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27. Mai 2026
„Wer alle berät, versteht niemanden wirklich“
„Wer alle berät, versteht niemanden wirklich“

„Wer alle berät, versteht niemanden wirklich“

Im Fußball braucht es eine vernünftige Strategie, um ans Ziel zu kommen – sei es das Tor oder aber die Meisterschaft. Um nach der aktiven Karriere zu einem guten finanziellen Abschluss zu kommen, braucht es gute Beratung.

Interview mit Tarik El Bouazzaoui, Gründer der LMTLS Performance Beratungsagentur
Hi, Tarik, bei deiner Jungmakler-Award-Teilnahme 2024 wolltest du der „digitalste Versicherungsmakler Deutschlands“ werden. Was ist seitdem passiert?

Da ist so einiges passiert. „Digital“ ist für mich heute kein echtes Unterscheidungsmerkmal mehr, sondern vielmehr Standard. Ich habe meine gesamten Prozesse sowie alle Schritte vor und nach der Beratung vollständig digitalisiert.

Im Anschluss an die Reise beim Jungmakler Award hatte ich dann zwei Fußballer in der Beratung. Das hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern mir auch eine Frage aufgeworfen, die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: Profifußballer verdienen viel Geld, aber warum schaffen es die meisten trotzdem nicht, echtes Vermögen aufzubauen?

Das war für mich ein klarer Wendepunkt und zugleich der Beginn einer Mission, die ich mir selbst gesetzt habe. Denn genau das ist mein Element: nachhaltiger Vermögensaufbau mit intelligenten, individuellen Investments.

Ich habe bei diesen beiden aus nächster Nähe gesehen, wie das System funktioniert. Sie verdienen viel Geld, haben viele Einflüsse und viele Meinungen aus dem persönlichen Umfeld, aber keine klare Struktur in den eigenen Finanzen gehabt. Und genau das hat meine Perspektive komplett verändert.

Du bist also strategisch etwas umgeschwenkt?

Genau. Ich habe angefangen, mich intensiv mit der Realität nach der Profifußball-Karriere zu beschäftigen.

Und die Zahlen sind leider eindeutig: Ein erheblicher Teil der Profis hat bereits wenige Jahre nach dem Karriere­ende finanzielle Probleme. Je nach Studie sprechen wir hier von Größenordnungen, bei denen etwa jeder zweite Spieler in den ersten Jahren echte Schwierigkeiten bekommt.

Das hat mich ehrlich gesagt überrascht und auch schockiert. Allerdings nicht, weil das Einkommen fehlt, sondern weil häufig die Struktur fehlt. Meist fehlt sogar die Basis wie eine klare Kontenstruktur. Einnahmen und Ausgaben laufen über ein und dasselbe Konto. Genau hier wurde mir klar: Das ist ein systemisches Problem, hier möchte ich unterstützen.

Würdest du sagen, dass spezielle Zielgruppen der Schlüssel zum Erfolg sind im Vergleich zum klassischen „Generalisten“?

Ja, unbedingt, und ich glaube, man muss es noch klarer sagen: Wer alle berät, versteht niemanden wirklich.

Profisportler haben eine spezielle wirtschaftliche Realität. Dazu zählt ein kurzes Zeitfenster für hohes Einkommen, hohe Dynamik, internationale Strukturen und gleichzeitig ein Umfeld, das stark mitredet. Das kann man nicht nebenbei verstehen. Das wollte ich gezielt verstehen.

Wie bist du zu deiner jetzigen Zielgruppe gekommen?

In erster Linie über die zwei Profis, die mich damals über Instagram angeschrieben haben, dort habe ich eine etwas größere Followerschaft. Und über eine einfache, aber sehr direkte Frage: Warum schaffen es so viele Profis nicht, aus einem sehr hohen Einkommen ein Vermögen aufzubauen, das auch ein Leben nach der Karriere trägt?

Wenn man tiefer hineingeht, erkennt man schnell ein Muster. Es gibt sehr selten ein übergeordnetes System, das alle finanziellen Themen zusammenführt. Genau dort entsteht der Bruch. Deshalb gehe ich heute nicht nur in die individuelle Beratung, sondern auch direkt in die Vereine. Ich führe hier Workshops vom Nachwuchsbereich bis hin zu den Profis durch und vermittle die Grundlagen von Finanzstruktur, Risiko und Vermögensaufbau, und das, bevor überhaupt große Einkommen entstehen. Dabei arbeite ich praxisnah und orientiert an der Realität im Profisport.

Was ist von deinem digitalen Ansatz übrig geblieben?

Alles, aber in einer anderen Rolle. Digitalisierung ist heute die Grundlage dafür, dass Prozesse sauber, effizient und transparent laufen. Aber sie macht nicht den Unterschied. Der entsteht durch persönliche Beratung, fachliche Kompetenz und vor allem aber durch Diskretion und Vertrauen. Beides muss man sich kontinuierlich erarbeiten.

Hat sich dein Geschäftsmodell somit verändert?

Ja, fundamental. Ich arbeite heute systemisch und gehe die Finanzplanung der Spieler genauso strukturiert und taktisch an, wie man es auch aus dem Fußball kennt.

Die meisten Profis haben bereits Lösungen – Versicherungen, Investments, Berater. Was fehlt, ist nicht mehr Auswahl, sondern die richtige Struktur.

Du brauchst eine Abwehr, das ist deine Absicherung. Du brauchst ein Mittelfeld, das ist deine Stabilität und Vorsorge. Und du brauchst den Angriff, das sind deine renditestarken Investments. Ich sehe mich als Trainer an der Seitenlinie, der Strategie und Taktik vorgibt. Als Instanz, die alles zusammenführt, priorisiert und in ein funktionierendes System bringt.

Wie läuft die Beratung konkret ab? Tauchen die Spieler selbst auf?

Ja, selbstverständlich. Oft beginnt alles mit einem ersten Austausch per Nachricht oder Telefon. Danach folgen Online-Termine und, je nach Standort, auch persönliche Gespräche. Und genau das ist ein entscheidender Punkt: Viele Profis sind es gewohnt, dass sich jemand um ihre Belange kümmert. In einigen Bereichen funktioniert das auch, jedoch im Vermögensaufbau nicht. Hier muss jeder Spieler seine Finanzen zur Chefsache machen.

Daher sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Entscheidungen werden delegiert und die Verantwortung bleibt unklar. Die Spieler, die nachhaltig Vermögen aufbauen, sind die, die ihre finanzielle Struktur verstehen.

Welchen Bedarf haben Profisportler abseits vom Offensichtlichen wie Sportunfähigkeit oder Unfall?

Es geht darüber hinaus vor allem um steueroptimierten Vermögensaufbau, Vermögenserhalt über die Karriere hinaus und häufig auch um den Aufbau unternehmerischer Strukturen.

Das Ziel ist, sich langfristig unabhängiger von der eigenen Arbeitsleistung zu machen und Vermögen aufzubauen, das auch über Generationen bestehen kann. Viele verdienen zwar gut, aber nur wenige wissen, wie sie dieses Einkommen strategisch steuern.

Bringen deine Kunden viel Eigenwissen mit?

Ehrlich gesagt beschäftigen sich nur wenige wirklich intensiv mit dem Thema. Und selbst diejenigen, die sich informieren, sind Profis im Fußball und nicht im Finanzbereich. Das führt dazu, dass Entscheidungen getroffen werden, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, aber keine klare strategische Richtung haben. Und genau an diesem Punkt wird aus Einkommen dann leider kein Vermögen.

Wie baut man als Profi langfristig vor?

Man muss verstehen, dass diese Karriere kein Dauerzustand ist, sondern ein begrenztes Zeitfenster und oft schneller endet, als man denkt. In dieser Phase wird entschieden, ob man später abhängig ist oder unabhängig.

Die größte Herausforderung im Profifußball ist nicht, Geld zu verdienen. Die größte Herausforderung ist, daraus ein System zu bauen, das auch ohne aktives Einkommen funktioniert, und genau daran scheitern eben viele.

Dein nächster Schritt?

Ich baue meine spezialisierte Performance-Beratungsagentur für Profifußballer und Profifußballerinnen, LMTLS® (LMTLS.de), konsequent weiter aus. Gleichzeitig werde ich die Zusammenarbeit mit Vereinen und Nachwuchsleistungszentren weiterentwickeln, um finanzielle Bildung und strukturelles Denken früh im Karriereverlauf zu verankern. Mit klarem Fokus, hoher Spezialisierung und einem sehr hohen Anspruch an Diskretion.

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