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27. Januar 2026
Verzahnung digitaler Tools: Das tägliche Dilemma der Versicherungsmakler

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Verzahnung digitaler Tools: Das tägliche Dilemma der Versicherungsmakler

Verzahnung digitaler Tools: Das tägliche Dilemma der Versicherungsmakler

Wie können Versicherungsmakler digitale Tools – vom MVP über Vergleichsrechner bis zu Extranets – reibungslos miteinander verzahnen? Diese Frage beschäftigt viele Maklerunternehmen. Wie weit ist die Branche und welche Ansätze schaffen echte Vernetzung?

Versicherungsmakler arbeiten heute mit einer Vielzahl digitaler Tools. Im Zentrum steht dabei das Maklerverwaltungsprogramm (MVP), flankiert von Vergleichsrechnern, Marketinglösungen, Versicherer-Extranets und diversen Versicherungsportalen. Doch jedes dieser Systeme arbeitet oftmals mit eigenen Datenformaten, Schnittstellen (APIs) und Sicherheitsanforderungen, was eine reibungslose Verzahnung erschwert. Entsprechend überrascht es kaum, dass die Systemintegration all dieser Tools laut AssCompact TRENDS-Studien weiterhin als größte digitale Herausforderung im Maklerbüro gilt.

Dabei ist der Digitalisierungsgrad in der Maklerschaft höchst unterschiedlich. Während einige Maklerunternehmen bereits weit entwickelte digitale Prozesse nutzen, kämpfen andere noch mit grundlegenden Fragen der Datenstruktur und Prozessqualität. Hinzu kommt, dass externe Partner wie Pools, Dienstleister oder Digitalisierungsberater die Systemwelt im Maklerbüro oft aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. So entsteht ein Gesamtbild, das gleichermaßen von wichtigen Fortschritten wie von strukturellen Bremsklötzen geprägt ist.

Zwischen Bewegung und Blockaden

Deutliche Fortschritte erkennt beispielsweise Bastian Roeder, Vorstand des Maklerpools BCA. Er sieht die Branche technologisch gut aufgestellt: „Als Förderer des digitalen Maklerbüros freut es uns zunächst sehr, dass viele Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler bereits heute digitale Plattformen wie unsere Vermittlerplattform DIVA und unsere Kunden-App ‚Ihr FinanzCockpit‘ nutzen, die Versicherungs- und Investmentprozesse sowie Kundenkommunikation integriert.“ Aus seiner Sicht heben Automatisierung, Datenstandardisierung und moderne KI enorme Potenziale, die Maklerbetrieben im Alltag spürbare Entlastung und neue Möglichkeiten bieten.

Julie Schellack, Partnerin der Martens & Prahl Holding, zu der mittlerweile 90 Maklerbetriebe gehören, teilt diesen grundsätzlichen Optimismus, weist jedoch auf die Voraussetzungen hin, die vielerorts noch nicht erfüllt sind. „Voraussetzung sind immer auch strukturierte Daten und klare Prozesse im Maklerunternehmen. Und viele Makler kämpfen mit der Datenqualität der Bestände.“ Viele ältere Versicherungsverträge seien nicht in der erforderlichen Qualität und Dichte im System gespeichert, und ein großer Teil der entscheidenden Risikodaten liege nach wie vor ausschließlich bei den Versicherern. Dieser Umstand erschwere eine saubere Automatisierung.

Den MVP-Herstellern bescheinigt Schellack, dass sie an den nötigen Schnittstellen arbeiten oder diese bereits bereitstellen. Engpässe gebe es trotzdem: Der Datenaustausch mit Versicherern funktioniere nur bedingt. GDV-Daten seien in die Jahre gekommen und als Stichtagsdaten oft nicht synchron zum tatsächlichen Maklerbestand. Auch die BiPRO-Standards, eigentlich als einheitliche Branchenlösung gedacht, litten unter unterschiedlichen Interpretationen und einer zu geringen Implementierung auf Versichererseite. Wenn nur wenige Versicherer beispielsweise den BiPRO-Standard 430.7 oder den Empfang von Vermittlerabrechnungen für die Lieferung von Provisionsdaten umsetzen, dann könne man kaum von einer funktionierenden Marktbreite sprechen, so Schellack.

Spürbare Folgen für Effizienz und Wachstum

Für Makler hat diese Situation spürbare Auswirkungen. Medienbrüche, manuelle Übertragungen und der ständige Wechsel zwischen Systemen kosten Zeit und erhöhen das Fehlerrisiko. Gleichzeitig erschwert eine fragmentierte Systemlandschaft die Skalierbarkeit digitaler Prozesse und begrenzt damit das Wachstumspotenzial. Der Alltag in vielen Betrieben ist geprägt von halb-digitalen Abläufen, die zwar moderne Tools einbeziehen, aber dennoch analoge Restprozesse enthalten. Ralf Kohl, Experte für Maklerprozesse bei maklerkonzepte.com und Mitinitiator des Netzwerks KI-Offensive, bringt dies prägnant auf den Punkt: „Das digitale Maklerbüro existiert – aber meist nur auf dem Papier. Die Technik ist da, aber sie greift nicht sauber ineinander. Viele Betriebe arbeiten mit modernen Tools, aber ohne durchgehenden Prozess.“

Nach Kohls Einschätzung fehlt es weniger an Technologie als an klaren Prozessarchitekturen und einem gemeinsamen Takt innerhalb der Branche. Jeder Versicherer setze Standards anders um, und viele Makler hätten Digitalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre ohne übergreifende Struktur eingeführt. Als möglichen Lösungsweg bringt er No-Code-Plattformen wie make.com oder n8n ins Spiel, die offene Schnittstellen bieten und es erlauben, Anwendungen und Workflows ohne Programmierkenntnisse zu entwickeln. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass im Maklerunternehmen zunächst klare Prozesse definiert würden. Hierfür stünden sogar staatliche Fördermöglichkeiten wie die BAFA-Beratung für KMUs zur Verfügung.

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