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21. April 2026
Wie stehen aktuell Chancen und Risiken für Immobilienkäufer?
Wie stehen aktuell Chancen und Risiken für Immobilienkäufer?

Wie stehen aktuell Chancen und Risiken für Immobilienkäufer?

Geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und volatile Zinsen prägen aktuell die Rahmenbedingungen für Baufinanzierungen. Der Nahostkonflikt sorgt zudem für Unsicherheiten an den Kapitalmärkten. Was bedeutet das für Immobilienkäufer und wie verändern sich die Finanzierungsbedingungen?

Interview mit Dr. Lucie Lotzkat, geschäftsführende Gesellschafterin bei VON POLL FINANCE
Frau Dr. Lotzkat, viele sprechen aktuell von einem unsicheren Marktumfeld – ist 2026 für Immobilienkäufer eher ein Risiko- oder ein Chancenjahr?

Die kommenden Monate werden für die Baufinanzierung vor allem durch das Zusammenspiel aus geopolitischer Unsicherheit und deren wirtschaftlichen Folgen geprägt sein – getrieben durch die Frage nach der weiteren Dauer und Intensität des Nahost-Konflikts. In den nächsten Monaten erwarte ich daher bei den Baufinanzierungszinsen eine weiterhin volatile Seitwärtsbewegung bis hin zu einer leichten Aufwärtstendenz.

Sie sprechen von geopolitischer Unsicherheit als zentralem Treiber – was sind aktuell die wichtigsten Einflussfaktoren am Finanzierungsmarkt?

Die Situation im Nahen Osten bedeutet vor allem neue Unsicherheit, die sich auf zahlreiche Marktparameter auswirkt. Von der Befürchtung einer Ausdehnung des Konflikts in der Region bis hin zum Anstieg des Ölpreises und den wirtschaftlichen Konsequenzen vor allem auch in Deutschland, wo die Politik die notwendigen Antworten und Taten bisher schuldig bleibt. Entscheidend wird daher sein, wie lange und in welchem Umfang der Konflikt andauert und wie sehr die deutsche Wirtschaft dadurch beeinflusst werden wird.

Welche Rolle spielen die steigenden Energiepreise?

Entscheidend ist vor allem die Dauer des Konflikts und damit die Nachhaltigkeit des Energiepreisanstiegs. Bleibt uns der Anstieg erhalten, wirken sich die höheren Energiepreise über die Produktions- und Transportketten auf das gesamte Preisniveau aus. Die Inflation würde dann signifikant zulegen. Erneute Leitzinserhöhungen der europäischen Zentralbank wären früher oder später die Folge. Wenn die Märkte genau das erwarten, steigen auch die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen und damit der Baufinanzierungszins, der sich an eben diesen Renditen orientiert. Genau das konnten wir in den letzten Wochen bereits beobachten.

Und was heißt das konkret für Kaufinteressenten?

Ein langfristig steigendes Preisniveau hätte sicherlich auch Einfluss auf die Lebenshaltungskostenpauschalen, die Banken bei der Finanzierungsprüfung ansetzen. Unter sonst gleich bleibenden Bedingungen würde damit der finanzielle Spielraum der Kaufinteressenten erneut etwas sinken.

Sie haben die Inflation bereits angesprochen – welche Rolle spielt dabei die Geldpolitik der EZB?

Dass die Europäische Zentralbank sensibel auf Inflationsentwicklungen reagiert, ist richtig. Allerdings behandelt sie eine rein energiepreisgetriebene Inflation, wie wir sie derzeit als Folge des Konflikts im Nahen Osten beobachten, anders als eine breit gestreute und damit nachhaltige Preissteigerung. Höhere Zinsen können die Energiepreise nicht senken. Daher gilt es aus Sicht der EZB abzuwarten, ob der Effekt von Dauer ist und sich auf die gesamte Preislandschaft durchschlägt. Dieses Inflationsrisiko wurde von den Märkten aber schon eingepreist. Dadurch sind in den letzten Wochen die langfristigen Kapitalmarktzinsen und damit indirekt auch die Baufinanzierungszinsen gestiegen.

Wenn die Effekte bereits eingepreist sind, wie zeigt sich das aktuell bei den Finanzierungszinsen?

Die aktuelle geopolitische Lage schlägt sich vor allem in einer deutlich höheren Volatilität an den Kapitalmärkten nieder. Nicht unerhebliche Schwankungen bei den Baufinanzierungszinsen sind die Folge – sowohl insgesamt als auch zwischen einzelnen Banken, die Zinssteigerungen nicht immer im gleichen Tempo oder im gleichen Maß weitergeben. Gerade deshalb ist übrigens auch ein unabhängiger Bankenvergleich so wichtig, wie wir ihn auch bei VON POLL FINANCE anbieten.

Bei den grundsätzlichen Anforderungen der Banken sehen wir bisher keine signifikanten Verschärfungen. Wenn die Energiepreisentwicklung jedoch zu einem nachhaltig höheren Preisniveau und damit auch zu erhöhten Lebenshaltungskosten führt, ist davon auszugehen, dass viele Banken ihre Wohn- und Nebenkostenpauschalen in der Haushaltsrechnung anpassen werden.

Worauf kommt es bei einer Finanzierung jetzt also besonders an?

Aus meiner Sicht sind hier vor allem zwei Dinge wichtig. Zum einen die langfristige Tragfähigkeit in Verbindung mit einer gewissen Flexibilität bei der Finanzierung, so dass beispielsweise Tilgungssatzwechsel und damit eine Anpassung der Finanzierung an veränderte Lebensumstände möglich sind. Zum anderen sollte die energetische Perspektive der Immobilie genauer betrachtet werden, weil eben dieser Faktor die laufenden Kosten und perspektivisch auch den Wert der Immobilie maßgeblich beeinflusst. Modernisierungen und relevante Fördermöglichkeiten sollten daher von Beginn an mit geplant und bei der Finanzierung berücksichtigt werden.

Porträtfoto: © von Poll Immobilien GmbH

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