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10. September 2026
Wie KI Finanzentscheidungen beeinflusst
Wie KI Finanzentscheidungen beeinflusst

Wie KI Finanzentscheidungen beeinflusst

Wie stark kann künstliche Intelligenz Finanzentscheidungen von Anlegern lenken – mit positiven Folgen oder aber negativen Auswirkungen, wenn die Empfehlung verzerrt ist? Dieser Frage sind Forscher der Universität Bayreuth im Rahmen einer Studie anhand fiktiver Fondssparpläne nachgegangen.

Im Rahmen der Studie haben Forscher unter Leitung von Prof. Dr. Fabian Herweg, Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth 3.700 Umfrageteilnehmer vor eine einfache, aber realistische Entscheidung gestellt: Die Teilnehmer sollten einen Fondssparplan auf einen fiktiven Index einrichten und anschließend zwischen zwei Anbietern auswählen. Beide Fonds bildeten exakt denselben Index ab mit Unterschieden bei zwei Gebühren.

„Dadurch entstand in unserer Studie ein scheinbarer Trade-off: Jeder Anbieter ist bei je einer der beiden Gebühren günstiger“, erklärt Prof. Dr. Herweg. „Welcher Anbieter insgesamt besser war, war deshalb nicht sofort ersichtlich. Tatsächlich gab es aber für jede gewählte Sparrate einen eindeutig besten, also günstigsten Anbieter.“

Drei Beratungsmöglichkeiten zur Auswahl

Bei der Auswahl des günstigsten Anbieters konnten die Teilnehmer allein vorgehen oder aber auf Unterstützung setzen: So hatten sie eine von drei Beratungsoptionen: einen KI-Chatbot, einen Bank-KI-Chatbot oder einen menschlichen Finanzberater.

Diese drei Möglichkeiten haben die Forscher so gesteuert, dass sie entweder die richtige oder eine verzerrte Empfehlung gaben. Die Online-Studie war laut Herweg vollständig incentiviert: Die Entlohnung der Teilnehmenden fiel also umso höher aus, je besser ihre Anlageentscheidungen waren.

KI kann Anleger auch zum Schlechten hin beeinflussen

„Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass KI bei der Entscheidung stark unterstützen kann, aber nur, wenn sie richtig berät. Genauso kann sie Entscheidungen auch massiv in die falsche Richtung lenken, wenn die Empfehlung verzerrt ist“, erläutert Joshua Greubel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth.

Ohne Beratung haben sich rund 64% der Teilnehmer den besseren Anbieter ausgewählt. Wenn ein neutral dargestellter KI-Chatbot zu diesem Anbieter geraten hat, hat sich der Anteil auf rund 87% erhöht. Wenn dieselbe KI hingegen auf Anweisung den schlechteren Anbieter empfohlen hat, ist der Anteil der richtigen Entscheidungen auf rund 34% gesunken.

Wenig Skepsis auch bei Empfehlungen der „Bank-KI“

Weiter zeigt die Studie, dass auch ein offengelegter Interessenkonflikt bei KI-Systemen die Anleger kaum vor Fehlentscheidungen bewahrt: Einer der Chatbots trat als „Bank-KI“ auf und die Teilnehmer wussten, dass die Bank aus ihrer Sparplanentscheidung Vorteile ziehen könnte. Diese Bank-KI war aber nicht messbar weniger einflussreich. „Generell überzeugte die KI über die gesamte Studie hinweg stärker als menschliche Finanzberatende“, wie die Studienautoren schreiben.

KI beeinflusst stärker in gewünscht Richtung als menschlicher Berater

„Sowohl bei guten als auch bei schlechten Empfehlungen lenkt die KI Entscheidungen stärker in die gewünschte Richtung als menschliche Berater“, unterstricht Henrik Guhling, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth.

Dieser Vertrauensunterschied zeigte sich laut Studie vor allem mit Blick auf die Höhe der jeweiligen fiktiven Investitionen: Anleger, die weniger investierten, haben sich ohne Beratung nur in etwa 28% der Fälle für den richtigen Anbieter entschieden. Bei guter KI-Beratung erhöhte sich dieser Anteil auf über 74 %, bei der Bank-KI sogar auf über 85%.

Anleger, die in der Studie viel investierten, verfügten hingegen im Durchschnitt eher über eine höhere Finanzbildung, etwas mehr Finanzerfahrung und legten eine geringere Risikoaversion an den Tag. Diese Gruppe hat den richtigen Anbieter bereits ohne Beratung zu über 87% richtig ausgewählt. Eine verzerrte KI-Empfehlung verringerte diesen Anteil aber auf unter 50%.

Wenn KI von richtigem Weg ablenkt

Dies zeigt, dass künstliche Intelligenz gerade auch Menschen, die ohne KI sehr gut gewählt hätten, von dieser Entscheidung abbringen kann. „Eine gute KI-Beratung kann also für Menschen ohne entsprechende Vorkenntnisse enorme Unterstützung bringen. Allerdings kann sie bei verzerrten Empfehlungen genauso gut Menschen, die sich ohne KI sehr gut entschieden hätten, von dieser guten Entscheidung abbringen“, unterstreicht Greubel.

Fazit für Anbieter

„Reine Transparenz, dass KI verwendet wird, reicht also nicht aus. Entscheidend ist, welche Ziele einer KI vorgegeben werden und welche wirtschaftlichen Interessen hinter ihr stehen“, sagt Prof. Dr. Herweg. Anbieter sollten daher sicherstellen müssen, dass KI-Beratung konsequent an den Interessen der Kunden ausgerichtet sei und durch geeignete Kontroll- und Prüfmechanismen abgesichert werde, so der Experte weiter. (tik)

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