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7. Mai 2026
„Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin“
„Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin“

„Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin“

Eine Studie der AGILA Haustierversicherung hat gezeigt, dass tierärztliche Versorgung überraschend stark vom Einkommen der Besitzer abhängt. Wie blickt der neue CEO des Spezialversicherers darauf? Und welche Entwicklungen in Tierversicherung und -medizin macht AGILA aus?

Interview mit Thomas Vogel, Vorstandsvorsitzender der AGILA Haustierversicherung AG
Herr Vogel, seit dem Inkrafttreten der neuen Gebühren­ordnung im Herbst 2022 müssen Besitzende beim Tierarztbesuch tiefer in die Tasche greifen. Wie hat sich der Tierversicherungsmarkt aus Ihrer Sicht seitdem verändert?

Der Herbst 2022 war ein entscheidender Wendepunkt in einem Markt, der vorher als Nische galt. Die seitdem deutlich höheren Kosten für tierärztliche Behandlungen haben bei vielen Tierhaltenden das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer finanziellen Absicherung geweckt. Und mit der gestiegenen Nachfrage nach Tierversicherungen hat sich auch die Zahl der Anbieter vervielfacht. Nicht zuletzt haben viele Generalisten die nun profitabel erscheinende Sparte Tier in ihr Portfolio aufgenommen, nachdem sie zuvor jahrzehntelang durch wenige Spezialversicherer wie die AGILA Haustierversicherung bedient worden war.

Auch die Tiermedizin hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, z. B. was Behandlungen angeht, aber auch in der Medikation. Was bedeutet die Weiterentwicklung der medizinischen Seite für Versicherer, Makler und Kunden?

Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin, denn er ermöglicht letztendlich ein längeres Zusammenleben der Menschen mit ihren geliebten Tieren. Gleichzeitig sind diese Entwicklungen für uns, aber auch unsere Wettbewerber immer wieder Anreiz zur Verbesserung unserer Produkte. Aktuell wird z. B. heiß diskutiert, ob man den traditionellen OP-Begriff, der für den reinen OP-Kostenschutz eine Rolle spielt und bisher meist einen größeren Hautschnitt voraussetzt, nicht erweitert. Denn immer häufiger können auch beim Tier operative Eingriffe minimalinvasiv erfolgen. Wer sich derzeit bei den Tierversicherungen umschaut, findet einen lebendigen, innovativen Markt vor. Wir Versicherer erweitern das Angebot stetig, bei AGILA in enger Zusammenarbeit mit den tierärztlichen Ansprechpartnern, und davon profitieren alle Beteiligten gleichermaßen.

Sie haben gerade eine Studie herausgebracht, die zeigt, dass die tierärztliche Versorgung stark vom Einkommen der Haltenden abhängt. Wie blicken Sie auf die Ergebnisse?

Unsere Statista-Befragung hat gezeigt, dass von den Tierhaltenden mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen bis 2.000 Euro nur 4% mehr als 2.000 Euro Tierarztkosten im gesamten Jahr 2025 gezahlt haben, während das bei einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen ab 5.000 Euro 31% waren. Wir haben uns natürlich gedacht, dass es hier Unterschiede gibt, aber das Ausmaß hat uns dennoch überrascht.

Es gibt ja auch immer wieder Kritik an Tierversicherungen, v. a. wegen hoher Kosten und Vertrags­bedingungen. Könnte man aber argumentieren, die Tierversicherung trägt auch dazu bei, eine „Zwei-Klassen-Medizin“ bei Haustieren zu verhindern?

Ich würde nicht von einer „Zwei-Klassen-Medizin“ sprechen, da in der Tiermedizin bei den zur Diskussion gestellten Behandlungsmöglichkeiten keine Unterschiede aufgrund des Versicherungsstatus gemacht werden. Die Tierärztin oder der Tierarzt gibt eine Empfehlung ab, die Tierhaltenden entscheiden anhand der eigenen Finanzkraft. Eine Tierversicherung ermöglicht es, im Ernstfall unabhängig vom Einkommen größere Summen für die Behandlung aufzubringen. Sie erweitert damit den Handlungsspielraum enorm und sorgt für mehr Gerechtigkeit. Das kommunizieren wir an unsere Kundinnen und Kunden, aber auch an die Maklerinnen und Makler.

Welche Herausforderungen sehen Sie denn in der Tarifgestaltung, gerade im Spannungsfeld zwischen Bezahlbarkeit und Leistungsumfang? Und welche Lösungen haben Sie?

Der zunehmende Wettbewerb im Tierversicherungsmarkt und die nach wie vor steigenden tierärztlichen Behandlungskosten kreieren naturgemäß auch einen gewissen Preis- und Rentabilitätsdruck. Weil aber tiermedizinische Behandlungen nun einmal an eine feste Gebührenordnung geknüpft sind, ist es faktisch nicht möglich, ähnliche Leistungen für deutlich weniger Geld anzubieten. Das heißt: Wenn ein Tarif auffallend günstig ist, deckt er zwangsläufig weniger Leistungen ab. AGILA hat sich bewusst dafür entschieden, bei der Tarifgestaltung stets den Leistungsumfang in den Vordergrund zu stellen, weshalb wir zu den Premiumanbietern in diesem Segment gehören. Um hier dennoch Flexibilität zu schaffen, haben wir im vergangenen Herbst unsere Tarife grundlegend überarbeitet. Seitdem haben unsere Kundinnen und Kunden bei wich­tigen Parametern wie der Höhe der Selbstbeteiligung oder den jährlichen Erstattungsgrenzen Wahlmöglichkeiten. Außerdem können sie entscheiden, ob und in welchem Umfang sie zusätzliche Leistungen wie Vorsorge oder Zahnbehandlungen mitversichern möchten.

Was sollten Makler beachten, wenn sie Kunden zu Tierversicherungen beraten?

Viele Tierhaltende haben keine konkreten Vorstellungen davon, wie teuer tiermedizinische Behandlungen sein können. Deshalb sollte die Eingangsfrage lauten: „Können Sie im Zweifelsfall Beträge in Höhe von mehreren Tausend Euro aufbringen?“ Falls die Antwort nein lautet, ist eine Tierversicherung ratsam.

Es gibt einige Prüfkriterien, die unabhängig vom gewählten Anbieter oder Tarif angelegt werden können. Dazu gehört unbedingt die Erstattung der tierärztlichen Leistungen bis zum vierfachen, das heißt maximal anrechenbaren Satz der Gebührenordnung. Auch anfallende Notdienstgebühren sollten im Versicherungsschutz enthalten sein. Wichtig ist zudem, genau auf eventuelle Wartezeiten, Altersgrenzen, Selbstbeteiligungen und Leistungsausschlüsse zu schauen. Bei Kundinnen und Kunden, die sich für den OP-Kostenschutz entscheiden, besteht häufig Aufklärungsbedarf hinsichtlich des bereits erwähnten OP-Begriffs. Dieser umfasst unter Umständen nicht alles, was Tierärztinnen und Tierärzte als OP bezeichnen.

Ihre Prognose: Wie wird sich das Segment der Tierversicherungen in den kommenden Jahren verändern?

Nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre werden wir in absehbarer Zeit einen Sättigungspunkt erreichen. Ich rechne damit, dass sich der Markt im Zuge dessen bereinigen wird und nicht alle derzeitigen Wett­bewerber in diesem Segment tätig bleiben werden. Mit Blick auf die Produkte erwarte ich, dass sich der derzeitige Trend zu mehr Flexibilität bei gleichzeitiger Aufwertung der Vorsorge- und Zusatzleistungen weiter fortsetzt.

Mit welchen Maßnahmen und Prozessen sorgen Sie denn als Versicherer dafür, dass es für Kunden und Makler möglichst reibungslos und schnell geht?

Bisher lag der Fokus bei AGILA überwiegend auf dem Direktgeschäft. Dementsprechend weit sind wir bei der Digitalisierung der dazugehörigen Prozesse: Von der mobilen Antragsstrecke bis zur Rechnungseinreichung läuft bereits alles auf höchstem technischen Niveau. In den kommenden Monaten werden wir uns nun verstärkt unseren Services für Maklerinnen und Makler widmen, da wir die Zusammenarbeit mit ihnen künftig ausweiten und intensivieren wollen. Unter anderem sind wir seit diesem Jahr Mitglied bei BiPRO und stellen aktuell unsere internen Prozesse entsprechend um, um hier die optimale Anbindung zu ermöglichen.

Haben Sie selbst auch ein Haustier – und wenn ja, wie ist es versichert?

Meine Familie und ich sind im vergangenen Jahr auf den Hund gekommen: Seitdem bereichert eine junge Labradordame namens Charly unser Leben. Charly ist natürlich bei AGILA versichert. Wir haben bereits im vierten Lebensmonat eine Tierkrankenversicherung für sie abgeschlossen, denn sie soll genau wie alle anderen Familienmitglieder die bestmögliche gesundheitliche Absicherung bekommen.

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