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2. Juni 2026
Wenn KI Vorurteile lernt: Lösungen kommen aus der Branche

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Wenn KI Vorurteile lernt: Lösungen kommen aus der Branche

Wenn KI Vorurteile lernt: Lösungen kommen aus der Branche

Warum die Branche hier einen Vorsprung hat

Und jetzt zur Versicherungs­branche: Risikodifferenzierung ist das Kerngeschäft seit über einem Jahrhundert. Aktuarinnen und Aktuare unterscheiden seit Generationen zwischen statistisch rele­vanter Differenzierung und unfairer Benachteiligung. Keine andere Branche hat so viel Erfahrung mit genau dieser Grenzziehung.

Dazu kommt die Regulierung. Der EU AI Act stuft KI-Systeme zur Risikobewertung und Preisgestaltung in der Lebens- und Krankenversicherung explizit als Hochrisiko-Anwendung ein (Anhang III Nr. 5 Buchstabe c der KI-Verordnung). Für die betroffenen Bereiche heißt es: Fairness-­Prüfungen dokumentieren, Datenqualität nachweisen, Diskrimi­nierungsrisiken aktiv prüfen. Das ist ab Inkrafttreten Pflicht.

Versicherer sind es gewohnt, Risiko in Zahlen zu übersetzen. Genau das braucht Fairness-Auditierung auch. Metriken, Schwellenwerte und Modellvergleiche: Wer versicherungsmathematisch denkt, bringt für Fairness-Auditierung die passende Denkweise mit.

Wie sich versteckter Bias aufspüren lässt

Wer wissen will, ob ein System fair entscheidet, muss es testen. Outcome-Analysen nach Ge­schlecht, Alter, Herkunft und weiteren Merkmalen. Nicht nur einmalig zur Einführung, sondern regelmäßig. Testdatensätze mit identischen Profilen, die sich nur in einem geschützten Merkmal unterscheiden, zeigen innerhalb weniger Minuten, ob das Modell anders entscheidet, als es sollte.

Ebenso wichtig sind externe Fairness-Audits. Interne Teams haben einen blinden Fleck für Muster, die sie selbst erzeugt haben. Eine zweite Meinung kostet Geld und ist unbequem. Sie spart aber Klagen, regulatorische Eingriffe und Vertrauensverluste in der Kundschaft.

Wie sich Bias in der Entwicklung vermeiden lässt

Drei Hebel zählen. Erstens: diverse Teams im Training. Wer Modelle baut, beeinflusst, welche Merkmale einfließen, welche Tests laufen und welche Ergebnisse als normal gelten. Homogene Teams übersehen homogen. Zweitens: eine diverse und aktuelle Daten­basis. Wer ein Modell mit Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre füttert, schreibt genau diese Muster fort. Gezielte Rebalancierung der Trainingsdaten ist technisch möglich und wird in der Praxis zu selten genutzt. Drittens: menschliche Letztentscheidung bei Einzelfällen. Automatisierung hilft bei Skalierung. Für sensible Entscheidungen über Personen bleibt ein menschliches Korrektiv sinnvoll.

Fazit: Ignorieren geht nicht mehr

Bias in der KI lässt sich selten mit besserer Technik lösen. Er sitzt in den Daten und damit in Entscheidungsmustern, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Das Unangenehme: Ignorieren geht nicht mehr, weil Bias jetzt messbar ist. Das Nützliche: Korrigieren geht aus genau demselben Grund.

Die Versicherungswirtschaft ist die einzige Branche, die Risiko seit über einem Jahrhundert mathe­matisch präzise von Diskrimi­nierung trennt. Aktuarielles Know-how, regulatorische Erfahrung und Praxis in der fairen Risikodifferenzierung sind bereits vorhanden. Die Frage ist nicht, ob Fairness in der Versicherungswirtschaft geprüft wird. Die Frage ist, ob die Branche den Standard selbst setzt oder ihn anderen überlässt.

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