschen in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen hat: Äußerten 1993 lediglich 43% der Befragten zu dem Begriff „Risiko“ eine spontane negative Reaktion, liegt dieser Anteil heute bei 60%.

Risikoaversion bei Finanzanlagen

Häufig wird diese Risikoaversion am Anlageverhalten festgemacht, dem im Vergleich zu vielen anderen Ländern, insbesondere zum angelsächsischen Raum, niedrigen Anteil an Aktionären. Nach wie vor hat nur eine Minderheit überhaupt jemals Erfahrungen mit Aktien oder Anteilen an Aktienfonds gesammelt. Ein Fünftel der Bevölkerung besitzt laut Umfrage zurzeit Aktien oder Fondsanteile, zwei Drittel haben hingegen keinerlei Erfahrungen mit Aktien. Zwar ist dieser Anteil langfristig gesunken, Ende der 90er Jahre gaben noch knapp drei Viertel der Bevölkerung an, dass sie noch nie Aktien oder Aktienfondsanteile besessen haben. Die Phase, in der viele Mut fassten, mit Aktien Erfahrungen zu sammeln, war der Studie zufolge jedoch unglücklicherweise der Zeitraum zwischen 2000 und 2002, also die Phase, in der sich die New Economy-Blase entwickelte und anschließend platzte.

Die Risikoaversion wird jedoch auch an einer anderen Stelle in der Allensbach-Umfrage deutlich: Obwohl die Begriffe „Fortschritt“ und „Wissenschaft“ auf allgemeiner Ebene von den Befragten positiv bewertet werden, dreht sich das Bild, sobald Risiken ins Spiel kommen. Über zwei Fünftel der Deutschen wollen sogar auf wissenschaftlichen Fortschritt ganz verzichten, wenn „es dabei auch nur ein geringes Risiko“ für den Menschen gibt. Allgemein verbindet nur jeder fünfte Umfrageteilnehmer „wissenschaftlichen Fortschritt“ mit mehr Sicherheit, während über ein Drittel „mehr Risiko“ befürchtet und die restlichen Befragten unentschieden sind.

Als Garant der materiellen Absicherung und damit als zentrale Quelle für das Sicherheitsgefühl wird der Allensbach-Umfrage zufolge der Sozialstaat gesehen. Gerade eine gute Absicherung für den Krankheits- oder Pflegefall und für das Alter ist der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung außerordentlich wichtig. Ebenso die Rechtssicherheit, die Sicherheit von Arbeitsplätzen und der beruflichen Zukunft der eigenen Kinder sowie die Sicherheit vor Datenmissbrauch. (ad)




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