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20. März 2026
Der Kampf der Börse mit dem Nahostkonflikt
Der Kampf der Börse mit dem Nahostkonflikt

Der Kampf der Börse mit dem Nahostkonflikt

Ende Februar haben die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angegriffen. Seitdem ist die Situation am Kapitalmarkt äußerst instabil – ungewöhnlicherweise. Wie ist der aktuelle Stand? Und wie wird die EZB damit umgehen?

Man war in den letzten Jahren an der Börse fast ein wenig verwöhnt. Denn seit 2020 jagt eine geopolitische Krise die nächste. Das Positive dabei: Der Börse war das nach einem vergleichsweise kurzen Schock meist egal – sie ist einfach immer weiter nach oben geklettert. Auch der Dax hat in den letzten Monaten regelmäßig neue Rekorde aufgestellt, Ende Februar residierte er bei klar über 25.000 Punkten.

Doch am 28.02.2026 kam dann der Dämpfer: Die USA und Israel greifen den Iran an und es kommt zu einer erneuten Eskalation des Nahostkonflikts. Erst ging der Dax daraufhin schnell auf unter 24.000 Punkte zurück, Tendenz fallend. Am Freitag, 20.03.2026, um die Mittagszeit steht er zwischen 22.700 und 22.800, nach einem nochmaligen deutlichen Absturz am Donnerstag, 19.03. Auslöser hierfür dürften die Angriffe Israels auf Förderanlagen, die mit dem weltgrößten Gasfeld South Pars verbunden sein sollen, so schreibt es tagesschau.de. Der Iran hat seinerseits gegengesteuert mit Drohungen, Öl- und Gasanlagen in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu zerstören. Das Ganze sorgt global für ansteigende Öl- und Gaspreise – der Blick auf die Preise an der Tankstelle am Freitagmorgen dürfte bei dem einen oder anderen bereits Schmerzen in der Geldbörse ausgelöst haben, noch bevor man den Zapfhahn in die Hand genommen hat.

Blickt man international, hat auch der S&P 500 seit Ende Februar Federn gelassen in Höhe von etwa 4%. Gut, die USA kämpfen derzeit mit den verschiedensten Problemen. Zum Beispiel einem Weißen Haus, über das man eigentlich ein Zirkuszelt spannen müsste, um das äußere Erscheinungsbild der aktuellen Situation innerhalb der Wände anzupassen.

Wo bleibt die Ruhe?

Wie oben erwähnt: Üblicherweise kehrte an den Märkten nach einem initialen Schock aufgrund solcher Begebenheiten immer wieder recht schnell Ruhe ein. Dieses Mal ist es anders. Gerade am Dax sah man am 02.03., dem Montag nach dem Angriff im Iran, den Sturz nach unten – und dann reduzierte sich der Punktestand langsam, aber stetig weiter.

Woran das liegt? Nun, die Weltwirtschaft ist bekanntermaßen an Komplexität kaum zu überbieten. Tatsache ist jedoch, dass nach dem Angriff am 28.02. die Lage nicht entspannter wurde, sondern immer wieder neue Entwicklungen hinzukamen, die die Weltwirtschaft direkt oder indirekt betreffen und außerdem von öffentlichem Interesse sind. Das erkennt man u. a. daran, dass auch die Tagespresse tagtäglich über den Nahostkonflikt berichtet – weil die Masse es liest.

Es bietet sich ja auch an: Zunächst der initiale Angriff, dann ist die Straße von Hormus blockiert, dann kommt der „Öl- und Gaspreisschock“, die wiederum ziehen Inflations- und Stagflationsrisiken nach sich und und und … Man könnte sagen: Es hat einen Grund, warum sich auch der Markt nicht entspannt – denn die Menschen sind es auch nicht.

Und die Zinsen?

Apropos Inflation: Die hat sich in den letzten Monaten auch im Euroraum ziemlich entspannt und hat sich brav um die 2% bewegt, dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt. Die Notenbanker um Präsidentin Christine Lagarde konnten daher auch den Leitzins beruhigt bei 2% belassen. Jetzt stellt sich allerdings doch wieder die Frage, ob die EZB dieses Jahr nicht doch nochmal daran schraubt – aufgrund der Energiepreise vielleicht nach oben?

Am Donnerstag tagte die EZB wieder zum Leitzins und änderte für den Moment noch nichts, so wie die anderen westlichen Notenbanken. Sie ist sich aber der Veränderung des Marktes durchaus bewusst. In der zugehörigen Mitteilung schreibt sie: „Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge.“ Man sei allerdings gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen.

Die Frage ist, inwiefern die durch die steigenden Energiepreise voraussichtlich auch steigende Inflation die EZB zu einer Entscheidung treibt. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 reagierte die Frankfurter Institution recht spät, nämlich im Juni 2022, was damals auch für Kritik sorgte.

Und wie dann die Märkte reagieren werden? Tja, das zeigt wie immer nur die Kristallkugel. (mki)