Die letzte Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der Sommerpause steht bevor. Mit Spannung wird erwartet, ob eine zweite Zinserhöhung, die in diesem Jahr kommen dürfte, bereits jetzt erfolgt. Ein wichtiger Faktor für die Entscheidung der EZB ist dabei die Inflation. Deren Entwicklung hat indirekt auch Einfluss auf die Baufinanzierungszinsen. In einem Zinskommentar ordnet Florian Pfaffinger, Mitglied im Expertenrat bei Dr. Klein, die Zusammenhänge zwischen dem Konflikt in Nahost, der Inflation und den Bauzinsen ein.
Entspannung nach Abkommen nicht von Dauer
Pfaffinger zufolge hatte das im Juni im Nahost-Konflikt geschlossene Abkommen zwischen den USA und dem Iran einen Dominoeffekt im positiven Sinne zur Folge: Der Ölpreis war vorübergehend gesunden und damit auch die Furcht vor einer weiter steigenden Teuerungsrate. Die geringere Inflationserwartung wiederum führten dazu, dass sich Investoren am Finanzmarkt mit niedrigeren Zinsen zufriedengaben. In der Folge verringerten sich die Renditen der Bundesanleihe und damit letztlich auch die Bauzinsen. Der repräsentative Zins von Dr. Klein für eine zehnjährige Baufinanzierung lag in den ersten Julitagen bei 3,32%. „Der Zinsrückgang spiegelte die Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Iran-Konflikts wider“, erklärt F Pfaffinger. „Zugleich wird deutlich, wie sensibel das Zinsumfeld auf geopolitische Ereignisse reagiert und wie volatil es dadurch ist.“
Zinsanstieg nach neuerlicher Eskalation
Wie sensibel die Zinsen auf die Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran reagieren, wurde in den vergangenen Tagen abermals deutlich. Der Dominoeffekt wiederholte sich, aber in umgekehrter Richtung: Die jüngste militärische Zuspitzung sorgte für einen Anstieg des Ölpreises und befeurete die Inflationssorgen einmal mehr. Folglich zogen die Renditen für die Bundesanleihe und wie gewohnt mit leichter Verzögerung auch die Bauzinsen an. Der repräsentative Zins von Dr. Klein bewegt sich nun bei 3,56% für eine zehnjährige Baufinanzierung (Stand: 20.7.2026). „Die Entspannung am Markt war leider nur von kurzer Dauer“, unterstreicht Pfaffinger. „Für potenzielle Käuferinnen und Käufer bedeutet das: Eine Drei vor dem Komma ist aktuell definitiv ein attraktives Angebot.“
Seitwärtsbewegung der Bauzinsen erwartet
Der Zinsexperte geht in den kommenden Wochen von einer Seitwärtsbewegung der Bauzinsen aus, in der es wechselnd auf und ab gehen dürfte. Kurzfristige Zinsdellen würden sich dann mit guter Vorbereitung nutzen lassen, so Pfaffinger. Sie sollten aber keinesfalls die Grundlage einer Finanzierung bilden. „Es lohnt sich zudem, in einer so volatilen Zeit wie heute, verschiedene Angebote einzuholen. Kreditinstitute reagieren unterschiedlich schnell auf die geopolitische Nachrichtenlage, so dass die Zinssätze variieren können“, rät der Experte. Mittelfristig wird eine Seitwärtsbewegung mit geringer Aufwärtstendenz erwartet.
Experten rechnen mit Zinspause bei der EZB
Mit Blick auf die anstehende EZB-Sitzung lautet die Frage wie eingangs erwähnt, ob sie bereits jetzt die Zinsen nochmals anhebt. Eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr gilt als wahrscheinlich. „Die Märkte erwarten eine Anhebung auf 2,5%“, führt Pfaffinger aus. „Meines Erachtens wird dieser Schritt erst nach der Sommerpause kommen. Zum einen sehen wir noch immer eine schwächelnde Konjunktur, zum anderen geben die jüngsten Inflationsdaten keinen Grund, die Zinsen bereits im Juli zu erhöhen.“ Die Teuerungsraten lagen laut dem Statistikportal Eurostat im Juni 2026 bei 2,8% im Euro-Währungsraum und bei 2,4% in Deutschland. Beide Werte haben sich damit gegenüber dem Vormonat verringert. (tik)
Weitere News rund um Baufinanzierung finden Sie in der Rubrik „Immobilien“.
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