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3. August 2026
Wie die NÜRNBERGER das Mid-Corporate-Segment erschließt
Wie die NÜRNBERGER das Mid-Corporate-Segment erschließt

Wie die NÜRNBERGER das Mid-Corporate-Segment erschließt

Cyber, Klimafolgen, Geopolitik und Co.: Die Risiken im Gewerbesegment werden immer komplexer. Das stellt gerade das Mid-Corporates-Segment vor große Herausforderungen. Die NÜRNBERGER hat hier eine Versorgungslücke identifiziert und positioniert sich mit fachlicher Expertise.

Interview mit Christine Kaaz, Vorstandsmitglied der NÜRNBERGER Beteiligungs-AG und verantwortlich für Schaden- und Unfallversicherungen, sowie Andreas Politycki, Vorstand Vertrieb und Marketing
Frau Kaaz, welche aktuellen Entwicklungen im Gewerbemarkt beeinflussen die Produktgestaltung und Beratungsschwerpunkte am stärksten?

Christine Kaaz Die Risiken unserer Kunden werden komplexer. Beispielsweise durch das Zusammenrücken von Cyberrisiken und Betriebsunterbrechungen, Klimafolgen, zunehmende Vernetzung und geopolitische Entwicklungen oder neue Technologien. Deshalb reicht Standardisierung allein nicht mehr aus. Digitale Prozesse sind wichtig, weil sie Geschwindigkeit und Service verbessern. Entscheidend ist für mich dabei, dass Digitalisierung das Underwriting unterstützen muss, aber nicht ersetzen darf. Wer Unternehmen wirklich verstehen will, muss ihr Geschäftsmodell, ihre Risiken und ihre Ziele kennen. Genau dort entsteht der Mehrwert eines guten Underwritings.

Herr Politycki, wie positioniert sich die NÜRNBERGER gegenüber Mid-Corporates und welche spezifischen Lösungen bieten Sie für diese Zielgruppe an?

Andreas Politycki Wir sehen aktuell eine gewisse Versorgungslücke zwischen dem weitgehend standardisierten KMU-Geschäft und den höchst individuellen Anforderungen großer Industriekunden. Genau dort sehen wir enormes Potenzial und wollen dieses Segment gezielt ausbauen. Unser Ziel ist, Maklern und Unternehmen in diesem Segment einen hohen Grad an persönlicher Betreuung und fachlicher Expertise zu bieten. Dazu gehören kurze Entscheidungswege, individuelle Risikobewertungen und ein enger Austausch zwischen Vertrieb, Underwriting und Makler. Nicht jedes Unternehmen passt in ein Standardschema, zum Beispiel bei den Herausforderungen des technologischen Wandels. Daraus ergeben sich für jedes Unternehmen spezifische Risikolagen. Daher entwickeln wir keine Lösungen von der Stange, sondern eine passgenaue Absicherung, basierend auf der individuellen Risikosituation.

Die NÜRNBERGER stellt sich verstärkt als Präventionsversicherer auf. Wie bildet sich diese Strategie im Gewerbeversicherungssegment ab? Inwiefern verlangt das höhere Anforderungen an die Daten von den Gewerbekunden?

CK Prävention beginnt für uns mit einem besseren Verständnis des Risikos. Gute Daten helfen dabei. Sie sind aber kein Selbstzweck. Hierbei kommt es weniger auf die Menge der Informationen an als auf deren Qualität und Aussagekraft. Erst die Verbindung aus Informationen, Erfahrung und persönlichem Austausch ermöglicht fundierte Entscheidungen. Davon profitieren beide Seiten. Wir können Risiken passgenauer zeichnen und unsere Kunden erhalten Transparenz, um Risiken aktiv zu reduzieren. Prävention ist daher für uns kein Zusatzangebot, sondern Kernbestandteil einer modernen Gewerbeversicherung.

Inwiefern verspüren Sie die konjunkturelle Flaute auch bei den Gewerbekunden? Nehmen Sie den Verzicht auf Absicherung oder die Reduzierung von Deckungen wahr? Was raten Sie Gewerbemaklern zur Abmilderung der Folgen angesichts der Wirtschaftsflaute?

AP Wir erleben derzeit, dass Unternehmen Investitionen noch sorgfältiger hinterfragen und Prioritäten neu setzen. Das gilt auch für Versicherungsprämien. Deshalb ist es wichtig, Versicherung nicht ausschließlich über den Preis zu betrachten. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten sollte deutlich sein, dass Versicherung weit mehr ist als ein Kostenfaktor. Ein größerer Schaden kann für mittelständische Unternehmen existenzgefährdend sein. Daher möchten wir Risiken möglichst früh gemeinsam erkennen, besprechen und reduzieren. Maklern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie kennen ihre Kunden häufig seit vielen Jahren und genießen großes Vertrauen. Wenn Makler und Versicherer ihr Know-how zusammenbringen, entsteht ein echter Mehrwert für den Kunden. Gute Prävention schützt nicht nur die Bilanz des Versicherers, sondern sie stärkt vor allem die Zukunftsfähigkeit unserer Kunden.

Rückblickend: Welche zentralen Maßnahmen haben die Sanierung des Gewerbegeschäfts geprägt und welche Lehren ziehen Sie daraus für die Zukunft?

CK Es mag banal klingen, aber die wichtigste Erkenntnis ist, dass nachhaltiges Wachstum nur mit einem durchdachten Underwriting-Ansatz und einer klaren strategischen Ausrichtung funktioniert. Das ist genau das, woran wir uns zukünftig orientieren. Was wollen wir? Mit welchen Kunden wollen wir Geschäft machen und mit welchen Vertriebspartnern? Wir können und wollen nicht alles machen und werden uns fokussieren.

AP Ein zweites Learning betrifft unsere Vertriebspartner. Die Sanierungsmaßnahmen waren für viele Vermittler und deren Kunden schmerzhaft. Daher war unser Anspruch, Entscheidungen frühzeitig und transparent zu erläutern. Das ist uns häufig gelungen, an einigen Stellen hätten wir noch besser sein können. Daraus nehmen wir mit, auch künftig den offenen Dialog zu suchen. Für das Vertrauen vieler Makler in dieser Phase sind wir ausdrücklich dankbar. Und ich weiß die Loyalität unserer Partner gegenüber der NÜRNBERGER trotz der schwierigen Zeit im letzten Jahr sehr zu schätzen.

In welchen Bereichen sehen Sie die zukünftigen Kernkompetenzen der NÜRNBERGER im Gewerbebereich, auf die Makler besonders setzen sollten?

AP Neben attraktiven Produkten erwarten Makler heute vor allem Kompetenz, Erreichbarkeit und Verlässlichkeit. Genau diese Stärken wollen wir weiter ausbauen. Deshalb investieren wir bewusst sowohl in unser neues Vertriebskonzept mit dem Sales Manager als auch in eine Neuaufstellung des Underwritings. Ziel ist, unseren Vertriebspartnern kompetente, verlässliche und persönliche Ansprechpartner zu garantieren. Daraus entstehen nachhaltige Partnerschaften, und genau darin liegt unsere Stärke.

Inwiefern unterstützt die Zugehörigkeit zur Vienna Insurance Group Ihre strategische Entwicklung im Gewerbegeschäft und den Vertrieb über Makler?

CK Die Vienna Insurance Group gibt uns Stabilität, langfristige Perspektiven und Zugang zu einem starken internationalen Netzwerk. Gleichzeitig bleiben unsere Entscheidungen nah am deutschen Markt und an den Bedürfnissen unserer Kunden und Vertriebspartner. Diese Kombination aus regionaler Nähe und internationalem Know-how ist für uns ein echter Wettbewerbsvorteil. Zudem werden wir – und damit auch unsere Partner und Kunden – von den Kompetenzen und vom Austausch in der Gruppe mit ihren 50 Gesellschaften enorm profitieren.

Wie möchten Sie Maklern vermitteln, dass die NÜRNBERGER wieder „zurück ist“ und als verlässlicher Partner im Gewerbemarkt agiert?

AP Nicht durch große Worte, sondern durch konsequentes Handeln. Makler sollen im täglichen Geschäft erleben, dass wir erreichbar sind, Risiken verstehen, zügig entscheiden und Verantwortung übernehmen. Vertrauen entsteht nicht durch Kampagnen, sondern durch Verlässlichkeit im Alltag. Genau daran wollen wir uns messen lassen – jeden Tag aufs Neue.